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Vergessene Lebenserfahrungen

Wir wünschen uns, dass Diskurse nicht länger anhand von identitären Gruppenmitgliedschaften geführt werden, sondern es um Inhalte geht. Ein solches inhaltliches Thema wäre, sich darüber zu unterhalten, was das Einteilen von Menschen in Gruppen an Gleichberechtigung gebracht hat und ob da nicht ein paar Themen unter den Tisch gefallen sind.

Eines dieser vergessenen Themen ist Transsexualität. Weil die Politik dieses Thema - häufig auch bewusst - ignoriert, ist es immer noch möglich, transsexuellen Frauen ihre eigene Lebensgeschichte bis zum Coming Out so umzudeuten, dass daraus eine "Erfahrung als Mann" oder "Erfahrung in beiden Welten" daraus gemacht wird.

Wenn Transsexualität keine Frage der Beliebigkeit ist, sondern angeboren ist - wovon wir ausgehen - dann haben transsexuelle Frauen bis zu ihrem Coming Out Erfahrungen als Menschen gesammelt, die auf Grund ihres Körpers regelmässig damit konfrontiert gewesen sind, sich in einer Schublade wiederzufinden, in der sie sich von ihrem Selbstverständnis her nie befunden haben.

Grüne Gesetzesideen, Identitarismen und Kästchendenken

Es gibt Menschen, die können sich nicht als Menschen begegnen. Es sind Menschen, die Schubladen brauchen und die Menschheit danach einteilen. Meistens steckt ein autoritäres Weltbild dahinter. Wer die, die, die und die hat, kann Menschen zuteilen und sie an einen bestimmten Platz verweisen. Häufig teilen sich diese Menschen auch selbst ein. Als schwul, als trans* als intergeschlechtlich. Herangezogen für diese Einteilungen werden dann gerne Körpermerkmale. Wer dann der Einteilung widerspricht, der findet sich dann als Mensch beschrieben wieder, dessen Identität vom Körper abweicht. Sven Lehmann von den Grünen zeigt uns mit einem Gesetzesentwurf, wie autoritäre Kästchendenker sich die Welt einteilen wollen. Mit identitären Gesetzen.

Sven Lehmann von den Grünen hat nun ein Gesetzesentwurf zur Ablösung des TSG vorgeschlagen. Dieser Entwurf hält zahlreiche Identitarismen und Einteilungen in stereotype Menschenkategorien.

  • Es werden Körpermerkmale zur Geschlechtsbestimmung herangezogen und daher zwischen Trans- und Intergeschlechtlichen Menschen unterschieden
  • Es werden medzinische Eingriffe direkt mit der Frage des Personenstands vermischt und in das Gesetz eingefügt
  • Es wird davon gesprochen, eine "Geschlechtsidentität" anzuerkennen und nicht das Geschlecht
  • Es wird von Menschen gesprochen, deren Identität vom Körper abweicht, anstatt von Menschen deren Körper von ihrem Geschlecht abweicht (damit wäre so ein Gesetz paradox)
  • Es werden Veränderungen an den Genitalien bei Kindern verboten, selbst dann wenn sie darunter leiden, dass ihr Körper von ihrem Geschlecht abweicht

Aus sich von autoritären homosexuellen oder transvestitischen (trans*)Menschen, die geschlechtliche Kästchen benötigen, um mit ihrem Leben klarzukommen (also die, die sich selbst so einteilen), mag so ein Gesetz ja toll sein, da es offenbar ihrem Weltbild entspricht. Das Problem dabei ist, dass Transsexualität (Abweichung körperlicher Merkmale zum Geschlecht) mit einem solchen Gesetz noch stärker unsichtbar gemacht wird, als das bisher der Fall ist.

Ein Gesetzesentwurf, wie der von Sven Lehmann und den Grünen vorgeschlagen, will keine Freiheit, sondern Einteilungen gesetzlich festschreiben. Es entspricht der politischen Agenda der letzten Jahre, in der es fast ausschliesslich darum ging, geschlechtliche Grenzziehungen gesetzlich zu verankern, anstatt Menschen als Menschen zu behandeln. Es ist ein autoritärer Trend.

Wer stoppt diese Identitarismen?

Zur Erinnerung: Wir setzen uns für einen Abbau geschlechtlicher Grenzziehungen ein. Wir sehen den Akt der Einteilung nach Körpermerkmalen und die Einteilung in Identitäten als gewalttätig an. Menschen müssen ein Recht haben, als Mensch behandelt zu werden.

Wir setzen uns dafür ein, dass jeder Mensch das Recht hat, seinen Geschlechtseintrag ändern zu lassen. Und damit meinen wir jeden Menschen. Ohne Verknüpfung mit ideologischen Weltanschauungen. Ohne geschlechtliche Voreinteilungen in geschlechtliche Kategorien wie "trans*" oder "inter*". Ohne Bezug zu "Geschlechtsidentität". All diese Ein- und Beschränkungen sind paradox und machen die Welt nicht freier, sondern unfreier.

Der Link zu den identitären Ideen von Sven Lehmann: Hier