Stop Trans Pathologization 2012

Vielleicht mal für zwischendurch ein kleiner Veranstaltungstipp für den 17. Oktober bzw. der Hinweis auf eine Aktion. Sie nennt sich "Stop Trans Pathologization 2012" und ist unter folgendem Link zu finden:

http://stp2012.wordpress.com/

Auf der Seite ist folgendes zu finden:

"Unter 'Psychiatrisierung' verstehen wir die Praktik, die Transsexualität unter dem Status psychischer Krankheit zu definieren und zu behandeln."

und...

"Derzeitig wird die Transsexualität als „Geschlechtsidentitätsstörung“ angesehen, als psychische Pathologie, die im ICD-10 (Internationale Klassifikation von Krankheiten und anderer Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation) und im DSM-IV-R (diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen der American Psychiatric Association) aufgeführt wird. Diese Klassifikationen weisen den Psychiater_innen der ganzen Welt den Weg bei der Erstellung von Diagnosen. In diesen Handbüchern wird ein nicht ganz zufälliger Fehler begangen: die Verwechslung der Effekte der Transphobie mit denen der Transsexualität. Dabei wird die soziale Gewalt unsichtbar gemacht, die über diejenigen ausgeübt wird, die sich nicht an die Geschlechtsnormen anpassen. Auf diese Weise wird bewusst übersehen, dass das Problem nicht die Geschlechtsidentität, sondern die Transphobie ist.

Die Überarbeitung des DSM-IV-R stellt einen Prozess dar, der vor zwei Jahren begann, mit dem Ziel, die Veränderungen in der Liste der Krankheiten zu bestimmen. In den letzen Monaten wurden die Namen der Psychiater veröffentlicht, welche die Zukunft der Geschlechtsidentitätsstörungen (GIS) bestimmen.

Die Arbeitsgruppe über den GIS wird von Dr. Zucker geleitet, zusammen mit Dr. Blanchard, u.a. Diese Psychiater, die bekannt dafür sind, Konversionstherapien zur Behandlung von Homosexuellen und Transsexuellen durchzuführen und die in Verbindung mit Kliniken zur Behandlung intersexueller Personen stehen, schlagen nicht nur nicht vor, den Begriff des GIS zu streichen, sondern fordern seine Anwendung auf Kinder auszuweiten, die nicht-normatives Geschlechtsverhalten zeigen, und an ihnen Konversionstherapien in Richtung der bei der Geburt zugeschriebenen Geschlechtsrolle anzuwenden. Aus diesem Grunde hat die nordamerikanische Trans*-Bewegung dazu aufgerufen, diese Psychiater von der Überarbeitung des DSM auszuschlieβen. Das Internationale Netzwerk für die Entpathologisierung von Trans* schlieβt sich ohne Vorbehalte dem genannten Aufruf an."


Die sogenannten Konversionstherapien oder auch reaparativen Therapien an Kindern mit "Geschlechtsidentitätsstörung", eine erfundene Geistesstörung, welche laut These der Moneyschen Jünger die Vorstufe von Homo- wie Transsexualität darstelle, werden in Deutschland noch offiziell und weitgehend unbehelligt durchgeführt, z.B. neben Frankurt (bei Bernd Meyenburg) in der Berliner Charite am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin unter der Leitung von Klaus M. Beier. Er schreibt zusammen mit Hartmut A. G. Bosinski und Kurt Loewit in seinem Buch "Sexualmedizin" noch folgendes:

"Wenn die geforderten diagnostischen Kriterien erfüllt sind, sollte die Geschlechtsidentitätsstörung im Kindesalter möglichst früh behandelt werden. Dabei kann es nicht darum gehen, dem Kind rollenatypisches Verhalten oder den Wunsch nach  Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu 'verleiden', sondern darum, sein Zugehörigkeitsgefühl zum Geburtsgeschlecht zu bestärken"

und weiter:

"Ein Therapeut gleichen Geschlechts, der zugleich Rollenmodellcharakter bekommt, sollteeingesetzt werden. Die Therapie bezieht sich auf gemeinsame Spiel- (Zeichen Gesprächs-)aktivität, wobei geschlechtskonforme Verhaltensangebote gemacht und adäquate Verhaltensweisen belohnt werden (z.B. durch modifizierte token economy). Geschlechtssatypische Verhaltensweisen werden nicht beachtet bzw. - beiläufig - unterbunden (jedoch nicht sanktioniert)"

Interessant ist, dass die Öffentlichkeit von solchen Praktiken bislang noch wenig Notitz genommen hat und die deutschen Medien lieber die Ideologien der Pathologen übernehmen, indem sie beispielsweise transsexuelle Frauen als "Männer mit Identitätsstörung" bzw. "Männer, die Frauen werden wollen" bezeichnen um so möglicherweise die Einschaltquoten zu erhöhen, anstatt kritisch hinzuschauen und tatsächlich darüber aufzuklären, welche menschenverachtenden Praktiken noch heute in Deutschland Standard sind.

Daher eben nun folgender Veranstaltungstipp von "Stop Trans Pathologization 2012". Es heisst...

"Die nächste Aktion wird am 17. Oktober 2009 in mehr als 20 Städten gleichzeitig stattfinden."

Hier noch einmal der Link:

http://stp2012.wordpress.com/

Was wird aus den Transsexuellenrechten nach der Wahl?

Eine Zukunftsprognose von Kim Schicklang

Einerseits haben Parteien massiv Stimmen dazugewonnen, welche umfassende Verbesserungen der menschenrechtlichen Situation transsexueller Menschen gefordert haben, wie die Fraktion Die Linke und die Grünen. Diese hatten explizit vor der Wahl geäussert, dass transsexuelle Menschen in Deutschland nicht mehr als geisteskrank angesehen werden sollen. Diese Forderung wurde an die Bundesrepublik Deutschland vor der Wahl auch im Rahmen der Berichterstattung zum Frauenrechtsabkommen CEDAW von der UN gestellt. Prof. Silvia Pimentel vom UN-Frauenrechtskommitee äusserte Anfang 2009 dazu:

„Dass transsexuelle Frauen als psychisch kranke Männer bezeichnet werden, um als Frauen akzeptiert zu werden, ist ein Paradoxon. Dem muss ein Ende gesetzt werden.“
(Vereinte Nationen, Februar 2009)

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