Die Orsons - Ein Synonym für die, die es immer noch nicht kapiert haben, was Transphobie ist?

Die Orsons - Ein Synonym für die, die es immer noch nicht kapiert haben, was Transphobie ist?

Schaut man sich in der Medienlandschaft um gibt es zur Zeit Geschichten en masse in denen transsexuelle Frauen als "Männer" (bestenfalls welche, die "wie Frauen fühlen") dargestellt werden. Im Musikbusiness haben die Orsons, eine Rapband, diese sexistische Haltung mit ihrem Song(?) "Horst und Monika" salonfähig gemacht. Dass sie damit Geschlechterstereotype und Klischees bedienen und Menschen ihr Recht aberkennen, ein geschlechtliches Selbstwissen zu besitzen, kann man kritisieren. Oder man verteidigt diesen transphoben Sexismus, wie die SPD-Jusos und die Jugendorganisation "Die Falken". Am Samstag, den 11. Mai spielen die Orsons auf dem sogenannten "Workers Youth Festival", als Headliner.

Mehrere Gruppen haben nun die Veranstalter um Stellungnahme gebeten. Wir haben die Diskussion zufällig mitbekommen, finden die Kritik an der Veranstaltung so gelungen und meinen, dass es gut ist, auf die inhaltliche Kritik am neuen buntangepinselten Sexismus ala "Orsons" hinzuweisen. Hier der Text (den wir von der Seite der Emanzipatorischen Antifa Münster kopiert haben und ihn nach dem nächsten Absatz ungekürzt einfügen).

Vorher vielleicht noch ein Hinweis :

Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht hat die Anzeige nicht zurückgezogen. Die Veranstalter irren.

Hier der Text von

http://eams.blogsport.eu/antisexismus/falken-sexismus-transphobie-lauft-gegen-die-wand/

"Im Rahmen des vom 09. bis zum 12. Mai in Dortmund stattfindenden “Workers Youth Festival”, welches unter anderem von den Falken und Jusos organisiert wird, soll am 11. Mai ein Auftritt der Band “Die Orsons” stattfinden. Im Vorfeld hat sich dazu die Gruppe E.L.K. mit einer Email an Organisator_innen und Künstler_innen gerichtet, um darauf hinzuweisen, dass “Die Orsons” explizit trans*phobe, sexistische und antisemitische Inhalte transportieren. Daraufhin hat sich der Bundesvorstand der Falken als einer der Hauptveranstalter_innen zu einer Stellungnahme genötigt gesehen, welche wir im Folgenden dokumentieren und kommentieren. Zum Format: Die Stellungnahme ist absatzweise (insgesamt komplett) dargestellt, zwischendurch sind fett markiert unsere Anmerkungen.
Vorab aber schonmal sei angemerkt: Im Grunde fällt uns zu der Stellungnahme nur eins ein: Lauft gegen die Wand, vielleicht hilft’s!

An den BuVo der Falken

Stellungnahme zum Auftritt der Orsons beim Aktionstag am 11.05.2013 auf dem Friedensplatz in Dortmund

Am Sonntag, den 28.04. wurde von einem Menschen oder einer Gruppe namens E.L.K. eine e-mail an einige Genoss*innen des Vorbereitungsteams des Workers Youth Festival gesendet. In dem Text wird nach einer Kritik an den Orsons dem Workers Youth Festival grundsätzlich Transphobie, Sexismus und Homophobie unterstellt. In Fällen anonymer Anschreiben aus den Weiten des Internets, in denen Kritik nicht im Sinne eines konstruktiven Dialogs geäußert wird, stellt sich immer die Frage, ob wir als Veranstaltende darauf reagieren sollten. Denn ganz offensichtlich geht es dieser Person nicht darum auf etwas aufmerksam zu machen, was vielleicht schon bekannt war und nach den Beweggründen zu fragen, sondern eher darum zu denunzieren und dafür zu sorgen, dass andere Künstler*innen aus unserem breiten Kulturangebot absagen. Wer Kritik hat, sie ernst meint und mit der vorgebrachten Kritik auch Denk- und Bildungsprozesse anregen will, sollte unserer Ansicht nach anders agieren. Hier geht es offensichtlich darum, kurz vor dem Festival “eine Bombe platzen zu lassen”.

Wenn alles bekannt war, kann auch nichts denunziert werden. Kritik als Denunziation abzutun ist ein beliebter Abwehrreflex um sich inhaltlich mit nichts auseinandersetzen zu müssen. Betroffenen von Sexismus, Trans*phobie und Antisemitismus vorschreiben zu wollen, wie sie Kritik zu äußern haben, ist absolut überheblich. Wie sich Betroffene gegen Diskriminierung wehren, bleibt immer noch ihnen überlassen! Der Vorwurf “eine Bombe platzen” lassen zu wollen, womit impliziert wird wir wollten nur um des Stressmachens willen intervenieren wollen, erscheint uns ebenfalls seltsam – warum sollten wir das tun wollen?

Das Programm und die Struktur unseres Festivals machen im Gegensatz zu den Behauptungen deutlich:
Das Workers Youth Festival ist ein antisexistisches Camp! in vielen Workshops setzen wir uns mit den Themen Sexismus, Konstruktion von Geschlechtern und den Auswirkungen verschiedener gesellschaftlicher Ausgrenzungsmechanismen auseinander. Neben einem Frauen Zelt gibt es auch ein LGBT*Queer Zelt, das sich in der Broschüre wie folgt darstellt: “Im LGBT*Queer-Zelt (LGBT = Lesbian, Gay, Bi, Trans*) kannst du mehr über die Grenzen der Geschlechterrollen erfahren, warum sie existieren und was mensch dagegen tun kann. Du kannst dich über unterschiedliche Lebensweisen und sexuelle Orientierungen informieren, darüber diskutieren, eigene Denkmuster hinterfragen und dich mit anderen austauschen. Es gibt Angebote, sich theoretisch mit dem Thema auseinanderzusetzen und über konkrete Probleme zu diskutieren. Für uns ist klar: Come queer – stay rebel!” Im Vorfeld der Veranstaltung hat sich außerdem ein Awarenessteam vorbereitet, um Sexismus, Homo- und Transphobie und sexueller Gewalt präventiv entgegenzuwirken und ein klares Zeichen gegen jegliche Form von Grenzüberschreitungen zu setzen. Darüber hinaus sind sie die Ansprechpersonen in Fällen, in denen es sexistische Sprüche, Diskriminierungen oder sexuelle Gewalt gibt.

Wir begrüßen es natürlich, dass sich die Camporga Gedanken um ein Awarenessteam gemacht hat. Wenn dieses jedoch den politischen Mindestanspruch hat parteilich mit den Betroffenen zu handeln, dann muss das Awarenessteam einschreiten und den Auftritt von “Die Orsons” verhindern. Wir sehen an dieser Stelle jedoch mehr die Notwendigkeit einer politischen Intervention, als den Rückgriff auf Awarenessstrukturen. Sollte es zu trans*phoben oder sexistischen Äußerungen von Bands kommen, wenden wir uns jedoch gerne an diese, damit sie einschreiten.

Das sind nur zwei Beispiele für den inhaltlichen Umgang mit gesellschaftlichen Verhältnissen, die wir mit unserem Festival angehen und verändern wollen. Wir möchten das durch die Verbindung von Bildung, Politik und gemeinschaftlichem Erleben tun. Wer mit uns diskutieren möchte ist herzlich eingeladen dies auf dem Workers Youth Festival in unseren Workshops zu tun.

Wir werden da sein, keine Sorge.

Zusätzlich noch einige weitere Fakten zur Klarstellung: Die Orsons treten am Samstag, den 11.05.2013 im Rahmen des Aktionstages in der Dortmunder Innenstadt und nicht auf dem Festivalgelände auf. Dass die Orsons auftreten werden, ist in unserem Verband kontrovers diskutiert worden und auch seit Februar bekannt. Wir sind sehr verwundert, dass sich jetzt Genoss*innen, z.B. bei facebook zu Wort melden, die in den Prozess der Vorbereitung und Diskussion involviert waren. Nach Rücksprache mit den Orsons wurde uns versichert, dass es ein klärendes Gespräch zwischen den Orsons und der Aktion Transsexualität und Menschenrecht gegeben hat. Nach diesem klärenden Gespräch haben sich die Orsons von dem Lied distanziert und die Aktion Transsexualität und Menschenrecht hat ihre Anzeige zurück gezogen. Auch dieser Umstand ist lange bekannt.

So what? Die Stellungnahme war einfach absoluter Schwachsinn, distanziert haben sich “Die Orsons” von nichts. Oder wie sonst erklärt ihr, dass auf der Startseite der Orsons das Lied weiterhin beworben wird und ohne Probleme weiterhin im Internet zu finden ist. Distanzierung? Wir sehen keine. Darüber hinaus ist die Rücknahme der Anzeige von ATME ja wohl noch kein Beweis dafür, dass die Orsons auf einmal ok sind.

Über die Distanzierung der Orsons und andere Songtexte lässt sich vortrefflich streiten. Auch wir finden bestimmte Lieder und Texte der Orsons sehr problematisch und wir teilen einige Kritikpunkte des anonym gesendeten Textes, z.B. dass es grundsätzlich falsch ist, bestimmte Texte hinter dem Deckmantel der Ironie zu verstecken. Sexismus bleibt Sexismus und wir engagieren uns dagegen! Die Orsons verwenden Stereotypen in ihren Texten, die auch nicht durch den Schutz von Satire und Ironie zu rechtfertigen sind. Wir unterscheiden uns wohl hauptsächlich von dem oder den Menschen, der*die den Text veröffentlicht haben in den aus unserer Kritik resultierenden Konsequenzen für einen Auftritt der Orsons beim Aktionstag. Als Sozialistischer Kinder- und Jugendverband mit einem pädagogischen Auftrag teilen wir nicht die Forderung nach der Ausladung. Wir wollen einen Dialog ermöglichen, wir wollen jungen Menschen ermöglichen sich und ihr Handeln kritisch zu reflektieren, denn wir sehen es als besonders wichtig an, in diese kapitalistisch-patriarchalen Gesellschaftsstrukturen zu wirken, um den alltäglichen, rassistischen und sexistischen Normalzustand zu überwinden. Zu den Prinzipien des demokratischen Sozialismus gehört es auch, sich mit anderen Meinungen und Verhaltensweisen auseinander zu setzen.

Auch wir haben uns die Texte angesehen, die Lieder sogar angehört und uns damit auseinander gesetzt. Dafür brauchen wir keinen Auftritt dieser Band. Was an dem Konzept “Wir-bieten-menschenverachtendem-Mist-eine-Reproduktionsfläche” pädagogisch wertvoll sein soll haben wir noch nicht verstanden. Eine Auseinandersetzung mit den Texten erscheint auch uns sinnvoll, jedoch auf ganz andere Art und Weise. Wir haben nicht festgestellt, dass nach dem Auftritt der Orsons in eurem Programm eine Diskussion über deren Transphobie stattfinden soll. Wo wolltet ihr also über die Orsons diskutieren?

Wir wollen junge Menschen da abholen wo sie sind und für Veränderung werben. Wir sind der Überzeugung, dass antisexistische Praxis nicht vom Himmel fällt und wir meinen, dass wir uns mit der Mainstream-Kultur auseinandersetzen müssen und z.B. auch Bands, die in diese Mainstream Kultur fallen, einladen. Eine Ausladung der Orsons ändert nichts an den patriarchal geprägten Herrschaftsstrukturen in unserer Gesellschaft. Sie würde nur der eigenen Selbstvergewisserung dienen. Wenn wir wirksam dem sexistischen Normalzustand etwas entgegen setzen wollen, müssen wir auch mit den Orsons, und noch wichtiger mit den jungen Menschen reden, die ihre Musik hören und abfeiern.

Vorschlag: Ladet doch Freiwild ein. Auch die sind Mainstream und ihr könnt viele (junge) Menschen da abholen wo sie sind. Nach der Party könnte man bei Kaffee und Kuchen mit der Band und den Fans darüber diskutieren, was sie so gespielt haben. Alternativ könnte man sich auch Nazibands bedienen. Die kommen bestimmt, man müsste halt nur ein bisschen Kollateralschaden durch prügelnde Nazifans einplanen. Klingt komisch? Ist auch so.

Diesen Dialog führen wir an vielen Stellen in unserem Verbandsleben und wollen dies auch explizit während des Workers Youth Festivals in Dortmund tun. Wir freuen uns auf vier spannende Tage mit vielen, auch kontroversen Diskussionen mit Euch!

Für den Bundesvorstand

Wir freuen uns zwar nicht, aber haut rein. Bis bald.
Für die Emanzipatorische Antifa Münster"

Links:
http://eams.blogsport.eu/antisexismus/falken-sexismus-transphobie-lauft-gegen-die-wand/#more-1897
http://s1rmusic.wordpress.com/2013/04/28/alles-nur-ironie-aka-kunst-darf-alles/
http://trans.blogsport.de/2013/05/10/sa-18-05-die-orsons-in-dortmund-transphobie-und-sexismus-welcome/

80 Jahre Bücherverbrennung

Am 6. Mai 1933 wurde die deutsche Sexualforschung ausgelöscht - bis heute mit Erfolg.

Am 10. Mai vor 80 Jahren brannten in 22 Städten in Deutschland Bücher. Zu dem Wissen, das damals vernichtet wurde, gehörte auch das Wissen über geschlechtliche Normvarianten. Schon ein paar Tage vor der deutschlandweiten Bücherverbrennung gehörte die Zerstörung des Institutes für Sexualwissenschaft in Berlin, dessen Leiter Magnus Hirschfeld war, mit zum grausamen Beginn einer Zeit, die bis heute andauert, in der Ideologien stärker zählen sollten, als die Wirklichkeit. Menschen mit geschlechtlichen Normabweichungen, wie transsexuelle Menschen, wissen um die Auswirkungen.

"Die Nazis erklärten damals geschlechtliche Vielfalt zu etwas, das sie widernatürlich nannten", so Kim Schicklang, 1. Vorsitzende der Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. "Und heute gibt es immer noch welche, die glauben, dass es so etwas gibt, wie ein 'biologisches Geschlecht', dem bestimmte Personenkreise nicht angehörten." Um ein Wiederaufleben einer wissenschaftlich orientierten Sexualforschung im Geiste Hirschfelds zu verhindern, gründeteten Nationalsozialisten 1950 die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (Sitz am UKE in Hamburg), welche bis heute von deren nationalsozialistisch-psychoanalytisch geprägten Ideologien beherrscht wird und die deutsche Sexual-pseudo-Wissenschaft beherrscht. Interssanterweise müssen "geschlechtlich Andersartige", wie z.B. transsexuelle Menschen, bis heute eine Zwangspsychotherapie machen - eine Erfindung der Nazis - bis vor kurzem gehörte auch eine rechtlich verordnete Zwangskastration dazu.
Die deutsche Sexologie wurde nach dem 2. Weltkrieg ausgerechnet von ehemaligen Unterstützern der NS-Ideologie weitergeführt, wie Hans Giese oder Hans Bürger-Prinz, der in der Nazizeit Richter am Erbgesundheitsgericht war oder über die Zwangssterilisation von Personen entschied, die als erbkrank eingestuft waren. Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung wählte ihn 1950 zum Präsidenten. Auch Hans Giese, selbst homosexuell, führte zusammen mit Hans Bürger-Prinz die Sexologie der Nachkriegszeit im Geiste der NS-Zeit weiter. Was sie zuvor begannen vollendeten sie nun: Die Bekämpfung der Zwischenstufenlehre Magnus Hirschfelds, die Bekämpfung der geschlechtlichen Vielfalt. Deren Schriften wurden im Enke-Verlag in Stuttgart herausgebracht  - doch die Zwischenstufenlehre Hirschfelds bleibt weiter verbrannnt und evidenzbasierte Wissenschaft wird unterdrückt.

Für transsexuelle Menschen sind die Auswirkungen deutlich spürbar. Transsexuellen Menschen wird bis heute unterstellt, dass ihr Wissen, das diese über ihr eigentliches Geschlecht haben, lediglich "ein Gefühl" oder eine "Geschlechtsidentität" sei, aber keinesfalls ein Wissen über ihr eigenes Geschlecht. Die von Hirschfeld und seinen Mitarbeitern erforschte geschlechtliche Vielfalt wird geleugnet - bleibt Schutt und Asche. Kim Schicklang: "Damit behaupten die Menschen, die Vielfalt abstreiten, immer noch, transsexuelle Menschen seien widernatürlich". Der Trend zur gefühlten Renazifizierung der Medizin findet sich ausgerechnet auch im neuen DSM V wieder, in welchem im Bereich des Kapitels, in dem es um Geschlechtsidentitätsstörungen geht, von einem sogenannten "natal sex", also einem "Geburtsgeschlecht" die Rede ist, von dem, so die Behauptung, eine "Geschlechtsidentität" abweichen könne. Dass mit "natal sex" allerdings nur das interpretierte, fremdbestimmte Geschlecht gemeint sein kann wird klar, wenn man weiss, dass Geschlecht alles andere als in starre Kategorien einteilbar ist. "Das neue DSM wird für Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen stärkere fremdbestimmende Elemente enthalten, als zuvor", so Kim Schicklang. "Zu behaupten, etwas sei biologisch und das andere sei un-biologisch ist ein alter, aber immer noch praktizierter Trick". Und natürlich waren ehemalige Mitarbeiter des UKE an der Entstehung dieser neuen Ausgabe massgeblich mit beteiligt.

Dass nur wenige Menschen heute an die Vernichtung des Wissens über geschlechtliche Normvariationen denken, wenn sie etwas von der Bücherverbrennung hören, obwohl das Thema Bekämpfung der Geschlechtervielfalt ein zentraler Bestandteil der Zerstörungsaktion damals war (und heute ist), halten wir von ATME für Teil der Folgen der Bücherverbrennungen. Kim Schicklang: "Es scheint, dass die Nazis mit ihrer Wissensvernichtung damals durchaus ganze Arbeit geleistet haben".

Wir wollen uns daher in dieser Woche an eine Zahl erinnern.

Sie lautet: 43 046 721 = 3¹⁶ (3 hoch 16)

In heutigen Worten könnte man das so übersetzen: Hirschfeld kam in seiner Arbeit im Institut für Sexualwissenschaft zu dem Ergebnis, dass es über 43-Millionen geschlechtliche Variationen in der Natur gibt. Die Zahl ist bis heute ein Synonym für geschlechtliche Vielfalt (auch wenn Hirschfeld und seine Kollegen später feststellten: Es gibt so viele Geschlechter, wie es Menschen gibt) . Zu geschlechtlichen Variationen, zur natürlichen Vielfalt, gehören auch transsexuelle Frauen und Männer. "Diese fühlen sich nicht entgegen ihres eigentlichen Geschlechts, sondern sie wissen mit dem Coming Out, wer sie sind", betont Kim Schicklang. "Wer heute noch abstreitet, dass transsexuelle Frauen biologische Frauen sind und transsexuelle Männer biologische Männer, eben weil sie Teil der geschlechtlichen Vielfalt sind, die schon Hirschfeld kannte, braucht heute nicht Betroffenheit heucheln, wenn heute Gedenkfeiern zu 80 Jahre Bücherverbrennung stattfinden."

Die Bücher des Instituts von Magnus Hirschfeld wurden nicht nur verbrannt, sondern die deutsche Sexualforschung wurde durch nationalsozialisch - psychoanalytische Ideologien nach 1945 quasi "überschrieben" und ausgelöscht. Eine erfolgreiche totale Vernichtung. Der Wissenschaft wurde der Kampf angesagt - und gewonnen. Hirschfeld wurde von seinen Gegnen endgültig vereinnahmt und ins Gegeteil verkehrt - eine Perversion, wie sie sich nur Sexologen ausdenken konnten.