ATME verlässt das Netzwerk LSB(TTI)Q Baden-Württemberg

Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. gehörte zu den Gründungsinitiativen eines Netzwerks von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, trans- und intersexuellen Menschen, sowie queer-Personen in Baden-Württemberg. Die ersten beiden Gruppen, die das Netzwerk auf den Weg gebracht hatten, waren 2011 ver.di Stuttgart und ATME. Nun tritt ATME e.V. auf Grund transphober Trendenzen aus.

"Eine Zusammenarbeit mit am Thema Transsexualität uninteressierten Menschen ist nicht möglich", so Kim Schicklang zu den Gründen für den Austritt. "Zu vieles, was seit Monaten passiert, zeigt uns, dass eine Solidarität von Lesben und Schwulen mit transsexuellen Menschen innerhalb des Netzwerks kaum vorhanden ist". Seit Herbst letzten Jahres riss die Serie transphober Ansichten und Vorkommnisse innerhalb des Netzwerks nicht ab. Jüngste Enttäuschung war ein deutliches Signal einiger Netzwerkmitglieder, sich nicht mit der Frage beschäftigen zu wollen, ob es transsexuellenfeindlich ist, ein transsexuelles Mädchen als "biologischen Jungen" zu bezeichnen und einen transsexuellen Jungen als "biologisches Mädchen".

Weiterlesen

Neue ATME-Broschüre: Warum sind manche Menschen transsexuell?

Als Magnus Hirschfeld in den 20er-Jahren des 20.Jahrhunderts von der "Zwischenstufenlehre" sprach, konnte man bereits wissen, dass Geschlecht in der Natur vielfältig ist und in verschiedenen Kombinationen auftreten kann. ATME fasst in einer Broschüre zusammen, welche Ursachen das angebliche Phänomen hat, das seit Hirschfeld unter dem Namen "Transsexualismus" bekannt ist. Die Veröffentlichung macht deutlich, dass es sich um alles andere als ein unerforschtes Phänomen handelt.

Heute lässt sich mit Sicherheit sagen, dass diejenigen, die behaupten, Transsexualität sei eine psychische Störung oder etwa eine besondere psychische Entwicklung in der Kinderheit, im Unrecht sind. Geschlechtliche Normabweichungen entstehen nicht etwa als Folge "psychosexueller Entwicklungen", sondern sind einfach nur natürlich.

Zahlreiche Studien und wissenschaftliche Forschung von knapp 100 Jahren können belegen, dass transsexuelle Menschen - wie andere Menschen auch - ein gesundes Wissen über ihre Geschlechtszugehörigkeit besitzen, auch wenn dieses Wissen länger im Verborgenen bleibt, da für die Bewusstwerdung eine Emanzipation gegen stereotype Vorstellungen über Geschlecht von Nöten ist. Gesellschaftliche Normen, wie sogenannte "Geschlechtsrollen" (gender roles) oder klischeehafte Mann-Frau-Geschlechtermodelle stehen häufig im Widerspruch zu biologischen Realitäten.

Die nun veröffentlichte Broschüre hilft nicht nur "Betroffenen" dabei, sich selbst besser anerkennen zu können, sondern macht auch deutlich, wer das eigentliche Problem hat: Nicht diejenigen, die geschlechtlich von der Norm abweichen, sondern diejenigen, die nicht anerkennen wollen, dass Geschlecht nicht fremdbestimmbar ist.

Wir verstehen die ATME-Broschüre als eine Zusammenfassung von Forschung und Wissenschaft, die nicht den Anspruch erhebt, vollständig zu sein, aber trotzdem genügend Belege für die Angeborenheit von "Transsexualität" liefert. Gleichzeitig liefert das Papier den Beleg, dass die Veröffentlichung dieses Wissens immer wieder - aus einem Fremdbestimmungsanspruch heraus - verhindert wurde. Die ATME-Broschüre trägt nun dazu bei, einen Schlussstrich unter geschlechtliche Fremdbestimmung ziehen zu können.

Links:

Broschüre als pdf
Ebook-Version (epub)
Kindle-Version (azw3)