Halbe Sachen vom Europarat
Mittwoch, 22. April 2015 um 22:37

Heute hat der Europarat eine Resolution verabschiedet, die auch für die Rechte von transsexuellen Menschen mittel- bis langfristig von Nutzen sein kann. So werden die Staaten Europas aufgefordert schnelle und transparente Verfahren zur rechtlichen Anerkennung einzuführen, die ohne psychiatrische Diagnosen oder medizinische Vorbedingungen auskommen. Dies war das, was auch ATME gefordert hat. Wie immer sehen wir aber auch ein paar Haken an der Sache. Die Resolution geht nämlich nicht weit genug und schubladisiert Menschengruppen.

Seit Gründung setzt sich die Aktion Transsexualität und Menschenrecht dafür ein, dass alle Menschen - ausgehend von den Menschenrechten - gleiche Rechte geniessen. Dazu gehört für uns auch, dass jeder Mensch das Recht haben muss, seine Papiere ändern lassen zu können um vor dem Gesetz als er selbst anerkannt zu sein. Genauso wichtig ist es, dass jeder Mensch das Recht auf umfassende Gesundheit hat.

In der Resolution des Europarates wird aber explizit nicht von allen Menschen gesprochen sondern von "Transgender"-Personen. Leider wurden die nicht gehört, die in dieser Schubladisierung von Recht eine Gefahr sehen: Ähnlich wie bereits das deutsche Transsexuellengesetz deswegen nicht funktioniert hat, weil dort, wo gesetzlich geschlechtliche Abweichungen verankert werden, immer jemand über die geschlechtliche Schublade wachen will und daraus dann automatisch geschlechtliche Fremdbestimmung entsteht, können Regelungen, die nicht alle Menschen betreffen sollen, sondern nur eine wie immer zu definierende geschlechtliche Gruppe, auch in diesem Fall wieder zu Ungleichberechtigung führen.

Genau aus diesem Grund lehnen wir die Idee ab, "Trans*geschlechter" als Spiegel zu Normgeschlechtern zu definieren. Sich über das Gegenteil zu einer bestehenden Geschlechternorm zu definieren sehen wir als Reproduktion geschlechtlicher Normen an. Emanzipation heisst für uns, sich von diesen Normen zu lösen und den Bereich der Gender-Deutung aus medizinischen Behandlungen und rechtlichen Regelungen heraus zu lassen. Wenn in einer Resolution steht, dass "Hormonbehandlung, Operationen und psychotherapeutische Unterstützung für alle Transgender-Personen" verfügbar gemacht werden sollen, dann widerspricht das unserem Verständnis von Gleichberechtigung und Menschenrechten. Wir würden hier formulieren, dass "Hormonbehandlung, Operationen und psychotherapeutische Unterstützung für alle Menschen" zur Verfügung stehen sollen, die diese Behandlung wünschen.

Wir sind zudem sehr skeptisch, wenn wir lesen müssen, dass sogenannte Experten im Gesundheitssystem im Umgang mit "Transgender"-Personen, zu denen dann auch "psychologists, psychiatrists and general practitioners" gezählt werden, besonders im Umgang mit "Transgender"-Personen geschult werden sollen. Auch hier verweisen wir darauf, dass wir uns für eine Behandlung aussprechen, die ohne Gender-Deutung auskommt, anstatt erneut medizinische Schubladen mit der Möglichkeit medizinischer Fremdbestimmung einzuführen.

Es wäre schön, wenn wir den Eindruck hätten, dass alle Menschen, die das hinterher betreffen wird, vom Europarat angehört worden wären. Dies ist nicht der Fall. Insbesondere die Kritik an der Schubladisierungs-Logik, die in Europa durch Lobbygruppen wie TGEU (Transgender Europe) und ILGA vertreten wird, kam hier für unser dafürhalten zu kurz.

Genauso sehen wir den Ansatz emanzipierter transsexueller Menschen, die ihr Geschlecht nicht als Gender-Schublade erachten als nicht in diesem Prozess vertreten. Wenn Menschen gleiche Rechte haben, wie andere Menschen, dann sind beispielsweise Frauen Frauen und keine Transfrauen. Eine Frau, die vor dem Gesetz gleiche Rechte hat, wie eine andere Frau (und da wollen wir ja hinkommen), wird womöglich ausdrücken müssen, was bei ihr anders ist, als bei anderen Frauen. Sie wird beschreiben müssen, was da medizinisch behandelt werden soll. Dies ist dann ihr Körper. Wir nennen das "Transsexualität". Oder umgekehrt: Nur wenn transsexuelle Frauen und Frauen als ungleich definiert sind und die Frauen, welche die körperliche Norm, die auf Gender-Stereotypen basiert, nicht erfüllen, dann als "unbiologisch" angesehen werden bzw. zur Nicht-Frau erklärt werden, macht die Idee von "Transmenschen" Sinn und ist deshalb unemanzipatorisch. Die Ungleichbehandlung von Menschen mit geschlechtlichen Normabweichungen basiert also in dem Versuch der Trennung von dem einen vom "anderen Geschlecht". Feministinnen wie Simone De Beavouir haben da bereits Bücher dazu geschrieben.

Deswegen freuen wir uns auch hier nur halb. Die Gleichberechtigung aller Menschen ist unser Ziel und nicht die Errichtung von Gender-Schubladen und die Re-Etablierung neuer Definitionshoheitsbestrebungen von Medizin, Recht und Gesellschaft durch die Hintertür. Wir sehen es nicht als erstrebenswert an, Menschen in Geschlechterkategorien zu teilen und sich für ungleiche Rechte einzusetzen. Auch positive Diskriminierungen sind aus unserer Sicht nicht mit den Menschenrechten vereinbar.

Der Link zur Resolution:

Discrimination against transgender people in Europe
 
Maischberger offenbart Transsexuellenfeindlichkeit
Mittwoch, 15. April 2015 um 08:08

Am Ende bleibt eine transsexuelle Frau in unserer Gesellschaft immer ein Mann. So liesse sich eine Ausgabe des TV-Talkformats "Menschen bei Maischberger", die unter dem Titel "Sexuelle Vielfalt: Mann, Frau, egal?" am 15. April 2015 ausgestrahlt wurde, zusammenfassen. Sowohl Moderatorin, als auch Gäste bewiesen, dass die von ihnen selbst propagierte geschlechtliche Weltanschauung ein Loch hat, da sie selbt anscheinend nicht daran glaubten. An den Personalpronomen "sie" und "er" offenbarte sich die Heuchelei.

Alice Schwarzer, die bereits vor ein paar Monaten in einer Kolumne der Emma der Mutter eines transsexuellen Jungen geraten hatte, er solle sich doch überlegen, ob er nicht als burschikose Frau leben möchte und offen zur Umpolung riet, liess in der Talkrunde durchblicken, dass sie davon ausgehe, dass die "sexuelle Orientierung" nicht angeboren sei, sondern später erst später entwickele, das Geschlecht, so wie sie es sieht - also ziemlich eingeschränkt, aber schon. Entlarvend - und symptomatisch für das, was transsexuelle Menschen in Deutschland zur Zeit fast täglich erleben - waren vorallem die Widersprüche zwischen Anspruch und dem, was immer wieder durchblitzte.

Es waren die kleinen Zwischentöne, an denen die Transsexuellenfeindlichkeit der Runde ablesbar war, und die konservativen Gäste der Sendung wirkten dabei weit harmloser als Maischberger und Schwarzer. Während eine Dragqueen mit Bart "sie" genannt wurde, obwohl Schwarzer die Kunstfigur "Conchita Wurst" als Zwischenwesen zwischen Mann und Frau anzusehen behauptete, konnten Maischberger und Schwarzer fast selbstverständlich bei einer Frau, die nicht ihrem Bild einer Frau entspricht, selbst dann noch von einem "er" sprechen, wenn diese mit wasserstoff-blonden Haaren und hochhackigen Schuhen - den Mann-Frau-Stereotypen entsprechend - auf der Gästecouch sitzt.

Woran aber, so können wir uns fragen, machen Maischberger und Schwarzer nun fest, ob sie jemanden "sie" oder "er" nennen? Da zu Beginn der Sendung so getan wurde, als ob eine transsexuelle Frau ein umoperierter Mann sei - ein Klischee, das zur Zeit wieder in einer scheinbaren Endlosschleife in den Medien penetriert wird - und Frau Schwarzer Conchita als Mischwesen anzusehen behauptete, ist eine derartige Wahl der Personalpronomen sehr entlarvend. Sie offenbart aber nicht nur, wie zwei Menschen, Schwarzer und Maischberger, nicht an das glauben mögen, von dem sie behaupten, sie täten es, sondern es zeigt beispielhaft die Perversität im Umgang mit Transsexualität in unserer Gesellschaft. Da wird Anerkennung geheuchelt, doch die Ausgrenzung wird uns täglich vor Augen geführt. Transsexuelle Menschen kennen das, und erleben diese täglich.

Wenn in einer TV-Runde eine bärtige Drag-Queen, die damit gekonnt die Gender-Stereotype bricht, eher als Frau angesehen werden kann, als eine transsexuelle Frau, die sich Mühe gibt, die Rollen-Erwartungen zu erfüllen, dann verrät das einiges über die Heuchelei, die transsexuellen Menschen täglich begegnet. Aber machen wir uns nichts vor: Um deren Belange geht es bislang ja auch weder im Fernsehen, noch in anderen Medien in Deutschland. Und wenn dann 20 Minuten vor Sendungsende das transsexuelle Klischee bestätigt wurde und die Figur des "umgewandelten Mannes" nicht mehr gebraucht wird, dann ist es auch kein Problem für Maischberger diese mit dem Hinweis auf mangelnden Platz im Studio vorzeitig zu verabschieden.

Fazit: Maischbergers "Sexuelle Vielfalt: Mann, Frau, egal?" fasst gut zusammen, wie Transsexuellenfeindlichkeit in Deutschland aussieht. Dass es Frauen mit vermännlichten Körpermerkmalen gibt, ist hierzulande nicht vorgesehen. Die sind dann nämlich "er". Was für eine geheuchelte Toleranz. Was für ein Körperfaschismus.

 
Die EU vergisst transsexuelle Menschen
Sonntag, 15. März 2015 um 11:14
Die EU hat ein Papier veröffentlicht, in dem - neben der Forderung Zwangssterilisationen als Bedingung für die rechtliche Anerkennung zu verbieten - die WHO aufgefordert wird, "Störungen der Geschlechtsidentität von der Liste der psychischen Störungen" zu streichen. So schön das einerseits ist, so ärgerlich ist es, dass transsexuelle Menschen von der EU weiterhin als "Transgender-Identitäten" subsumiert werden. Damit ist weiterer geschlechtlicher Fremdbestimmung Tür und Tor geöffnet.

In dem Text heisst es u.a.:

"fordert die Kommission und die WHO auf, Störungen der Geschlechtsidentität von der Liste der psychischen Störungen und Verhaltensstörungen zu streichen; fordert die Kommission auf, ihre Bemühungen zur Beendigung der Pathologisierung von Transgender-Identitäten zu verstärken; fordert die Staaten auf, schnelle, zugängliche und transparente Verfahren zur Anerkennung der Geschlechtszugehörigkeit sicherzustellen, in deren Rahmen das Recht auf Selbstbestimmung respektiert wird;"

Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. kritisiert seit Jahren die Trennung in "biologische" und "unbiologische Geschlechter" und die Ansicht, es würde sich bei Transsexualität um das Gefühl handeln, dem anderen Geschlecht angehören zu wollen. Bezogen auf "Gender", das soziale Geschlecht ist dieser Wunsch zwar vorhanden, macht aber nicht den Kern von Transsexualität aus. Wenn beispielsweise ein Mädchen mit vermännlichten Körpermerkmalen äussert "ich bin ein Mädchen", dann ist es ein Mädchen und nicht etwa ein "biologischer Junge", der gerne Mädchen wäre.

Dies ist deswegen von Relevanz, da davon irrtümlicherweise auszugehen, dass es sich bei Transsexualität primär um ein Gender-Thema handele, anstatt um eine tatsächlich existierende geschlechtliche Variation, zu einer medizinischen Behandlung unter falschem Vorzeichen führt. Transsexuelle Menschen brauchen in erster Linie Hormone oder Operationen nicht etwa deswegen, weil sie eine bestimmte geschlechtliche Rolle (Gender-Role) einnehmen wollen, sondern weil sie um ihre körperliche Abweichung wissen. Transsexualität hat primär mit körperlichen Bedürfnissen zu tun und nicht etwa mit dem Wunsch, stereotype Rollenklischees zu erfüllen.

Wird nun das Verlangen körperlicher Veränderung als Geschlechtsrollen-Thema umgedeutet - eine der Grundlagen für Psychopathologisierung - folgt daraus eine medizinische Behandlung, die Gender-Rollen, also gender-spezifisches Spielzeug, Spielkameraden, etc. oder Kleidung als Überschrift wählt. Diese geschlechtliche Deutung hat unserer Ansicht nach im Umgang mit transsexuellen Menschen nichts zu suchen.

Wenn die EU also nun davon ausgeht, dass transsexuelle Menschen "Transgender-Identitäten" seien und sich für eine "Beendigung der Pathologisierung von Transgender-Identitäten" ausspricht, dann hiesse das zwar, dass transsexuelle Mädchen die sagen "ich bin ein Mädchen" für diese Aussage nicht pathologisiert werden sollen, aber noch lange nicht, dass anerkannt wird, dass es sich um Mädchen handelt. Genauso gut können diese Mädchen weiterhin als "biologische" Jungs, die sich wie Mädchen fühlen angesehen und so behandelt werden - denn eine "Beendigung der Pathologisierung von Transgender-Identitäten" kann hier auch bedeuten, dass Jungs zugestanden wird, dass es nicht schlimm sei "wie ein Mädchen zu fühlen".

Für transsexuelle Menschen ist dies unbefriedigend. Mit der Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt hat der Text der EU nämlich wenig zu tun. Vielmehr geht es hier bei genauerer Betrachtung lediglich um die Anerkennung geschlechtlichen Handelns, also einem Text der Toleranz gegenüber sexuellen Identitäten einfordert, aber noch lange nicht die per se existierende geschlechtliche Vielfalt meint.

Es ist nach wie vor ärgerlich, dass die EU bislang nicht bereit ist LSBTTIQ anzuerkennen und transsexuelle Menschen hier als "Transgender-Identitäten" subsumiert werden sollen.

Wir fragen uns: Was ist eigentlich das Problem? Warum ist das scheinbar doch so schwer?

Link:

Menschenrechte und Demokratie in der Welt und die Politik der Europäischen Union in diesem Bereich
http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+REPORT+A8-2015-0023+0+DOC+XML+V0//DE
 
Ran an die Tasten
Freitag, 13. Februar 2015 um 13:51
Ok. Lasst uns mal was probieren. Nachdem wir den Eindruck haben, dass nicht nur wir von der Berichterstattung der letzten Monate genervt sind - von den Auswirkungen der Gender-Dysphorisierung, die dazu geführt hat, dass wir einen Zeitsprung von einigen Jahren in die Vergangenheit gemacht haben, und transsexuelle Frauen wieder flächendeckend als "biologische Männer" oder "umgewandelt" bezeichnet werden - wir aber wissen, dass es da Leute gibt, die ganz gut Stimmung gemacht haben, um diese Sichtweise flächendeckend anzubringen... könnte eine Lösung des Problems doch so aussehen:

Ihr schreibt!

Nichts ist besser, als zu zeigen, dass da einge sind, die emanzipert sind und so viel Würde besitzen, dass sie bereit sind, sich zu Wort zu melden.

Damit ihr nicht extra suchen müsst:

Übersicht der Nachrichten der letzten Wochen:
1)
https://www.google.de/search?q=geschlechtsumwandlung&;ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=Xu3dVPeeKsfbPKjGgdAH#tbs=qdr:m&q=gntm+geschlechtsumwandlung
2)
https://www.google.de/search?q=geschlechtsumwandlung&;ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=Xu3dVPeeKsfbPKjGgdAH#tbs=qdr:m&tbm=nws&q=geschlechtsumwandlung
3)
https://www.google.de/search?q=geschlechtsumwandlung&;ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=Xu3dVPeeKsfbPKjGgdAH#q=geschlechtsumwandlung&tbs=qdr:m
---

Beschwerdemöglichkeit Presse:

https://www.presserat.de/beschwerde/online-beschwerde/
(Pressekodex unter: http://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/)
---

Beschwerdemöglichkeiten Privatsender:

Pro7: http://www.mabb.de/kontakt/ansprechpartner.html
RTL: http://www.nlm.de/kontakt.html
RTLII: http://www.lpr-hessen.de/default.asp?m=117
Super RTL: http://www.lfm-nrw.de/lfm/so-finden-sie-uns.html
Sat1: http://www.lmk-online.de/horizontleiste/kontaktformular/ und http://www.tlm.de/tlm/kontakt/
Kabel Eins: http://www.blm.de/de/service/kontakt.cfm
Vox: http://www.lfm-nrw.de/lfm/so-finden-sie-uns.html
sixx: http://www.bremische-landesmedienanstalt.de/metamenu/kontakt.html
Anixe HD: http://www.lfk.de/meta-menu/kontakt.html
DMAX: http://www.mabb.de/kontakt/ansprechpartner.html
joiz: http://www.mabb.de/kontakt/ansprechpartner.html

weitere Sender:
http://www.die-medienanstalten.de/service/datenbanken/tv-senderdatenbank.html
---

Beschwerdemöglichkeiten TV (ARD, ZDF, arte, dritte Programme):

SWR (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz:
http://www.swr.de/unternehmen/gremien/gremiengeschaeftsstelle/-/id=12338976/nid=12338976/did=12369174/cf=42/120rmzv/index.html

BR (Bayerischer Rundfunk):
http://www.br.de/unternehmen/inhalt/rundfunkrat/bayerischer-rundfunk-rundfunkrat-kontakt100.html

SR (Saarland):
http://www.sr-online.de/sronline/der_sr/wir_uber_uns/rundfunkrat/rundfunkrat100~_seite-7.html

HR (Hessen):
http://www.hr-online.de/website/extern/rundfunkrat/index.jsp?rubrik=45282

WDR (NRW):
http://www1.wdr.de/unternehmen/gremien/rundfunkrat/rundfunkrat-kontakt104.html

NDR (Niedersachsen, Hamburg):
http://www.ndr.de/der_ndr/unternehmen/rundfunkrat/Ihre-E-Mail-an-Rundfunkrat,kontakt778.html

Radio Bremen (Bremen):
http://www.radiobremen.de/unternehmen/gremien/rundfunkrat/kontakt138.html

MDR (Mitteldeutschland):
http://www.mdr.de/mdr-rundfunkrat/kontakt/index.html

RBB (Berlin, Brandenburg):
http://www.rbb-online.de/rundfunkrat/kontakt/index.html
---

Wir unterstützen Euch dann gerne, wenn wir spüren, dass die Sache ins Laufen gekommen ist.

So, möge der Versuch gelingen :-)
 
Wir hatten uns da mal über RTl2 beschwert
Dienstag, 10. Februar 2015 um 11:59
Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien sieht kein Problem darin, wenn transsexuelle Frauen als Lügner über ihr eigenes Geschlecht dargestellt werden.

Gegenstand der Beschwerde war, dass RTL2 in der Sendung „Kay One – Prinzessin gesucht“ Transsexualität so dargestellt hat, als handele es sich bei transsexuellen Frauen generell um Männer und nicht um Frauen. Desweiteren hatten wir uns darüber beschwert dass in der Sendung legitimiert wurde, Frauen, die nicht den körperlichen Normen entsprechen ausgrenzen oder zurückweisen zu dürfen. Hassverbrechen wie beispielsweise der Fall Angie Zapata in den USA, aber auch viele andere dieser Hassverbrechen, werden ähnlich von den Tätern legitimiert: Frauen, die körperlich von Normen abweichen werden von den Tätern als „Mann“ oder „Es“ bezeichnet, wenn sie meinen, eine geschlechtliche Besonerheit entdeckt zu haben. Den Frauen, die Opfer von Gewaltverbrechen werden wird unterstellt, sie hätten den Täter in ihrem Geschlecht belogen, woraufhin die Reaktion ja verständlich – so die Logik der Täter – sei.

In „Kay One – Prinzessin gesucht“ wird dieses Prinzip legitimiert. Sasa, eine transsexuelle Frau, spielt der Dramaturgie der Autoren zufolge die Rolle „der transsexuellen Frau“, die „Kay One“ in ihrem Geschlecht betrügt.

Unsere Beschwerde richtete sich nicht gegen die Behandlung von Sasa. Wir glauben, dass jeder Mensch, der an Billigfernsehen teilnimmt, in der Lage ist, selbst zu beurteilen, ob ihm das gut tut, oder nicht. Kern der Beschwerde war, dass durch die Art und Weise der Darstellung Klischees über transsexuelle Menschen reproduziert werden, die sogar dazu geeignet sind geschlechtliche Gewalt gegen Frauen, die nicht den Körpernormen entsprechen, zu legitimieren.

Die LPR Hessen schloss sich dieser Sicht – wie auch nicht anders zu erwarten – nicht an. Wir wissen, dass die Gewalt gegen transsexuelle Menschen in Deutschland meist nicht sanktioniert wird und ein grosser Teil der Medien den Charakter des „transsexuellen Menschen“ zur Belustigung verwenden.

Beschwerden gegen die verunglimpfende Darstellung transsexueller Frauen, die bereits damit beginnt, ihnen ihr Geschlecht in Abrede zu stellen, wie z.B. die Behauptung transsexuelle Frauen hätten sich vom Mann zur Frau „umoperieren“ lassen (ein Klassiker der Klischeeberichterstattung die uns auch auf öffentlich-rechtlichen Medien immer wieder begegnet), werden von den Zuständigen Gremien regelmässig nicht weiter behandelt mit dem Hinweis, dass man keine Diskrimnierung erkennen könne und alles völlig in Ordnung sei so.

Die mangelnde Sensibilität deutscher Medien gegenüber transsexuellen Menschen kommt nicht von ungefähr: Bis heute wird die klischeehafte Berichterstattung damit legitimiert, dass es ja „Experten“ gibt, die das ganz genauso sehen. Psycho-Sexologen, die sagen, es handele sich bei transsexuellen Frauen um „Männer, die sich wie Frauen fühlen“ und das dann „Gender-Dysphorie“ nennen werden von der Politik hofiert und von angeblichen Betroffenenorganisationen untersützt, denen ein wenig Mitspracherecht versprochen wurde.

Wir sehen eine Änderung der Zustände nur dann für möglich, wenn sich transsexuelle Menschen, insbesondere transsexuelle Frauen emanzipieren, und sich zu Wort melden. Wenn die Medienberichterstattung sich ändern soll haben wir, diejenigen um die es geht, eine Mitverantwortung. Wir sind es, die entweder zulassen, was über uns berichtet wird und wie wir dargestellt werden, oder sich dagegen wehren – oder, was möglicherweise sinnvoller ist, da die Hoffnung, dass sich die Medien in Deutschland von alleine verändern äusserst gering ist - die Mail von Christina Üekermann von der Landesanstalt für Medien in Hessen ist da ja der beste Beweis dafür – selber Medien produzieren müssen, um einen gesellschaftlichen Wandel zu erzeugen, der uns in Zukunft auf die heutige Zeit kopfschüttelnd zurückblicken lassen wird – so wie das heute der Fall ist, wenn wir uns alte Filme ansehen und und fragen müssen, wie Frauen früher dargestellt wurden.

Wir brauchen mehr Rock'n Roll.

Hier der dümmliche Brief der LPR:

Sehr geehrte Frau Schicklang,
 
per E-Mail vom 18.09.2014 hatten Sie sich über die Ausstrahlung der Sendung „Kay One – Prinzessin gesucht“ am 06.10.2014 im Programm von RTL 2 beschwert.
 
In der zweiteiligen Doku-Sendung bekommen 10 junge Frauen die Möglichkeit, den Rapper Kay One kennen zu lernen und „sein Herz zu erobern“. In einer Villa auf Mallorca konkurrieren sie bei romantischen Dates und Wettkämpfen. Unterstützt wird Kay One von zahlreichen Mitarbeitern, darunter Koan Goldpinsel, der kleinwüchsige „Master Two“ und ein Fitnesstrainer. Am Ende darf Kay One sich für eine der Frauen entscheiden. Während der Wettkämpfe kommt es zu Streitigkeiten und emotional geführten Auseinandersetzungen zwischen den Kandidatinnen.
 
Sie kritisieren, dass RTL 2 mit der Ausstrahlung der Sendung transsexuellenfeindliche Hetze betreibe und gegen die in § 13 Hessisches Privatrundfunkgesetz (HPRG) gesetzlich verankerten Programmgrundsätze verstoße. Die Presse hatte bereits zwei Wochen vor der Ausstrahlung der Sendung darüber berichtet, dass unter den Teilnehmerinnen der Sendung die transsexuelle „Sasa“ sei und die Sendung daher den Titel „Prinz sucht Prinz“ tragen müsse. Auch Sänger Bushido spottete über Twitter, dass eine der Teilnehmerinnen keine Frau sei.
Nach einer ersten Prüfung durch die LPR Hessen haben wir die von Ihnen kritisierte Sendung zur abschließenden Bewertung der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) vorgelegt. Diese hat die ausgestrahlte Sendung unter Würdigung aller rundfunkrechtlichen Aspekte geprüft. Im Ergebnis der Prüfung lässt sich allerdings kein Verstoß gegen die rundfunkrechtlichen Bestimmungen feststellen:
Im zweiten Teil verlangt Kay One, dass sich alle Kandidatinnen abschminken, um festzustellen, wie die Teilnehmerinnen ungeschminkt aussehen. Die 23-jährige Sasa weigert sich und erklärt, sie schminke sich sogar nachts zum Schlafen. Kurz darauf outet sich Sasa gegenüber Gessica und erklärt, „…dass da noch was hängt. Überraschungseier für Kay …“.
 
Koan Goldpinsel hat das Gespräch über eine Überwachungskamera mit verfolgt und gibt die Neuigkeit an Kay One weiter. Gemeinsam überlegen sie, was die Aussage von Sasa bedeuten könnte. Kay One vermutet, dass es sich bei Sasa um einen als Frau verkleideten Mann handelt und  reagiert im ersten Moment sehr emotional. Er schubst Koan Goldpinsel von sich weg und fragt immer wieder, ob er das gewusst habe. Zu den Personen im Raum sagt Kay One: „Wollt Ihr mich verarschen, Mann?!“. Später bereut Kay One, dass er Koan Goldpinsel weggestoßen hat und erklärt: „Mir sind so die Sicherungen durchgebrannt. Jetzt stell Dir mal vor, er sagt, das ist ´ne Transe. … Du Penner hast viel öfter mit der geredet als ich.“ Im Interview äußert Sasa: „Früher war ich ein Junge. Jetzt bin ich – ich sag jetzt mal nicht eine Frau – aber ein sehr weibliches, feminines menschliches Wesen, was ich mir schon immer gewünscht habe. Diese Operationen habe ich einfach gemacht, um mein Äußerliches mit meinem Innerlichen zu vereinen. … Das, was ich im Höschen hab, das sieht ja keiner. In dem Teilbereich hab ich immer noch ein männliches Geschlecht. … Ich glaube, wenn der Kay das erfährt. Er wirkt ja so nach außen immer so machohaft und auch ein bisschen aggressiv  und ich weiß nicht, wie er reagieren wird, wenn er das merkt. Also ich hab schon ein bisschen Angst vor seiner Reaktion.“ Später werden wieder die Bilder eingespielt, als Koan Goldpinsel von Kay One attackiert wird. Kay One berichtet im Interview: „Ich hab mich jetzt schon wieder beruhigt. Aber es war für mich jetzt nochmal so krass zu sehen, dass manche Frauen, ähh Männer sich so umoperieren, dass man es nicht merkt. Normalerweise sieht man das an den Händen, an dem Adamsapfel und an der Stimme. Sasa hat weibliche Hände, weibliche Füße. Das ist schon echt krass! Ich war jetzt grad ein bisschen sauer. Ich war auch auf Koan sauer, weil ich dachte, der steckt mit den Leuten irgendwie unter einer Decke. Ich hab mich auch bei ihm dann nochmal entschuldigt.  Es war nicht gut von mir, dass ich ihn geschubst habe. Vom Menschlichen her ändert sich jetzt gegenüber Sasa nichts. Ich find sie immer noch super nett, super freundlich. Aber da wird halt nie was gehen.“. Sasa darf noch für einen Tag bleiben, wird schließlich aber von Kay One nach Hause geschickt.
 
Die vorliegende Sendung wurde nach 20:00 Uhr ausgestrahlt, so dass gemäß § 5 Abs. 3 Nr. 2 i. V. m. Abs. 4 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) eine Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern und Jugendlichen über 12 Jahren auszuschließen war.
 
Im Hinblick auf die Sequenzen, die sich mit der Transsexualität von Sasa befassen, konnte die KJM keine Entwicklungsbeeinträchtigung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren feststellen. Das Thema Transsexualität wird in einer Weise präsentiert, die auch jüngere Zuschauer ab 12 Jahren nicht überfordert. Auch wenn durch das zunächst heimlich mit versteckter Kamera beobachtete Outing von Sasa gegenüber Gessica das Thema Transsexualität inszeniert wirkt, so ist die sehr emotionale Reaktion von Kay One nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt wird Sasa die Transsexualität „vorgeworfen“ oder ihre Menschenwürde abgesprochen. Sasa´s sexuelle Orientierung wird nicht benutzt, um einer einseitigen Propagierung Vorschub zu leisten. Ausgrenzungstendenzen sind daher insbesondere beim jüngeren Publikum nicht zu befürchten.
 
Darüber hinaus ist auch kein Verstoß gegen die in § 13 Hessisches Privatrundfunkgesetz und § 41 Rundfunkstaatsvertrag verankerten Programmgrundsätze festzustellen. Die Sendung diskriminiert weder transsexuelle Menschen noch wirbt sie für eine einseitige Charakterisierung der Geschlechter, die die Wahrnehmung der Zuschauer nachhaltig negativ prägen könnte.
 
In jedem Fall möchte ich Ihnen für Ihren Hinweis danken. Durch Ihre aufmerksame Beobachtung unterstützen Sie die Landesmedienanstalten bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, ein den medienrechtlichen Bestimmungen entsprechendes Programm zu gewährleisten.
 
Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag
 
Christina Uekermann
___


 
Neues Gesetz zur Namens- und Geschlechtseintragsänderung
Montag, 09. Februar 2015 um 21:26
Wir haben uns Gedanken gemacht, wie das Argentinische Gesetz in Deutschland aussehen könnte. Hier mal ein Entwurf als Diskussionsansporn.



Gesetzesentwurf

Gesetz zur Änderung des Vornamens und des Personenstandes in besonderen Fällen

§1 Recht auf Anerkennung der geschlechtlichen Selbstaussage

(1) Jede Person hat das Recht
  1. auf Anerkennung ihrer geschlechtlichen Selbstaussage als ihr Geschlecht;
  2. auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit im Einklang mit diesem Geschlecht;
  3. auf die Wahl neuer Vornamen, sofern die bei der Geburt eingetragenen Vornamen nicht nach dem allgemeinen Verständnis von Personen dieses Geschlechts geführt werden;
  4. auf die entsprechende Änderung der Geburtsurkunde und des Personenstandsregisters und die Korrektur des Geschlechtseintrags und der Vornamen;
(2) Von der Änderung des Vornamens und des Personenstandes an richten sich die vom Geschlecht abhängigen Rechte und Pflichten des Antragstellers nach dem gemäß Absatz (1) bestimmten Geschlecht.

(3) Als Geschlecht im Sinne des Art. 3 Abs. 2 und 3 GG gilt das Geschlecht gemäß der Selbstaussage einer Person.


§2 Definition

Als geschlechtliche Selbstaussage eines Menschen wird sein inneres, persönliches Wissen um sein Geschlecht begriffen. Dieses kann, muss aber nicht mit dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht übereinstimmen.
Dieses Geschlecht kann auch die Veränderung des Aussehens oder der Funktionen des Körpers durch medizinische Maßnahmen beinhalten, wenn dieses auf freier Entscheidung beruht.


§ 3 – Geltungsbereich.

Jede Person kann die Korrektur des eingetragenen Geschlechts, des Vornamens und den Austausch des jeweiligen persönlichen Abbildes beantragen, falls diese Angaben nicht mit der eigenen Wahrnehmung des Geschlechts übereinstimmen.


§ 4 – Anforderungen.

(1) Einen Antrag auf Änderung des Eintrags in der Geburtsurkunde und im Personenstandsregister, kann jede Person stellen, die 
  1. Deutscher im Sinne des Grundgesetzes ist,
  2. als Staatenloser oder heimatloser Ausländer ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat,
  3. als Asylberechtigter oder ausländischer Flüchtling ihren Wohnsitz im Inland hat oder
  4. als Ausländer, dessen Heimatrecht keine diesem Gesetz vergleichbare Regelung kennt, aa) ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt oder bb) eine verlängerbare Aufenthaltserlaubnis besitzt und sich dauerhaft rechtmäßig im Inland aufhält,
  5. Ein Mindestalter von achtzehn (18) Jahren hat, mit Ausnahme der Regelung in § 5 dieses Gesetzes.
(2) In dem Antrag sind die neuen Vornamen und gegebenenfalls das einzutragene Geschlecht, anzugeben.

(3) In keinem Fall ist der Nachweis eines chirurgischen Eingriffes oder von hormonalen Therapien bzw. etwaigen psychologischen oder medizinischen Behandlungen oder Gutachten erforderlich.


§ 5 - Minderjährige Personen.

Im Falle von Personen, die das achtzehnte (18.) Lebensjahr noch nicht erreicht haben, muss das in Artikel 4 dargelegte Antragsstellungsverfahren von den jeweiligen gesetzlichen Vertretern und mit der ausdrücklicher Zustimmung des/der Minderjährigen unter Berücksichtigung der Grundsätze der wachsenden Fähigkeiten und des steigenden Interesses des Kindes im Einklang mit den Bestimmungen über den Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen erfolgen.
Wird aus irgendeinem Grund das Einverständnis durch eine(n) der gesetzlichen Vertreter/innen des/der Minderjährigen verwehrt oder kann diese nicht erzielt werden, besteht die Möglichkeit, den Rechtsweg vor dem zuständigen Familiengericht zu beschreiten.


§ 6 – Verfahren.

(1) Zuständig für die Änderung des Vornamens und des Geschlechtseintrags ist das für den Antragssteller zuständige Standesamt. Die Länder dürfen die Zuständigkeit an eine andere Behörde übertragen.

(2) Sind die Voraussetzungen gemäß Artikel 4 oder 5 erfüllt, macht die zuständige Behörde die amtliche Mitteilung über die Änderung des Geschlechts und des Vornamens an das zuständige Standesamt, in dem die Geburtsurkunde ausgestellt wurde bzw. in dem die Geburtsurkunde geführt wird, wobei keine rechtlichen oder administrativen Verfahren erforderlich sind. Diese stellt daraufhin eine neue Geburtsurkunde entsprechend den Veränderungen aus. Die Eintragungen im Personenstandsregister sind entsprechend zu ändern.

(3) Jeder Bezug auf dieses Gesetz in der veränderten Geburtsurkunde, im Personenstandsregister und den auf dieser Grundlage ausgestellten Dokumenten ist untersagt.

(4) Das im Rahmen dieses Gesetzes vorgesehene Bearbeitungsverfahren zur Eintragsänderung ist persönlich und erfordert nicht  die Einschaltung eines Vermittlers oder Rechtsanwalts oder sonstiger Dritter.  

(5) Die Änderung erfolgt analog zu §47 PStG.


§ 7 –  Auswirkungen.

(1) Ab der amtlichen Eintragung ist die antragstellende Person mit den geänderten Vornamen und dem geänderten Personenstand zu führen und eine der Eintragung entsprechende Anrede zu verwenden.
 
(2) Die Eintragsänderung beeinträchtigt weder die vor der Eintragung der Änderung bereits vorhandenen persönlichen Rechtsansprüche und -verpflichtungen des Betreffenden, noch solche aus familienrechtlichen Beziehungen. Diese bleiben unverändert, was auch adoptierte Kinder mit einschließt.  


§ 8 – Erneute Änderung

Sobald die Eintragsänderung in Übereinstimmung mit diesem Gesetz vorgenommen wurde, kann sie nur mit richterlicher Zustimmung erneut geändert werden. In solchen Fällen ist die Familiengerichtsbarkeit zuständig.


§ 9 –  Vertraulichkeit.

Ab dem Zeitpunkt der Änderung dürfen die vor der Entscheidung geführten Vornamen und der vorherige Personenstand ohne Zustimmung des Antragstellers nicht offenbart oder ausgeforscht werden, es sei denn, daß besondere Gründe des öffentlichen Interesses dies erfordern oder ein rechtliches Interesse glaubhaft gemacht wird.


§ 10 –  Mitteilungen.

Die Staatsanwaltschaft als Vertreterin des öffentlichen Interesses wird über die Änderungen informiert.


§ 11 –  Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

(1) Jede Person über achtzehn (18) Jahre kann in Übereinstimmung mit §1 und zur Gewährleistung der Wahrnehmung einer ganzheitlichen Gesundheit vollständige und teilweise chirurgische Eingriffe bzw. hormonelle Ganzheitsbehandlungen zur Anpassung des Körpers - einschließlich der Genitalien - an ihr Geschlecht im Sinne des §2 ohne Notwendigkeit einer richterlichen oder verwaltungsbehördlichen Genehmigung vornehmen lassen.

(2) Für ganzheitliche hormonelle Behandlungen ist es nicht nötig, die Bereitschaft zu vollständigen oder teilweisen chirurgischen Eingriffen zu erklären.

(3) In beiden Fällen ist allein die Einwilligung des Betreffenden nach erfolgter Aufklärung erforderlich.

(4) Bei Minderjährigen gelten die Grundsätze und Voraussetzungen des §5 für die  Einholung der Einwilligung nach erfolgter Aufklärung.

(5) Die ausführenden Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens, unabhängig davon, ob es sich um staatliche, private oder die des Teilbereichs der Krankenversicherungen handelt, müssen dauerhaft die von diesem Gesetz anerkannten Rechte gewährleisten. Dazu gehört insbesondere, aber nicht abschließend, die Übernahme der Kosten für
  1. eine hormonelle Behandlung;
  2. genitalanpassende Operationen;
  3. Anpassung der Brust an das entsprechende Geschlecht;
  4. Entfernung von geschlechtsuntypischer Körperbehaarung;
  5. chirurgische Maßnahmen zur Anpassung des optischen Eindrucks des Gesichts an das jeweilige Geschlecht;
  6. Hilfsmittel, wie zum Beispiel Perücken;
  7. Psychotherapiesitzungen zur Bewältigung von eventuell im Zusammenhang mit der Änderung auftretenden gesellschaftlichen, sozialen oder familiären Problemen.
  8. Die Notwendigkeit und der Umfang der Maßnahmen wird von den jeweiligen behandelnden Ärzten zusammen mit ihrem Patienten festgelegt.

§ 12 – Würdiger Umgang.

(1) Das von Menschen, insbesondere die von Kindern und Jugendlichen angegebene Geschlecht muss respektiert werden.

(2) Allein auf ihr Bitten ist ihr angegebener Vorname bei Ladungen, Eintragungen, Akten, Anrufen und jedem anderen Vorgang oder Dienstleistung sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich zu verwenden.

(3) Die von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichneten Menschenrechtsabkommen, sowie Art. 1, Abs. 1 und 2 GG gelten entsprechend und werden berücksichtigt.



 
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