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In Gehirnen findet sich kein Gender

Mittlerweile sind wir da angekommen, wo medizinische Studien über Gehirne von Menschen mit Transsexualität bereits dazu genutzt werden, um die These von den vom Geburtsgeschlecht abweichenden "Geschlechtsidentitäten" zu nutzen. Es muss offen gesagt werden: Wer in den Gehirnen von Menschen so etwas wie Gender ablesen will, ist ein Scharlatan. Warum? "Gender" ist das soziale Geschlecht. So etwas wie "Transgender" kann sich nicht in der Biologie wiederfinden, weil "Gender" sich nicht auf Biologie bezieht. Wenn etwas gefunden werden kann, dann sind es Variationen des Sexus, also "Transsexualität".

Die Unterscheidung zwischen Sex und Gender ist wichtig. Warum?

Das soziale Geschlecht, "Gender", ist etwas, was mit der Kultur zu tun hat, in der wir leben. Das soziale Geschlecht basiert auf Übereinkünften in einer Gesellschaft. Gender ermöglicht, die sozialen Zusammenhänge zu begreifen und zu erfassen. So kann untersucht werden, warum Menschen je nach Geschlecht unterschiedlich behandelt werden. Wir können uns fragen, warum beispielsweise Frauen und Männer in Berufen unterschiedlich bezahlt werden und historische und gesellschaftliche Gründe dafür näher beleuchten. Es kann auch gegen Ungleichbehandlungen angegangen werden, indem Rollenzuschreibungen hinterfragt werden.

Wer den "Sexus" des Menschen betrachtet, tut gut daran, unvoreingenommen zu sein. Das heisst, dass einem klar sein müsste, dass die Deutung des Sexus selbst immer auch auf sozialen Normen basiert. Wenn ein Kind geboren wird, und das Genital eines Menschen den Schubladen "Mann" oder "Frau" zugeordnet wird, handelt es sich bereits um eine Zuordnung, die auf "Gender" basiert. Den Sexus des Menschen zu erfassen geht nur dann wirklich gut, wenn sich ein Mensch von solchen Deutungen frei macht. Der Sexus eines Menschen ist mehr als Genitalien. Und es ist mehr als "Mann" und "Frau", ja sogar mehr als "Mann", "Frau", "Intergeschlecht". Das biologische Geschlecht so ziemlich jedes Menschen weicht von der vereinfachten Einordnung in Gender-Kategorien ab. Brüste entsprechen nicht immer der Norm, Genitalien schwanken zwischen dem einen Extrem oder dem anderen (und bei dem meisten Menschen wird das Extrem nicht erreicht), Chromosomen sind häufig anders, als xx und xy, etc.

Was in Gehirnen gefunden werden kann, ist also - ähnlich wie bei anderen körperlichen Organen - eine Variation des Sexus des Menschen. Es kann sich Transsexualität zeigen (das haben wir in unseren Veröffentlichungen ja bereits ausgeführt). Daraus kann aber keine Ableitung getroffen werden hinsichtlich des "Genders" eines Menschen, da "Gender" sich per Definition nicht auf den Sexus eines Menschen bezieht.

Die Vermischung von Sex und Gender ist übrigens ein Machtinstrument. Es dient in der Regel dazu, soziale Verhaltensweisen und geschlechtliche Normen in der Gesellschaft auf biologische Ursachen zurückführen zu wollen. Es handelt sich um Biologismen. Sie dienen der Hierarchisierung unterschiedlicher Gruppen, die dann gerne als homogen, aber grundverschieden behauptet werden.

An dieser Stelle sei noch einmal daran erinnert, dass wir uns dafür einsetzen, Sex und Gender als unterschiedliche Aspekte des Menschseins zu betrachten. Deswegen sprechen wir auch von Transsexualität und Transgender und machen daraus nicht ein und dasselbe.

Link zu einer Studie, die Gender aus Gehirnen ablesen will

Muster der Unsichtbarmachung

Wir haben etwas gefunden, was eigentlich ziemlich gut das Muster der Unsichtbarmachung von Transsexualität, also Abweichungen des Körpers zum eigenen Geschlecht, sichtbar macht. Das Muster ist, so unsere Erfahrung, immer genau dasselbe:

Gefunden haben wir das bei dem Verein HOSI Salzburg:

"WAS IST EINE TRANS*PERSON?
Transidente Personen sind Menschen, die Geschlechtergrenzen überschreiten, weil ihre Geschlechtsidentität nicht oder nur teilweise mit jenem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen nach der Geburt zugewiesen wurde. Dies kann einen temporären oder permanenten Geschlechtswechsel bedeuten oder auch eine Position zwischen den Geschlechtern.

Viele Transmenschen streben auch eine körperliche Angleichung durch hormonelle Behandlung und/oder chirurgische Maßnahmen an das andere Geschlecht an, soweit es für sie erforderlich ist.

Zunehmend wird der Begriff „Transidentität“ anstatt von „Transsexualität“ verwendet, weil es nicht um die sexuelle Ausrichtung, sondern um die Identität geht. „Transidente“ selbst bezeichnen sich auch oft als „Transfrau“ (die biologisch männlich, in der Identität Frauen sind) bzw. „Transmann“ (biologisch weiblich, empfinden sich männlich)."

Analysieren wir mal, was da passiert:

1. Es wird eine Überschrift erfunden. Sie lautet "Trans*person" (Damit werden zwei Themen zu einem gemacht)
2. Es wird gesagt, dass eine "Trans*person" biologisch als A geboren ist, sich aber als B identifziert/fühlt. (Damit wird das biologische Geschlecht definiert, also Körper=Geschlecht, alles andere sei "Identität")
3. Es wird gesagt, dass "Transsexualität" dasselbe bedeute wie "Transidentität", aber lediglich ein altes Wort ist, das nicht mehr verwendet werde. (Damit wird Menschen, die sich zu ihrem Körper äussern wollen, die Möglichkeit genommen, zu sprechen. Ohne Sprache, gibt es das Thema nicht mehr.)

Dieses Muster der Unsichtbarmachung finden wir bei den meisten Vereinen und Initiativen, die von "Trans*personen" sprechen. Ein weiterer Punkt ist nicht direkt im Text von HOSI Salzburg ersichtlich, kommt aber oft dazu:

4. Menschen, die darauf bestehen, dass "Transsexualität" eine körperliche Abweichung bedeutet, werden bei politischen Entscheidungsträgern, Multiplikatoren in Medien, etc. verleumdet und unterstellt, dass es sich um Einzelmeinungen von Menschen handelt, die nicht ernst genommen werden müssen.

Was wir immer wieder erstaunlich finden ist, dass Menschen, die von Transsexualität sprechen, umgekehrt meistens kein Interesse daran haben, das Thema "Geschlechtsidentität" dem Körper eines Menschen (also auch "Transsexualität") unterzuordnen. Interessant, oder?

Dieses Muster der Unsichtbarmachung ist gewalttätig und entspricht nicht zufällig auch dem Muster geschlechtlicher Deutung bei der medizinischen Behandlung. Auch dort werden körperliche Anliegen der "Geschlechtsidentität" untergeordnet und medizinische Hilfe häufig davon abhängig gemacht, ob ein Mensch sich diesem Muster unterwirft.

Wie ändern wir das? Durch Emanzipation und dem Einsatz für Gleichberechtigung. Und der Anfang ist gemacht, wenn einem Muster der Ungleichbehandlung der Geschlechter bewusst werden.