Kinderkommission des Bundestages: Kinderrechte oder Lobbyistenrechte?
Donnerstag, 19. März 2015 um 08:33

Um die Rechte von Kindern ging es bei einer öffentlichen Sitzung der Kinderkommission des Bundestages (Kiko) am 19. März in Berlin. Eingeladen waren Sachverständige, die ihre Sicht zum Thema Inter- und Transsexualität schildern sollten. Die eingeladenen Sachverständigen waren Mari Günther von der "Inter* und Trans* Beratung QUEER LEBEN", Kati Wiedner vom Trans-Kinder-Netz e.V. in Berlin und der Kinder- und Jugendarzt Dr. Jörg Woweries. Eine Befürchtung, die ATME schon mehrfach geäussert hat - nämlich, dass die Psychopathologisierung (analog des DSM V) aus Sicht mancher Lobbyisten ausgeweitet werden soll - scheint sich zu bestätigen.

Diplom-Sozialwissenschaftlerin Trischa Dorner war für die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. vor Ort. Ein Interview.

Kim:
Trischa, was war das für eine Veranstaltung, auf der du heute gewesen bist?

Trischa:
Das war eine Anhörung von Sachverständigen vor der Kinderkommission. Die Kinderkommission ist als Gremium des Deutschen Bundestags zur Zeit ein wichtiger politischer Raum für die Belange von transsexuellen und intersexuellen Menschen. Daneben gibt es noch weitere bundespolitische Einrichtungen, wie z. B. das Bundesfamilienministerium (BMFSJ), die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ( ADS), die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) oder die Interministerielle Arbeitsgruppe (IMAG), die zur Vernetzung der beteiligten Bundesministerien beiträgt.

Kim:
Inwiefern war die Veranstaltung für die Belange von transsexuellen und intersexuellen Menschen wichtig?

Trischa:
Es wurde die Situation von transsexuellen und intersexuellen Kindern und Jugendlichen erörtert. Das ist insofern interessant weil es noch einen wissenschaftlichen Dissens darüber gibt, ob es transsexuelle Kinder tatsächlich gibt. Ferner steht die frage im Raum ob Operationen an intersexuellen Kindern verboten werden sollen. Und wie der politische Umgang mit transsexuellen und intersexuellen Kindern und Jugendlichen für die Zukunft geregelt wird. Von diesen Ergebnissen sind nicht nur Kinder und Jugendliche sondern alle transsexuellen und intersexuellen Menschen in Deutschland betroffen.

Kim:
Die politische und rechtliche Trennnung von Geschlechtern ist ja immer auch eine Möglichkeit Ungleichbehandlungen zu erzeugen. Wenn Du sagst, dass Operationen an sogenannten "intersexuellen Kindern" möglicherweise verboten werden sollen, wer soll denn da die Trennlinie zwischen den Geschlechtern, zwischen transsexuell, intersexuell oder anderen konstruierten "Geschlechtern" ziehen? Hast Du da was herausgehört?

Trischa:
Diese Trennlinie wurden als gegeben erachtet und nicht hinterfragt. Transsexualität und intersexualität wird zwar zur selben Zeit in dieser Kinderkommission erörtert jedoch im Diskurs immer von einander getrennt gegenübergestellt. Intersexuelle Betroffene waren noch nicht einmal als Sachverständige zugegen. So blieb es in Bezug auf Intersexualität eine Fremdbetrachtung. In Bezug auf Transsexualität wurde diese sofort als medizinischer Begriff einseitig von Mari Günther repräsentiert und stigmatisiert. Im Prinzip wurde die Transsexualität auch als Terminus abgelehnt und durch trans* und transident ersetzt. So wurde von Mari Günther behauptet, dass trans* auch der konsensuelle Begriff der Betroffenen sei, und dass es eine diagnostizierte Transsexualität in spätestens zwei Jahren nicht mehr geben würde. Dann sei sie selbst "endlich nicht mehr krank".

Kim:
Nicht mehr "krank" zu sein, klingt ja erst einmal positiv, oder nicht?

Trischa:
Ob sich selbst jemand krank fühlt oder pathologisiert wird oder dazu gezwungen wird bestimmte Behandlungsweisen in Kauf nehmen zu müssen setzt voraus, dass das transsexuelle oder intersexuelle Kind irgendwann einmal nicht ernst genommen wurde in seiner geschlechtlichen Integrität. Insofern bleibt der Diskurs der Sachverständigen Günther hier an der Oberfläche.

In Bezug auf Transsexualität und Intersexualität ging es in dieser Kinderkommission auch um Verortungen. In diesem Zusammenhang haben die Mitglieder dieser Kommission in ihren Fragen an die Sachverständigen diese herkömliche und tradierte Verortung in männlich und weiblich kritisch hinterfragt und hierzu von den Sachverständigen ihre Standpunkte erfahren wollen, wie eine gute Politik oder ein Best Practise Beispiel aussehen könnte. Und da sind die Sachverständigen für meinen Geschmack doch etwas einsilbrig geblieben. Ich hätte mir an dieser Stelle gewünscht, dass eine transsexuelle Frau in ihrer Geschlechtlichkeit genauso integer ist und kein Rollenproblem für sich lösen muss genauso wie intersexuelle Menschen auch nicht nur nach genitalistischen Fragen problematisiert werden sollten.  Ich fühle mich da in meiner persönlichen geschlechtlichen Integrität, ganz egal aus welcher Perspektive, nicht ernst genommen. Ich möchte nicht, dass intersexuelle oder transsexuelle Menschen als "Problem" gesehen werden. Vielmehr erleben sie ein Problem. Sie sind hier oft Opfer und nicht Verursacher.

Kim:
Wer kann aus Sicht der Bundesregierung darüber entscheiden was "best practise" ist?

Trischa:
Die Mitglieder der Kinderkommission hatten die Interessen und Rechte von Kindern im Blick. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier parteipolitische Ränkespiele eine Rolle spielten, sondern die Mitglieder haben auch als Eltern probiert sich in so eine Lage mit transsexuelle und intersexuelle Kinder zu versetzen. Hierzu wollten sie von den Sachverständigen Tipps und mögliche Beispiele oder Erfahrungen aus anderen Ländern hören. Hier wurden dann z. B. die Beratungsnetzinitiativen der Waldschlösschenbewegung genannt, die ich persönlich kritisch sehe. Überhaupt wurde das Konzept "Beratung" nicht näher hinterfragt.

Kim:
Apropos Sachverständige. Mari Günther ist ja eine Berliner "Trans*"-Lobbyistin, Mitglied der Leitlinienkommission zur Erstellung der Diagnose "Gender Dysphorie" und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Wie wertest Du es, dass ausgerechnet schon wieder eine Vertreterin der DGfS für den Bundestag als "Sachverständige" ausgewählt wird, obwohl es bereits massive Kritik an den Ideen dieser Sexologen-Gesellschaft gibt, Transsexualität als "Gender Dysphorie" zu verstehen und damit erneut an Tools für geschlechtliche Fremdbestimmung zu basteln?

Trischa:
Die Vorsitzende der Kinderkommission hat direkt zu Anfang geäussert, dass die Auswahl der Sachverständigen nicht bedeuten soll, dass nur mit diesen oder bei diesem einen Termin abschliessend über das Thema diskutiert wird. Ich hatte den Eindruck, dass sie gerne noch weiter gehen möchte in der Meinungsbildung und über diesen Sachverständigenrahmen hinaus. Warum aber schlussendlich nur diese drei Sachverständigen eingeladen waren blieb unklar. Genauso wurden Netzwerkzusammenhänge zu keiner Zeit thematisiert.

Kim:
Wenn Du die anderen beiden ansprichst... waren wenigstens diese dann unabhängige Vertreter von transsexuellen und intersexuellen Menschen, um auch eine andere, gender-dysphorie-kritische Position einfliessen zu lassen?

Trischa:
Ich persönlich war von Kati Wiedner sehr positiv überrascht. Das was sie zur Thematik transsexueller Kinder vorgetragen hat klang für mich aus eigenem Erleben nachvollziehbar. Leider hängt sie aber auch dem quasi "migrationsartigen" Rollenwechslermodell etwas an, den man auch bei den anderen beiden Sachverständigen heraushören konnte. Woweries hatte nur das Thema Intersexualität auf seiner Agenda und zwar aus seiner sehr subjektiven Sicht. Ich würde mir von Sachverständigen wünschen, dass sie nicht nur ihre subjektive Sichtweise sondern unterschiedliche Positionen darstellen und bilanzieren.

Kim:
Konntest Du heraushören welche Sichtweisen es hier gibt?

Trischa:
Der Tenor war eine Art Pflicht für Betroffene zur Beratung. Und zwar allen ernstes z. B. eine Beratung durch Psychologen vom Medizinischen Dienst für intersexuelle Menschen und eine Art verpflichtende Beratung für transsexuelle Menschen in Selbsthilfegruppen. Das klingt für mich so schlimm, dass ich nur hoffe mich verhört zu haben. Ich hatte danach Probleme anwesend zu bleiben und bin auch früher gegangen.

Kim:
Eine verständliche Reaktion. Was denkst Du denn wäre jetzt nötig, damit die sich möglicherweise anbahnende Ausweitung geschlechtlicher Fremdbestimmung aufgehalten werden kann?

Trischa:
Die Mitglieder dieser Kinderkommission wollten von den Sachverständigen nur eines: Aufklärung über Kinder und Sexuelle Vielfalt. In dieser muss ganz Klar sein, dass transsexuelle und intersexuelle Menschen nicht das "andere", "fremde" oder sich verändernd wahrnehmbare in dieser Vielfalt sind sondern dass es ganz normale Kinder mit den selben Grund- und Menschenrechten sind, die für sich nicht in erster Linie einen Kulturkampf einfordern sondern in ihrer geschlechtlichen Integritä als Teil der Wirklicheit von Menschen von Anfang an besonders geschützt und wahrgenommen werden müssen. Hier brauchen sie die Hilfe der Politik, weil die gesellschaftliche Lage und Rechtssituation von transsexuellen und Intersexuellen Kindern auf allen Ebenen prekär ist. Die Abkehr der konservativ tradierten Verortung von Geschlecht sollte jetzt nicht mit Hilfe der Politik dazu führen, dass eine einseitige trans* und inter* Verortung in Abrenzung von Mann-Frau konstruiert wird. Die Sexuelle Vielfalt bei Kindern ist nicht immer das Selbe wie die geschlechtliche Integrität von Kindern.

Ich glaube es geht nämlich eigentlich nur um die Grund- und Menschenrechte von Kindern und ihre geschlechtliche Integrität, die nur ihnen selbst gehört und die niemand beschädigen soll. Zwangsbehandlungen, Zwangsverortungen oder Zwangsberatungen stehen diesem Bild entgegen.

Kim:
Vielen Dank.

Links:

Die Pressemitteilung des Bundestages (auch hier ist die Forderung nach Zwangstherapie und die Einstellung medizinischer Hilfe nachzulesen)
http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw12_pa_kiko/365216

Personen die am Entwicklungsprozess der AWMF-Leitlinie Geschlechtsdyphorie beteiligt sind:
http://dgfs.info/mandatstrager_innen/

 
ATME im Familienministerium - Teil 1
Sonntag, 15. März 2015 um 18:10

Nachdem in Deutschland jahrelang niemand von geschlechtlicher Vielfalt etwas wissen wollte und Menschen, die nicht der Norm entsprechen, lieber an stereotype Geschlechterklischees angepasst wurden, will man sich nun des Themas annehmen und hat eine Interministerielle Arbeitsgruppe zu den Themen Intersexualität und Transsexualität (IMAG) eingerichtet. Die Sozialwissenschaftlerin Trischa Dorner war für die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. letzte Woche zu Besuch im Familienministerium für ein Gespräch mit dem zuständigen Referat. Wir haben lange darauf gewartet. Wie der Besuch einzuschätzen ist, verrät sie im Interview.

Christina Schieferdecker hat sich mit Trischa Dorner unterhalten:

http://atme-ev.de/o-ton/interview_pd_feb15.mp3

 
Die EU vergisst transsexuelle Menschen
Sonntag, 15. März 2015 um 11:14
Die EU hat ein Papier veröffentlicht, in dem - neben der Forderung Zwangssterilisationen als Bedingung für die rechtliche Anerkennung zu verbieten - die WHO aufgefordert wird, "Störungen der Geschlechtsidentität von der Liste der psychischen Störungen" zu streichen. So schön das einerseits ist, so ärgerlich ist es, dass transsexuelle Menschen von der EU weiterhin als "Transgender-Identitäten" subsumiert werden. Damit ist weiterer geschlechtlicher Fremdbestimmung Tür und Tor geöffnet.

In dem Text heisst es u.a.:

"fordert die Kommission und die WHO auf, Störungen der Geschlechtsidentität von der Liste der psychischen Störungen und Verhaltensstörungen zu streichen; fordert die Kommission auf, ihre Bemühungen zur Beendigung der Pathologisierung von Transgender-Identitäten zu verstärken; fordert die Staaten auf, schnelle, zugängliche und transparente Verfahren zur Anerkennung der Geschlechtszugehörigkeit sicherzustellen, in deren Rahmen das Recht auf Selbstbestimmung respektiert wird;"

Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. kritisiert seit Jahren die Trennung in "biologische" und "unbiologische Geschlechter" und die Ansicht, es würde sich bei Transsexualität um das Gefühl handeln, dem anderen Geschlecht angehören zu wollen. Bezogen auf "Gender", das soziale Geschlecht ist dieser Wunsch zwar vorhanden, macht aber nicht den Kern von Transsexualität aus. Wenn beispielsweise ein Mädchen mit vermännlichten Körpermerkmalen äussert "ich bin ein Mädchen", dann ist es ein Mädchen und nicht etwa ein "biologischer Junge", der gerne Mädchen wäre.

Dies ist deswegen von Relevanz, da davon irrtümlicherweise auszugehen, dass es sich bei Transsexualität primär um ein Gender-Thema handele, anstatt um eine tatsächlich existierende geschlechtliche Variation, zu einer medizinischen Behandlung unter falschem Vorzeichen führt. Transsexuelle Menschen brauchen in erster Linie Hormone oder Operationen nicht etwa deswegen, weil sie eine bestimmte geschlechtliche Rolle (Gender-Role) einnehmen wollen, sondern weil sie um ihre körperliche Abweichung wissen. Transsexualität hat primär mit körperlichen Bedürfnissen zu tun und nicht etwa mit dem Wunsch, stereotype Rollenklischees zu erfüllen.

Wird nun das Verlangen körperlicher Veränderung als Geschlechtsrollen-Thema umgedeutet - eine der Grundlagen für Psychopathologisierung - folgt daraus eine medizinische Behandlung, die Gender-Rollen, also gender-spezifisches Spielzeug, Spielkameraden, etc. oder Kleidung als Überschrift wählt. Diese geschlechtliche Deutung hat unserer Ansicht nach im Umgang mit transsexuellen Menschen nichts zu suchen.

Wenn die EU also nun davon ausgeht, dass transsexuelle Menschen "Transgender-Identitäten" seien und sich für eine "Beendigung der Pathologisierung von Transgender-Identitäten" ausspricht, dann hiesse das zwar, dass transsexuelle Mädchen die sagen "ich bin ein Mädchen" für diese Aussage nicht pathologisiert werden sollen, aber noch lange nicht, dass anerkannt wird, dass es sich um Mädchen handelt. Genauso gut können diese Mädchen weiterhin als "biologische" Jungs, die sich wie Mädchen fühlen angesehen und so behandelt werden - denn eine "Beendigung der Pathologisierung von Transgender-Identitäten" kann hier auch bedeuten, dass Jungs zugestanden wird, dass es nicht schlimm sei "wie ein Mädchen zu fühlen".

Für transsexuelle Menschen ist dies unbefriedigend. Mit der Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt hat der Text der EU nämlich wenig zu tun. Vielmehr geht es hier bei genauerer Betrachtung lediglich um die Anerkennung geschlechtlichen Handelns, also einem Text der Toleranz gegenüber sexuellen Identitäten einfordert, aber noch lange nicht die per se existierende geschlechtliche Vielfalt meint.

Es ist nach wie vor ärgerlich, dass die EU bislang nicht bereit ist LSBTTIQ anzuerkennen und transsexuelle Menschen hier als "Transgender-Identitäten" subsumiert werden sollen.

Wir fragen uns: Was ist eigentlich das Problem? Warum ist das scheinbar doch so schwer?

Link:

Menschenrechte und Demokratie in der Welt und die Politik der Europäischen Union in diesem Bereich
http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+REPORT+A8-2015-0023+0+DOC+XML+V0//DE
 
Ran an die Tasten
Freitag, 13. Februar 2015 um 13:51
Ok. Lasst uns mal was probieren. Nachdem wir den Eindruck haben, dass nicht nur wir von der Berichterstattung der letzten Monate genervt sind - von den Auswirkungen der Gender-Dysphorisierung, die dazu geführt hat, dass wir einen Zeitsprung von einigen Jahren in die Vergangenheit gemacht haben, und transsexuelle Frauen wieder flächendeckend als "biologische Männer" oder "umgewandelt" bezeichnet werden - wir aber wissen, dass es da Leute gibt, die ganz gut Stimmung gemacht haben, um diese Sichtweise flächendeckend anzubringen... könnte eine Lösung des Problems doch so aussehen:

Ihr schreibt!

Nichts ist besser, als zu zeigen, dass da einge sind, die emanzipert sind und so viel Würde besitzen, dass sie bereit sind, sich zu Wort zu melden.

Damit ihr nicht extra suchen müsst:

Übersicht der Nachrichten der letzten Wochen:
1)
https://www.google.de/search?q=geschlechtsumwandlung&;ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=Xu3dVPeeKsfbPKjGgdAH#tbs=qdr:m&q=gntm+geschlechtsumwandlung
2)
https://www.google.de/search?q=geschlechtsumwandlung&;ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=Xu3dVPeeKsfbPKjGgdAH#tbs=qdr:m&tbm=nws&q=geschlechtsumwandlung
3)
https://www.google.de/search?q=geschlechtsumwandlung&;ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=Xu3dVPeeKsfbPKjGgdAH#q=geschlechtsumwandlung&tbs=qdr:m
---

Beschwerdemöglichkeit Presse:

https://www.presserat.de/beschwerde/online-beschwerde/
(Pressekodex unter: http://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/)
---

Beschwerdemöglichkeiten Privatsender:

Pro7: http://www.mabb.de/kontakt/ansprechpartner.html
RTL: http://www.nlm.de/kontakt.html
RTLII: http://www.lpr-hessen.de/default.asp?m=117
Super RTL: http://www.lfm-nrw.de/lfm/so-finden-sie-uns.html
Sat1: http://www.lmk-online.de/horizontleiste/kontaktformular/ und http://www.tlm.de/tlm/kontakt/
Kabel Eins: http://www.blm.de/de/service/kontakt.cfm
Vox: http://www.lfm-nrw.de/lfm/so-finden-sie-uns.html
sixx: http://www.bremische-landesmedienanstalt.de/metamenu/kontakt.html
Anixe HD: http://www.lfk.de/meta-menu/kontakt.html
DMAX: http://www.mabb.de/kontakt/ansprechpartner.html
joiz: http://www.mabb.de/kontakt/ansprechpartner.html

weitere Sender:
http://www.die-medienanstalten.de/service/datenbanken/tv-senderdatenbank.html
---

Beschwerdemöglichkeiten TV (ARD, ZDF, arte, dritte Programme):

SWR (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz:
http://www.swr.de/unternehmen/gremien/gremiengeschaeftsstelle/-/id=12338976/nid=12338976/did=12369174/cf=42/120rmzv/index.html

BR (Bayerischer Rundfunk):
http://www.br.de/unternehmen/inhalt/rundfunkrat/bayerischer-rundfunk-rundfunkrat-kontakt100.html

SR (Saarland):
http://www.sr-online.de/sronline/der_sr/wir_uber_uns/rundfunkrat/rundfunkrat100~_seite-7.html

HR (Hessen):
http://www.hr-online.de/website/extern/rundfunkrat/index.jsp?rubrik=45282

WDR (NRW):
http://www1.wdr.de/unternehmen/gremien/rundfunkrat/rundfunkrat-kontakt104.html

NDR (Niedersachsen, Hamburg):
http://www.ndr.de/der_ndr/unternehmen/rundfunkrat/Ihre-E-Mail-an-Rundfunkrat,kontakt778.html

Radio Bremen (Bremen):
http://www.radiobremen.de/unternehmen/gremien/rundfunkrat/kontakt138.html

MDR (Mitteldeutschland):
http://www.mdr.de/mdr-rundfunkrat/kontakt/index.html

RBB (Berlin, Brandenburg):
http://www.rbb-online.de/rundfunkrat/kontakt/index.html
---

Wir unterstützen Euch dann gerne, wenn wir spüren, dass die Sache ins Laufen gekommen ist.

So, möge der Versuch gelingen :-)
 
Wir hatten uns da mal über RTl2 beschwert
Dienstag, 10. Februar 2015 um 11:59
Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien sieht kein Problem darin, wenn transsexuelle Frauen als Lügner über ihr eigenes Geschlecht dargestellt werden.

Gegenstand der Beschwerde war, dass RTL2 in der Sendung „Kay One – Prinzessin gesucht“ Transsexualität so dargestellt hat, als handele es sich bei transsexuellen Frauen generell um Männer und nicht um Frauen. Desweiteren hatten wir uns darüber beschwert dass in der Sendung legitimiert wurde, Frauen, die nicht den körperlichen Normen entsprechen ausgrenzen oder zurückweisen zu dürfen. Hassverbrechen wie beispielsweise der Fall Angie Zapata in den USA, aber auch viele andere dieser Hassverbrechen, werden ähnlich von den Tätern legitimiert: Frauen, die körperlich von Normen abweichen werden von den Tätern als „Mann“ oder „Es“ bezeichnet, wenn sie meinen, eine geschlechtliche Besonerheit entdeckt zu haben. Den Frauen, die Opfer von Gewaltverbrechen werden wird unterstellt, sie hätten den Täter in ihrem Geschlecht belogen, woraufhin die Reaktion ja verständlich – so die Logik der Täter – sei.

In „Kay One – Prinzessin gesucht“ wird dieses Prinzip legitimiert. Sasa, eine transsexuelle Frau, spielt der Dramaturgie der Autoren zufolge die Rolle „der transsexuellen Frau“, die „Kay One“ in ihrem Geschlecht betrügt.

Unsere Beschwerde richtete sich nicht gegen die Behandlung von Sasa. Wir glauben, dass jeder Mensch, der an Billigfernsehen teilnimmt, in der Lage ist, selbst zu beurteilen, ob ihm das gut tut, oder nicht. Kern der Beschwerde war, dass durch die Art und Weise der Darstellung Klischees über transsexuelle Menschen reproduziert werden, die sogar dazu geeignet sind geschlechtliche Gewalt gegen Frauen, die nicht den Körpernormen entsprechen, zu legitimieren.

Die LPR Hessen schloss sich dieser Sicht – wie auch nicht anders zu erwarten – nicht an. Wir wissen, dass die Gewalt gegen transsexuelle Menschen in Deutschland meist nicht sanktioniert wird und ein grosser Teil der Medien den Charakter des „transsexuellen Menschen“ zur Belustigung verwenden.

Beschwerden gegen die verunglimpfende Darstellung transsexueller Frauen, die bereits damit beginnt, ihnen ihr Geschlecht in Abrede zu stellen, wie z.B. die Behauptung transsexuelle Frauen hätten sich vom Mann zur Frau „umoperieren“ lassen (ein Klassiker der Klischeeberichterstattung die uns auch auf öffentlich-rechtlichen Medien immer wieder begegnet), werden von den Zuständigen Gremien regelmässig nicht weiter behandelt mit dem Hinweis, dass man keine Diskrimnierung erkennen könne und alles völlig in Ordnung sei so.

Die mangelnde Sensibilität deutscher Medien gegenüber transsexuellen Menschen kommt nicht von ungefähr: Bis heute wird die klischeehafte Berichterstattung damit legitimiert, dass es ja „Experten“ gibt, die das ganz genauso sehen. Psycho-Sexologen, die sagen, es handele sich bei transsexuellen Frauen um „Männer, die sich wie Frauen fühlen“ und das dann „Gender-Dysphorie“ nennen werden von der Politik hofiert und von angeblichen Betroffenenorganisationen untersützt, denen ein wenig Mitspracherecht versprochen wurde.

Wir sehen eine Änderung der Zustände nur dann für möglich, wenn sich transsexuelle Menschen, insbesondere transsexuelle Frauen emanzipieren, und sich zu Wort melden. Wenn die Medienberichterstattung sich ändern soll haben wir, diejenigen um die es geht, eine Mitverantwortung. Wir sind es, die entweder zulassen, was über uns berichtet wird und wie wir dargestellt werden, oder sich dagegen wehren – oder, was möglicherweise sinnvoller ist, da die Hoffnung, dass sich die Medien in Deutschland von alleine verändern äusserst gering ist - die Mail von Christina Üekermann von der Landesanstalt für Medien in Hessen ist da ja der beste Beweis dafür – selber Medien produzieren müssen, um einen gesellschaftlichen Wandel zu erzeugen, der uns in Zukunft auf die heutige Zeit kopfschüttelnd zurückblicken lassen wird – so wie das heute der Fall ist, wenn wir uns alte Filme ansehen und und fragen müssen, wie Frauen früher dargestellt wurden.

Wir brauchen mehr Rock'n Roll.

Hier der dümmliche Brief der LPR:

Sehr geehrte Frau Schicklang,
 
per E-Mail vom 18.09.2014 hatten Sie sich über die Ausstrahlung der Sendung „Kay One – Prinzessin gesucht“ am 06.10.2014 im Programm von RTL 2 beschwert.
 
In der zweiteiligen Doku-Sendung bekommen 10 junge Frauen die Möglichkeit, den Rapper Kay One kennen zu lernen und „sein Herz zu erobern“. In einer Villa auf Mallorca konkurrieren sie bei romantischen Dates und Wettkämpfen. Unterstützt wird Kay One von zahlreichen Mitarbeitern, darunter Koan Goldpinsel, der kleinwüchsige „Master Two“ und ein Fitnesstrainer. Am Ende darf Kay One sich für eine der Frauen entscheiden. Während der Wettkämpfe kommt es zu Streitigkeiten und emotional geführten Auseinandersetzungen zwischen den Kandidatinnen.
 
Sie kritisieren, dass RTL 2 mit der Ausstrahlung der Sendung transsexuellenfeindliche Hetze betreibe und gegen die in § 13 Hessisches Privatrundfunkgesetz (HPRG) gesetzlich verankerten Programmgrundsätze verstoße. Die Presse hatte bereits zwei Wochen vor der Ausstrahlung der Sendung darüber berichtet, dass unter den Teilnehmerinnen der Sendung die transsexuelle „Sasa“ sei und die Sendung daher den Titel „Prinz sucht Prinz“ tragen müsse. Auch Sänger Bushido spottete über Twitter, dass eine der Teilnehmerinnen keine Frau sei.
Nach einer ersten Prüfung durch die LPR Hessen haben wir die von Ihnen kritisierte Sendung zur abschließenden Bewertung der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) vorgelegt. Diese hat die ausgestrahlte Sendung unter Würdigung aller rundfunkrechtlichen Aspekte geprüft. Im Ergebnis der Prüfung lässt sich allerdings kein Verstoß gegen die rundfunkrechtlichen Bestimmungen feststellen:
Im zweiten Teil verlangt Kay One, dass sich alle Kandidatinnen abschminken, um festzustellen, wie die Teilnehmerinnen ungeschminkt aussehen. Die 23-jährige Sasa weigert sich und erklärt, sie schminke sich sogar nachts zum Schlafen. Kurz darauf outet sich Sasa gegenüber Gessica und erklärt, „…dass da noch was hängt. Überraschungseier für Kay …“.
 
Koan Goldpinsel hat das Gespräch über eine Überwachungskamera mit verfolgt und gibt die Neuigkeit an Kay One weiter. Gemeinsam überlegen sie, was die Aussage von Sasa bedeuten könnte. Kay One vermutet, dass es sich bei Sasa um einen als Frau verkleideten Mann handelt und  reagiert im ersten Moment sehr emotional. Er schubst Koan Goldpinsel von sich weg und fragt immer wieder, ob er das gewusst habe. Zu den Personen im Raum sagt Kay One: „Wollt Ihr mich verarschen, Mann?!“. Später bereut Kay One, dass er Koan Goldpinsel weggestoßen hat und erklärt: „Mir sind so die Sicherungen durchgebrannt. Jetzt stell Dir mal vor, er sagt, das ist ´ne Transe. … Du Penner hast viel öfter mit der geredet als ich.“ Im Interview äußert Sasa: „Früher war ich ein Junge. Jetzt bin ich – ich sag jetzt mal nicht eine Frau – aber ein sehr weibliches, feminines menschliches Wesen, was ich mir schon immer gewünscht habe. Diese Operationen habe ich einfach gemacht, um mein Äußerliches mit meinem Innerlichen zu vereinen. … Das, was ich im Höschen hab, das sieht ja keiner. In dem Teilbereich hab ich immer noch ein männliches Geschlecht. … Ich glaube, wenn der Kay das erfährt. Er wirkt ja so nach außen immer so machohaft und auch ein bisschen aggressiv  und ich weiß nicht, wie er reagieren wird, wenn er das merkt. Also ich hab schon ein bisschen Angst vor seiner Reaktion.“ Später werden wieder die Bilder eingespielt, als Koan Goldpinsel von Kay One attackiert wird. Kay One berichtet im Interview: „Ich hab mich jetzt schon wieder beruhigt. Aber es war für mich jetzt nochmal so krass zu sehen, dass manche Frauen, ähh Männer sich so umoperieren, dass man es nicht merkt. Normalerweise sieht man das an den Händen, an dem Adamsapfel und an der Stimme. Sasa hat weibliche Hände, weibliche Füße. Das ist schon echt krass! Ich war jetzt grad ein bisschen sauer. Ich war auch auf Koan sauer, weil ich dachte, der steckt mit den Leuten irgendwie unter einer Decke. Ich hab mich auch bei ihm dann nochmal entschuldigt.  Es war nicht gut von mir, dass ich ihn geschubst habe. Vom Menschlichen her ändert sich jetzt gegenüber Sasa nichts. Ich find sie immer noch super nett, super freundlich. Aber da wird halt nie was gehen.“. Sasa darf noch für einen Tag bleiben, wird schließlich aber von Kay One nach Hause geschickt.
 
Die vorliegende Sendung wurde nach 20:00 Uhr ausgestrahlt, so dass gemäß § 5 Abs. 3 Nr. 2 i. V. m. Abs. 4 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) eine Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern und Jugendlichen über 12 Jahren auszuschließen war.
 
Im Hinblick auf die Sequenzen, die sich mit der Transsexualität von Sasa befassen, konnte die KJM keine Entwicklungsbeeinträchtigung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren feststellen. Das Thema Transsexualität wird in einer Weise präsentiert, die auch jüngere Zuschauer ab 12 Jahren nicht überfordert. Auch wenn durch das zunächst heimlich mit versteckter Kamera beobachtete Outing von Sasa gegenüber Gessica das Thema Transsexualität inszeniert wirkt, so ist die sehr emotionale Reaktion von Kay One nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt wird Sasa die Transsexualität „vorgeworfen“ oder ihre Menschenwürde abgesprochen. Sasa´s sexuelle Orientierung wird nicht benutzt, um einer einseitigen Propagierung Vorschub zu leisten. Ausgrenzungstendenzen sind daher insbesondere beim jüngeren Publikum nicht zu befürchten.
 
Darüber hinaus ist auch kein Verstoß gegen die in § 13 Hessisches Privatrundfunkgesetz und § 41 Rundfunkstaatsvertrag verankerten Programmgrundsätze festzustellen. Die Sendung diskriminiert weder transsexuelle Menschen noch wirbt sie für eine einseitige Charakterisierung der Geschlechter, die die Wahrnehmung der Zuschauer nachhaltig negativ prägen könnte.
 
In jedem Fall möchte ich Ihnen für Ihren Hinweis danken. Durch Ihre aufmerksame Beobachtung unterstützen Sie die Landesmedienanstalten bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, ein den medienrechtlichen Bestimmungen entsprechendes Programm zu gewährleisten.
 
Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag
 
Christina Uekermann
___


 
Neues Gesetz zur Namens- und Geschlechtseintragsänderung
Montag, 09. Februar 2015 um 21:26
Wir haben uns Gedanken gemacht, wie das Argentinische Gesetz in Deutschland aussehen könnte. Hier mal ein Entwurf als Diskussionsansporn.



Gesetzesentwurf

Gesetz zur Änderung des Vornamens und des Personenstandes in besonderen Fällen

§1 Recht auf Anerkennung der geschlechtlichen Selbstaussage

(1) Jede Person hat das Recht
  1. auf Anerkennung ihrer geschlechtlichen Selbstaussage als ihr Geschlecht;
  2. auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit im Einklang mit diesem Geschlecht;
  3. auf die Wahl neuer Vornamen, sofern die bei der Geburt eingetragenen Vornamen nicht nach dem allgemeinen Verständnis von Personen dieses Geschlechts geführt werden;
  4. auf die entsprechende Änderung der Geburtsurkunde und des Personenstandsregisters und die Korrektur des Geschlechtseintrags und der Vornamen;
(2) Von der Änderung des Vornamens und des Personenstandes an richten sich die vom Geschlecht abhängigen Rechte und Pflichten des Antragstellers nach dem gemäß Absatz (1) bestimmten Geschlecht.

(3) Als Geschlecht im Sinne des Art. 3 Abs. 2 und 3 GG gilt das Geschlecht gemäß der Selbstaussage einer Person.


§2 Definition

Als geschlechtliche Selbstaussage eines Menschen wird sein inneres, persönliches Wissen um sein Geschlecht begriffen. Dieses kann, muss aber nicht mit dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht übereinstimmen.
Dieses Geschlecht kann auch die Veränderung des Aussehens oder der Funktionen des Körpers durch medizinische Maßnahmen beinhalten, wenn dieses auf freier Entscheidung beruht.


§ 3 – Geltungsbereich.

Jede Person kann die Korrektur des eingetragenen Geschlechts, des Vornamens und den Austausch des jeweiligen persönlichen Abbildes beantragen, falls diese Angaben nicht mit der eigenen Wahrnehmung des Geschlechts übereinstimmen.


§ 4 – Anforderungen.

(1) Einen Antrag auf Änderung des Eintrags in der Geburtsurkunde und im Personenstandsregister, kann jede Person stellen, die 
  1. Deutscher im Sinne des Grundgesetzes ist,
  2. als Staatenloser oder heimatloser Ausländer ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat,
  3. als Asylberechtigter oder ausländischer Flüchtling ihren Wohnsitz im Inland hat oder
  4. als Ausländer, dessen Heimatrecht keine diesem Gesetz vergleichbare Regelung kennt, aa) ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt oder bb) eine verlängerbare Aufenthaltserlaubnis besitzt und sich dauerhaft rechtmäßig im Inland aufhält,
  5. Ein Mindestalter von achtzehn (18) Jahren hat, mit Ausnahme der Regelung in § 5 dieses Gesetzes.
(2) In dem Antrag sind die neuen Vornamen und gegebenenfalls das einzutragene Geschlecht, anzugeben.

(3) In keinem Fall ist der Nachweis eines chirurgischen Eingriffes oder von hormonalen Therapien bzw. etwaigen psychologischen oder medizinischen Behandlungen oder Gutachten erforderlich.


§ 5 - Minderjährige Personen.

Im Falle von Personen, die das achtzehnte (18.) Lebensjahr noch nicht erreicht haben, muss das in Artikel 4 dargelegte Antragsstellungsverfahren von den jeweiligen gesetzlichen Vertretern und mit der ausdrücklicher Zustimmung des/der Minderjährigen unter Berücksichtigung der Grundsätze der wachsenden Fähigkeiten und des steigenden Interesses des Kindes im Einklang mit den Bestimmungen über den Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen erfolgen.
Wird aus irgendeinem Grund das Einverständnis durch eine(n) der gesetzlichen Vertreter/innen des/der Minderjährigen verwehrt oder kann diese nicht erzielt werden, besteht die Möglichkeit, den Rechtsweg vor dem zuständigen Familiengericht zu beschreiten.


§ 6 – Verfahren.

(1) Zuständig für die Änderung des Vornamens und des Geschlechtseintrags ist das für den Antragssteller zuständige Standesamt. Die Länder dürfen die Zuständigkeit an eine andere Behörde übertragen.

(2) Sind die Voraussetzungen gemäß Artikel 4 oder 5 erfüllt, macht die zuständige Behörde die amtliche Mitteilung über die Änderung des Geschlechts und des Vornamens an das zuständige Standesamt, in dem die Geburtsurkunde ausgestellt wurde bzw. in dem die Geburtsurkunde geführt wird, wobei keine rechtlichen oder administrativen Verfahren erforderlich sind. Diese stellt daraufhin eine neue Geburtsurkunde entsprechend den Veränderungen aus. Die Eintragungen im Personenstandsregister sind entsprechend zu ändern.

(3) Jeder Bezug auf dieses Gesetz in der veränderten Geburtsurkunde, im Personenstandsregister und den auf dieser Grundlage ausgestellten Dokumenten ist untersagt.

(4) Das im Rahmen dieses Gesetzes vorgesehene Bearbeitungsverfahren zur Eintragsänderung ist persönlich und erfordert nicht  die Einschaltung eines Vermittlers oder Rechtsanwalts oder sonstiger Dritter.  

(5) Die Änderung erfolgt analog zu §47 PStG.


§ 7 –  Auswirkungen.

(1) Ab der amtlichen Eintragung ist die antragstellende Person mit den geänderten Vornamen und dem geänderten Personenstand zu führen und eine der Eintragung entsprechende Anrede zu verwenden.
 
(2) Die Eintragsänderung beeinträchtigt weder die vor der Eintragung der Änderung bereits vorhandenen persönlichen Rechtsansprüche und -verpflichtungen des Betreffenden, noch solche aus familienrechtlichen Beziehungen. Diese bleiben unverändert, was auch adoptierte Kinder mit einschließt.  


§ 8 – Erneute Änderung

Sobald die Eintragsänderung in Übereinstimmung mit diesem Gesetz vorgenommen wurde, kann sie nur mit richterlicher Zustimmung erneut geändert werden. In solchen Fällen ist die Familiengerichtsbarkeit zuständig.


§ 9 –  Vertraulichkeit.

Ab dem Zeitpunkt der Änderung dürfen die vor der Entscheidung geführten Vornamen und der vorherige Personenstand ohne Zustimmung des Antragstellers nicht offenbart oder ausgeforscht werden, es sei denn, daß besondere Gründe des öffentlichen Interesses dies erfordern oder ein rechtliches Interesse glaubhaft gemacht wird.


§ 10 –  Mitteilungen.

Die Staatsanwaltschaft als Vertreterin des öffentlichen Interesses wird über die Änderungen informiert.


§ 11 –  Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

(1) Jede Person über achtzehn (18) Jahre kann in Übereinstimmung mit §1 und zur Gewährleistung der Wahrnehmung einer ganzheitlichen Gesundheit vollständige und teilweise chirurgische Eingriffe bzw. hormonelle Ganzheitsbehandlungen zur Anpassung des Körpers - einschließlich der Genitalien - an ihr Geschlecht im Sinne des §2 ohne Notwendigkeit einer richterlichen oder verwaltungsbehördlichen Genehmigung vornehmen lassen.

(2) Für ganzheitliche hormonelle Behandlungen ist es nicht nötig, die Bereitschaft zu vollständigen oder teilweisen chirurgischen Eingriffen zu erklären.

(3) In beiden Fällen ist allein die Einwilligung des Betreffenden nach erfolgter Aufklärung erforderlich.

(4) Bei Minderjährigen gelten die Grundsätze und Voraussetzungen des §5 für die  Einholung der Einwilligung nach erfolgter Aufklärung.

(5) Die ausführenden Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens, unabhängig davon, ob es sich um staatliche, private oder die des Teilbereichs der Krankenversicherungen handelt, müssen dauerhaft die von diesem Gesetz anerkannten Rechte gewährleisten. Dazu gehört insbesondere, aber nicht abschließend, die Übernahme der Kosten für
  1. eine hormonelle Behandlung;
  2. genitalanpassende Operationen;
  3. Anpassung der Brust an das entsprechende Geschlecht;
  4. Entfernung von geschlechtsuntypischer Körperbehaarung;
  5. chirurgische Maßnahmen zur Anpassung des optischen Eindrucks des Gesichts an das jeweilige Geschlecht;
  6. Hilfsmittel, wie zum Beispiel Perücken;
  7. Psychotherapiesitzungen zur Bewältigung von eventuell im Zusammenhang mit der Änderung auftretenden gesellschaftlichen, sozialen oder familiären Problemen.
  8. Die Notwendigkeit und der Umfang der Maßnahmen wird von den jeweiligen behandelnden Ärzten zusammen mit ihrem Patienten festgelegt.

§ 12 – Würdiger Umgang.

(1) Das von Menschen, insbesondere die von Kindern und Jugendlichen angegebene Geschlecht muss respektiert werden.

(2) Allein auf ihr Bitten ist ihr angegebener Vorname bei Ladungen, Eintragungen, Akten, Anrufen und jedem anderen Vorgang oder Dienstleistung sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich zu verwenden.

(3) Die von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichneten Menschenrechtsabkommen, sowie Art. 1, Abs. 1 und 2 GG gelten entsprechend und werden berücksichtigt.



 
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