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Ein interessanter Text über Essentialismus und Gegen-Identitäten

Wir möchten einen Text hier hinkopieren. Als Grosszitat, weil er ein interessanter Text ist. Er erklärt auch, warum identitäre Essentialisten Transsexualität unsichtbar machen (müssen). Wir haben manche Abschnitte hervorgehoben, die im Zusammenhang mit Transsexualität interessant sind.

Der Text:
(Quelle: https://anarchistischebibliothek.org/library/lawrence-jarach-der-essentialismus-und-das-problem-der-identitatspolitik)
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Lawrence Jarach

Der Essentialismus und das Problem der Identitätspolitik

Vorläufige Thesen für eine längere Diskussion über den Essentialismus und das Problem der Identität

  1. Der Essentialismus ist die Idee, dass einige nachweisbare und objektive Kerneigenschaften von einzelnen Menschengruppen existieren, die inhärent, ewig und unveränderlich sind; Gruppierungen können nach diesen Eigenschaften der Essenz kategorisiert werden, die auf solch problematischen Kriterien wie Geschlecht, Rasse, Ethnizität, nationale Herkunft, sexuelle Orientierung und Klasse basieren. Diese äußerlichen Eigenschaften sind fast immer durch sichtbare Merkmale bestimmt, was die Kategorien immer offensichtlicher und/oder leichter erkennbar macht. Diese Eigenschaften enthalten einen sozialen und – was aus einer anti-autoritären Perspektive noch wichtiger ist – einen hierarchischen Stellenwert für diejenigen, die die Merkmale bestimmen und für diejenigen, die durch sie bestimmt werden: Sexismus, im Falle von Gender/Geschlecht, Rassismus im Fall von Hautfarbe, die unerwünschte Aufmerksamkeit der Autoritäten im Falle von sämtlichen anders aussehenden/handelnden Menschen. Rassismus, Sexismus, Klassismus sowie die meisten anderen Formen historischer Unterdrückung sind Ideologien und Politiken, die durch den Essentialismus gepflegt und gerechtfertigt werden.

  2. Für einen Menschen oder eine Menschengruppe am Empfängerende von Rassismus, Sexismus, etc. kann der Essentialismus als eine kraftvolle defensive Perspektive und ein Gegen-Narrativ erscheinen. Anstatt für Kategorien der Abwertung und Unterordnung zu werben, versucht der gegen-essentialisitsche Diskurs der Identitätspolitik die historischen Kategorien der Unterdrückung in Kategorien der Zelebration umzuwandeln. Dies beginnt häufig durch die Aneignung von Beleidigungen und die Umwandlung in akzeptable, sogar ehrenhafte Etiketten. Was einmal beabsichtigte, Andere zu verletzen, wird somit eine Art, den Stolz auf das Gruppen-Selbst auszudrücken. Im Einklang mit diesem Umkehrprozess stellt die Gegen-Essentialistin die Kategorien der Andersheit oft nur auf den Kopf, so dass aus sichtbar identifizierbaren Mitgliedern der Unterdrückergruppe Feinde werden. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl; entweder mit der Gruppe, die unterdrückt oder unterdrückt wird, das ist unerheblich. Der Essentialismus ist nicht die exklusive Domäne der Unterdrücker.

  3. Der Diskurs des Gegen-Essentialismus schließt die Ideologien der Unschuld und der Viktimisierung ein, was eine Identität, die auf der Geschichte einer geteilten Unterdrückung basiert, schnell in eine Pose der Überlegenheit verwandeln kann. Der Gegen-Essentialismus besagt, dass das Opfer angeblich immer unschuldig ist, daher sind die Aktionen und Reaktionen der Opfer für immer über jede Kritik erhaben; alle guten Christen wissen, dass Leiden adelt. Unterdrückung ist niemals das Ergebnis von etwas, das das Opfer tatsächlich dem Unterdrücker angetan hat, was auch immer das Opfer für Strategien zum Widerstand wählt, sie sind legitim. Selbstverteidigung ist seine Rechtfertigung.

  4. Die Anhänger der Identitätspolitik stellen die Kriterien, die zur Viktimisierung verleiten, nur selten – wenn überhaupt – in Frage. Sie können sich die Möglichkeit nicht vorstellen, dass die Erhöhung von irgendeinem kulturell konstruierten Merkmal zu einer wichtigen, wertbeladenen Kategorie, zu Unterdrückung führen könnte. Im Gegensatz zu Unterdrücker-Essentialisten, ignorieren die Gegen-Essentialisten die Komplexität der Machtbeziehungen (welche bedingungs- und situationsabhängig sind); aber wie Unterdrücker-Essentialisten schwelgen sie in der selbstgefälligen Selbstsicherheit, dass ihre Identität statisch, unabhängig und ewig ist. Essentialisten schaffen und pflegen ihre eigenen Privilegien durch die Institutionalisierung von Macht, Gegen-Essentialisten durch die Institutionalisierung der Unschuld.

  5. Franz Fanon, Ernesto „Che“ Guevara, Patrice Lumumba und viele weitere Anhänger der nationalen Befreiung aus der Dritten Welt, selbst solche die bei Anarchisten in noch schlechterem Ruf stehen (wie Castro, Tito und Mao), inspirierten Generationen von selbsternannten Revolutionären in der imperialen Metropole, um gegen Diskriminierung, Rassismus, Kolonialismus und Unterdrückung zu kämpfen. Dass all diese Nationalisten in staatlichen[1] – für gewöhnlich marxistischleninistischen, d.h. stalinistischen – Rahmen dachten, schrieben und handelten ist auch klar. Trotzdem behalten sie, als erfolgreiche Anti-Imperialisten, einen gewissen Reiz und eine gewisse Glaubwürdigkeit unter Anarchisten. Denn: welcher Anarchist würde für den Imperialismus sein?

  6. Die Philosophie und die Vision der Selbstbestimmung benötigt einen Apell an die weltpolitische Meinung; es ist so, als würden sogenannte revolutionäre Nationalisten sagen wollen: „Wir sind reif genug, um unsere eigene Regierung zu leiten, Verträge zu machen, Handel mit den etablierten Staaten der Welt zu treiben, und lästige Dissidenten zu kontrollieren.“ Auf einer bestimmten Ebene akzeptierten und förderten diese angehenden nationalen Führer die Rechtfertigung des Kolonialismus – nämlich: dass die Eingeborenen zu unentwickelt oder ungebildet waren, um die angemessene Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ihres Landes zu bestimmen. Sie wollten zeigen – entweder durch die Macht der Moral (wie im völlig mythologisierten Fall von Gandhi) oder die Macht der Waffen (wie im völlig romantisierten Fall von Che u.a.) –, dass sie es wert waren, dass mit ihnen verhandelt und gerechnet werde, und dass sie auf lange Sicht als gleichberechtigter Partner im Bereich der Staatskunst anerkannt werden. Landesgrenzen, die von den Kolonialmächten erfunden und auferlegt wurden, würden respektiert werden, Handelsabkommen würden generell (oder auf lange Sicht) mit der ehemaligen Kolonialmacht geschlossen werden, Gesetze, die von den ehemaligen Kolonialherren gegen interne Dissidenz erlassen wurden, würden weiterhin Anwendung finden, etc. Die einheimische Bourgeoisie übernahm all die Institutionen der Regierung und lenkte – durch Aufrufe zu ausdrücklich klassengemischter, ethnisch-nationaler Einheit und Solidarität – vom grundsätzlicheren Kampf zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten ab.

  7. Die auf Geschlecht und Ethnie basierenden Befreiungsbewegungen in Europa und den Vereinigten Staaten der späten 1960er und frühen 1970er nahmen ihre ideologischen Grundlagen und Rechtfertigungen von diesen erfolgreichen anti-kolonialen Kämpfen. Die Rhetorik der nationalen Befreiung der Dritten Welt wurde ständig benutzt, so dass viele Afroamerikaner, manche Frauen und andere selbsternannte unterdrückte Gruppen begannen, sich selbst als „innere Kolonien“ zu beschreiben. Minderheiten aller Art wurden bereits von den Eliten der hierarchischen Gesellschaft als das untergeordnete Andere identifiziert; die einfache Identifikation der kolonialen Ausbeuter und ihrer Institutionen als das unterdrückende Andere liegt im Herzen der Wirren der Identitätspolitik. Jeden zu blamieren, jedem die Verantwortung und Schuld zuzuweisen, der zur Kategorie der unterdrückenden Anderen gerechnet wird, begrenzt die Möglichkeit, Hierarchie und Herrschaft zu transzendieren; dieser Prozess kehrt bloß den Wert, der einzelnen Klassen oder Gruppen von Menschen gegeben wird, um, ungeachtet ihrer persönlichen Komplizenschaft mit historischer oder gegenwärtiger Unterdrückung.

  8. Für die meisten Frauenbefreierinnen wurde die Kategorie Frau – reduziert/verkürzt auf eine hermetische[2] Kategorie, die nur auf Geschlecht basiert – die einzige Kategorie von Bedeutung. Die Abwertung und Unterdrückung von Frauen war überall klar: Diskriminierung, Vergewaltigung und andere Formen der Gewalt, Belästigung, Erwartung und Durchsetzung der Mutterschaft und der Heterosexualität, und die unzähligen Wege, um Frauen abhängig und unterwürfig zu halten. Frauenbefreierinnen erklärten das Patriarchat zum Feind, einige gingen den nächsten logischen Schritt und machten Männer – reduziert auf eine hermetische Kategorie, die nur auf Geschlecht basiert – zum Feind. Für die meisten schwarzen Nationalisten wurde die Kategorie Schwarz – reduziert auf eine hermetische Kategorie die nur auf Genetik und Rasse basiert – die einzige Kategorie von Bedeutung. Die Abwertung und Unterdrückung der Schwarzen war überall klar: Diskriminierung in Form von Jim Crow[3], Lynchen und anderen Formen der Gewalt, Belästigung (besonders durch den Gesetzesvollzug), der Erwartung und Durchsetzung von Unterwürfigkeit, und die unzähligen Wege, um schwarze Menschen abhängig und unterwürfig zu halten. Schwarze Nationalisten erklärten den weißen Rassismus zum Feind, einige gingen den nächsten logischen Schritt und machten die weißen Leute – reduziert auf eine hermetische Kategorie die nur Auf Genetik und Rasse basiert – zum Feind.

  9. Rasse und Geschlecht, ähnlich wie andere kulturell bestimmte ideologische Konstrukte, sind beides: real und unreal. Unreal im biologischen Sinne; Vorstellungen von diesen Unterschieden beziehen sich nicht auf objektive – d.h. nicht-kulturell basierte – Kategorien. Real im soziologischen Sinne; es gibt klare, Wege Rassismus, Sexismus und andere Formen der Herrschaft und Ausbeutung ungeachtet eines bestimmten kulturellen Kontextes zu erkennen. Sie verdienen daher eine kritische Aufmerksamkeit. Diejenigen, die den Diskurs der Gender Studies verfechten, haben eine exzellente Arbeit im Analysieren und Zertrümmern der kontingenten[4] Art, in der das Geschlecht verstanden wird, geleistet, die zeigt, dass bestimmte Kombinationen von Chromosomen und Genitalien nur einen Teil (und wohl nicht mal den wichtigsten Teil) von dem, was Geschlecht seine Bedeutung gibt, ausmachen. Kritische Rassentheorie [sic!] ist auch eine vielversprechende und interessante neuere anti-esssentialische Entwicklung.

  10. Kolonialisten und ihre Verteidiger promoten ständig mythisch-ideologische Kategorien der Herrschaft. Menschen, die sich hierarchischen Institutionen widersetzen, verstehen und erwarten das bereits. Der konzeptuelle Hauptwiderspruch der Anti-Imperialisten (diejenigen, die sich angeblich kolonialen Praktiken widersetzen) ist ihr Akzeptieren der euroamerikanischen Vorurteile und Stereotypen – nur mit den umgekehrten Werten. Die Kategorien des verleumdeten Anderen (Schwarzer, Wilder, Frau), geschaffen und aufrecht erhalten zum exklusiven Vorteil der „europäischen Vorherrscher“ und Sexisten, wird nicht in Frage gestellt; es versteht sich von selbst, dass ihre Objektivität auf dem common sense der Kultur basiert, die ursprünglich von den Rassisten und Sexisten geschaffen wurde. Jeder kann sagen, ob jemand männlich oder weiblich ist – es ist biologisch. Jeder kann sagen, ob jemand schwarz oder weiß ist – es ist wissenschaftlich. Bereits vor (aber vor allem während) den prägenden Jahren des europäischen Kolonialismus wurden Wissenschaft und Biologie als Methode, die objektive Realität zu erkennen, betrachtet. Anti-Imperialisten, als gute Marxisten-Leninisten, finden nichts beunruhigendes an der Wissenschaft; es ist das, was ihre besondere Ideologie von allen anderen Formen des Sozialismus trennt. Allerdings ist die Wissenschaft ein ideologisch getriebenes Streben. Die Wissenschaft für eine neutrale Untersuchung und eine Einsicht in Fakten – dem technologischen Fortschritt, der zunehmenden Befreiung der Menschheit und dem Wissen über das Universum zuliebe – zu halten, sollte wie jede andere Form von Wunschdenken behandelt werden. Das Wissen ist nicht getrennt von den Zwecken, für die es benutzt wurde und gerade benutzt wird.

  11. Gruppenselbstdefinition scheint in den anarchistischen Prinzipien der Selbstorganisation und der freiwilligen Assoziation Platz zu haben. Die gegen-essentialistische Identität kann selbst als ein Versuch verstanden werden, die verwandschaftliche Gemeinschaft zurückzuerobern, zerstört durch die Aufdrängung des industriellen Kapitalismus (der auf der Arbeitsteilung und der dadurch resultierenden Atomisierung und Entfremdung von Individuen voneinander basiert). Es bleibt jedoch problematisch, weil sie eine Identität ist, die in der Ideologie der Viktimisierung geschmiedet wurde; sie beruht auf den gleichen willkürlichen und konstruierten Kategorien, die zuvor formuliert wurden, um Unterdrückung zu rechtzufertigen. Das Erstellen eines vermeintlich befreienden Gegen-Narrativs, das auf visuellen Merkmalen begründet bleibt, kann unmöglich die Gültigkeit einer unterdrückenden Ideologie in Frage stellen. Das andere Problem ist das Fördern einer ideologisch konstruierten Identität. Solch eine Identität verlangt Gruppenloyalität und -Solidarität über die tatsächlich gelebten Erfahrungen der beteiligten Individuen hinaus.

Die Person, die sich von dem versprochenen Zusammengehörigkeitsgefühl angezogen fühlt, das von irgendeiner Institution angeboten wird (ob eine unterdrückte Gruppe, eine hierarchische Organisation oder irgendeine Formation, die eine Einheit fordert), muss den vorgefertigten Unterscheidungen und Kategorien, die von den Anderen kreiert wurden, zustimmen. Wenn der Gegen-Essentialist den Bedingungen Einschluss/Ausschluss einmal zugestimmt hat (was der erste Schritt auf dem Weg zum Separatismus ist), kann er/sie nicht mehr auf eine andere Weise identifizieren oder identifiziert werden; welche Kriterien auch immer im gegen-essentialisitschen Narrativ bereits existieren, sie sind die einzigen, die von Bedeutung sind. Dieser Identitäts-Fundamentalismus benötigt, dass jede Person, die an einer radikalen Veränderung interessiert ist, auf die Fähigkeit verzichtet, sich selbst zu definieren. Er/Sie muss jedes Selbstbewusstsein in präexistenten/vorgesetzten Bedeutungs-Kategorien auflösen. Biologie – unabhängig von ihren ideologischen und kulturellen Einengungen – ist Schicksal; Subjektivität kann nur (noch) aufgeopfert und/oder unterdrückt werden. Eine der ersten autoritären Lügen ist, dass jemand anders es besser weiß.

Essentialisten wissen, bloß durch das Werfen eines flüchtigen Blickes auf ihre gewählten Anderen, bereits alles, was sie über diese Person wissen müssen. Separatisten, Nationalisten, Anti-Imperialisten – alles Essentialisten – nennen das Befreiung.

[1] A.d.Ü.: Im englischen Original: statist. Das Wort lässt sich leider nicht adäquat ins Deutsche übertragen, es hieße soviel wie: „staatistisch“.

[2] A.d.Ü.: hermetisch: luft- und wasserdicht (verschlossen)

[3] A.d.Ü.: Jim Crow ist seit 1828 (nach der Titelfigur eines Minstrelstücks von Thomas D. Rice) eine abwertende Bezeichnung für einen Schwarzen. Zudem steht Jim Crow für die Rassentrennung und -diskriminierung.
Jim Crow Laws: Rassentrennungsgesetze im Bildungs und öffentlichen Sektor in den USA, wurden erst 1954 abgeschafft.

[4] A.d.Ü.: , kontingent: zufällig, willkürlich, unvorhergesehen

Zitate von Udo Rauchfleisch

Eine kleine Auswahl.

"denn nach wie vor ist spürbar, dass der Trans-Mann kein »wirklicher« Mann und die Trans-Frau keine »wirkliche« Frau ist"
(Udo Rauchfleisch, Transsexualität - Transidentität. Begutachtung, Begleitung, Therapie 2006)

"Vom biologischen Geschlecht her ein Mann oder eine Frau sein und sich auch so fühlen – das ist für rund 2 000 bis 6 000 Menschen in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Denn diese Menschen haben das sichere und durch nichts zu beirrende Gefühl, im „falschen Körper gefangen“ zu sein. Dieses Gefühl ist oft schon in der Kindheit und im Jugendalter vorhanden und veranlasst die Betroffenen, sich geschlechtsuntypisch zu verhalten: Jungen ziehen Mädchenkleider an, schminken sich und wirken weich und weiblich. Mädchen tragen Kurzhaarschnitte und gebärden sich männlicher als so mancher Junge. Kindern lässt man solches Verhalten meist noch durchgehen, doch spätestens mit der Pubertät und mit der Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale fangen die Probleme an."
(Dr. phil. Marion Sonnenmoser, Kontakt: Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Missionsstraße 60/62, CH-4055 Basel. Weitere Informationen: Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. [...], Deutsches Ärzteblatt Heft 4, 2008)

"Bei der Beschreibung sogenannter »transidenter« Menschen wird in psychologischen und psychiatrischen Berichten häufig von »Frau-zu-Mann«- bzw. »Mann-zu-Frau«-Transidenten gesprochen. Durch »Mann-zu-Frau« soll ausgedrückt werden, dass ein biologischer Mann sich als Frau wahrnimmt und die Angleichung an den weiblichen Körper wünscht. »Frau-zu-Mann« dient der Beschreibung dessen, dass eine biologische Frau sich als Mann empfindet und die Angleichung an den männlichen Körper sucht."
(Udo Rauchfleisch, Anne wird Tom – Klaus wird Lara, Patmos Verlag, 2013)

"Er findet, dass seine Klientinnen und Klienten 'ihr biologisches Geschlecht, das ja einen bedeutenden Teil ihrer bisherigen Lebensgeschichte ausmacht, wenigstens so weit akzeptieren, dass sie gewisse Merkmale bestehen lassen (vielleicht sogar besonders schätzen können) und nicht einen erbitterten Kampf dagegen führen müssen.'"
(https://www.psychotherapie-wissenschaft.info über Udo Rauchfleisch 2014, Zitat in Einfachen Anführungszeichen von Udo Rauchfleisch)

"Transidente Menschen müssten den Mut aufbringen oder ihn im Verlauf ihres Coming-Out und ihres weiteren Weges entwickeln, zu akzeptieren, dass durchaus noch etwas vom alten biologischen Geschlecht durchschimmert. Sie müssen nicht die „perfekte Frau“ oder der „perfekte Mann“ werden, sondern sollten die Freiheit haben, sich außerhalb der herrschenden Geschlechterrollen bewegen zu dürfen."
(Udo Rauchfleisch, Transsexualität - Transidentität, Begutachtung, Begleitung, Therapie, 2016)

"Transidentität ist eine Möglichkeit, wie Menschen empfinden können, das hat gar nichts mit Gesundheit oder Krankheit zu tun, es ist einfach eine Variante menschlichen Empfindens, nämlich, dass der biologische Körper nicht übereinstimmt mit dem inneren Gefühl, Mann oder Frau zu sein"
(Udo Rauchfleisch in: Reformation für Alle*, Broschüre der dgti über Transidentität und Kirche, 2019)