Solidarität mit Dänemark - Petition
Dienstag, 21. Oktober 2014 um 20:58

Wir haben einen Hilferuf aus Dänemark erhalten. Dort soll die medizinische Versorgung transsexueller Menschen zentralisiert und eingeschränkt werden. In Zukunft soll nur noch eine Behandlung in speziellen Gender-Zentren möglich sein. Dazu gibt es nun eine Petition, diese Pläne zu verhindern. Wir teilen gerne die Info (der Link zur Petition befindet sich unter dem Artikel).

Als wir vor ein paar Monaten erneut einen deutlichen Strich zwischen Gender-Dysphorikern und uns gezogen haben, taten wir dies nicht ohne Grund. Wer sich ein bisschen die Mühe macht eins und eins zusammen zu zählen, dem wird vielleicht auffallen, dass zur Zeit psycho-sexologische Lobbygruppen wir die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung, ihren Machtanspruch über Geschlecht ausweiten und festigen wollen.

Die Aktion Transsexualität vertritt hier eine deutliche Position: Transsexuelle Menschen existieren. Transsexualität ist nicht Trans*, es ist nicht Transidentität und auch nicht Transgender. Alle Versuche, transsexuellen Menschen, also Menschen, die mit einem Geschlecht geboren werden, aber davon abweichende Körpermerkmale besitzen (dass es das gibt, ist längst bewiesen. Es gibt schliesslich auch unterschiedliche geschlechtliche Ebenen, die nicht immer geschlechtlich in die selbe Richtung zeigen müssen), einzureden, sie bildeten sich ihr Geschlecht nur ein, sind Versuche geschlechtlicher Fremdbestimmung und ein Mittel staatlich gewollter und medizinisch durchgeführter Geschlechtskontrolle.

Die Folgen dieser Geschlechtskontrolle sind Menschenrechtsverletzungen, da die Menschen um die es geht, Opfer von Aussenzuweisungspraktiken durch eine Geschlechtszuweisungsdiagnostik werden und damit der Wahrhaftigkeit ihres Wissens über ihr Geschlecht beraubt werden.

Genau aus diesem Grund hat die Aktion Transsexualität und Menschenrecht auch nicht die "Waldschlösschen-Erklärung" unterzeichnet (obwohl fast alles in dieser Erklärung unterstützenwert wäre und der Fehler eher auch wieder im sprichwörtlichen Detail steckt - nämlich in Form einer Brücke zum bisherigen Trend, Transsexualität als Identitätsproblem zu erachten, auch wenn es erst gar nicht danach aussehen mag). Wir glauben nämlich, dass eine bessere medizinische Versorgung für Menschen, die nicht ins geschlechtliche Raster passen und eine gesellschaftliche Gleichstellung erst dann möglich sind, wenn "Nein" zu jeder Form geschlechtlicher (Fremd-)deutung gesagt wird. In der Tat denken wir, dass der Schritt sich von einer geschlechtsdeutenden Medizin zu emanzipieren der grösste und wichtigste Schritt ist, da nur aus ihm eine menschenrechtskonforme medizinische Behandlung entspringen kann.

Wir fühlen uns durch den Hilferuf aus Dänemark in unseren Beobachtungen traurigerweise wieder einmal bestätigt. Schön wäre es, wenn es irgendwann einmal anders wäre, und wir erleben könnten, dass nicht dieselben Fehler von naiven oder gutgläubigen transsexuellen Menschen immer wieder auf's neue gemacht würden. Vieles wiederholt sich nämlich immer wieder und es wäre da doch in der Tat mal toll, wenn das, was sich da als wiederkehrendes Muster herauskristallisiert, wenn man es nur lange genug beobachtet, allgemein dazu führen würde, einfach mal "Stopp" zu sagen und sich tatsächlich zu emanzipieren.

Unterschreibt doch die Petition. Aber dann fangt an, einmal nachzudenken darüber, warum wir das schreiben, was wir schreiben und das tun, was wir tun. Macht Euch Gedanken dazu, was wir meinen, wenn wir von einem deutlichen Cut zu "Gender-Dysphorikern" schreiben, wenn wir äussern, dass Transsexualität nicht Transidentität ist, was das für einen Grund haben kann, dass wir bestimmtes nicht unterstützen und warum wir manchmal sehr deutlich in unseren Forderungen sind.

Und wenn ihr dann verstanden habt (manche tun dies ja bereits, sonst hätten wir ja keine Mitglieder), dann wisst ihr auch, was zu tun ist.

Hier ist der Link zur Petition:

http://www.skrivunder.net/informeret_samtykke_nu


Und vielleicht passend dazu ein Text, der als Nachklapp zur BMBF-Klausurwoche "Ethische, soziale und juristische Aspekte der sexuellen Identität am Beispiel von Intersexualität und Transsexualität" in Halle gedruckt erscheinen soll (wie uns versprochen wurde):

http://atme-ev.de/texte/ATME_Stellungnahme_Halle_Okt2014.pdf

 
Rechtsaussen in Rosa-Blau
Sonntag, 19. Oktober 2014 um 18:47

Am 19. Oktober fand in Stuttgart wieder eine Demonstration von homo- und transphoben Bildungs(plan)gegnern statt. Sie sind dagegen, dass an den Schulen über geschlechtliche Vielfalt aufgeklärt wird und auch Diskriminierungserfahrungen homosexueller, transsexueller und intersexueller Schülerinnen keinen Platz im Unterricht haben sollen. Unterstützt wird die Bewegung von der AfD, neurechten Spinnern und Anhängern rechtskonservativer (pseudo-)christlicher Sekten.

Es lohnt kaum, viel Worte darüber zu verlieren. Darum nur zwei O-Töne:


Ein Interview und eine O-Ton-Collage.

Interview mit Christoph Ozasek (Die Linke und Stadtrat in Stuttgart)


Collage von Menschen


Eins wäre nur schön: Wenn der Spuk endlich vorbei wäre und sich ein breites Bündnis gegen diese rechten Strömungen in Europa bilden würde.

 
Menschenrechte lohnen sich: Siehe Andalusien
Dienstag, 23. September 2014 um 08:58
Auch in Spanien haben Menschen seit diesem Sommer die Chance Geschlechtseinträge selbstbestimmt zu ändern. Am 8. Juli wurde das Gesetz für "Nichtdiskriminierung aus Gründen der Geschlechtsidentität und die Anwendung der Rechte von transsexuellen Menschen" in Andalusien, dem südlichsten autonomen Landesteil Spaniens, verabschiedet. Neben der Regelung, dass in amtlichen Papieren das eigentliche Geschlecht transsexueller Menschen respektiert werden soll, enthält das Gesetz das Verbot, medizinische Voraussetzungen oder psychologische Untersuchungen zur Voraussetzung für eine rechtliche Anerkennung zu machen.

Wir hatten ja bereits darüber berichtet, dass in Dänemark - ähnlich wie in Argentinien - nun auch keine medizinischen Voraussetzungen mehr nötig sind, um im eigenen Geschlecht anerkannt zu werden. Kritisiert hatten wir, dass das Gesetz in Dänemark nur für Menschen ab 18 Jahren gilt, und es eine Zwangswartezeit von 6 Monaten gibt. In Adalusien gibt es diese Fristen nicht. Desweiteren enthält das Andalusische Gesetz weitgehende Hinweise auf die Einhaltung von Menschenrechten und benennt konkrete Massnahmen zur Umsetzung.

Dazu gehören (u.A.):
  • Das Recht auf Gesundheit (Die Verwaltung in Andalusien ist angehalten, eine sichere und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung sicher zu stellen)
  • Antidiskriminierung (Niemand darf auf Grund seiner Geschlechtsidentität diskriminiert, belästigt oder bestraft werden)
  • die Verwaltung der autonomen Region Andalusien ist angehalten, mit Betroffenenorganisationen zusammenzuarbeiten
  • Es wird festgestellt, dass transsexuelle Frauen, besonders von Diskriminierung betroffen sind und einen dementsprechenden Schutz benötigen
  • Weiterbildungsveranstaltungen im Gesundheitsbereich und öffentlichen Einrichtungen werden durchgeführt
  • Es wird eine Sensibilisierungskampagne geben, um Vorurteile und Diskriminierungen abzubauen
  • Selbsthilfestrukturen werden gestärkt
  • Medien werden angehalten, Stereotypen hinsichtlich transsexueller Menschen abzubauen
  • Nichtdiskriminierung am Arbeitsplatz
  • Präventionsprogramme um Mobbing in der Schule und Universitäten zu verhindern
  • Besonderer Schutz von Kindern: Recht auf freie Namenswahl und medizinische Versorgung
  • Schutz von Menschen im Alter
  • Hilfestellungen bei Opfern von häuslicher Gewalt

Betroffenverbände in Andalusien hatten sich engagiert für dieses Gesetz eingesetzt und waren dafür sogar in Hungerstreik getreten. Mittlerweile sehen sie es als fortschrittlichstes Gesetz in Europa. Es sei ein Gesetz, das "von unten" kommt und von transsexuellen Menschen entwickelt wurde und nicht "von oben" von Politikern oder medizinischen Lobbygruppen.

Mar Cambrollé, eine Aktivistin des Vereins ATA Sylvia Rivera, die massgeblich daran beteiligt war, sich für die Rechte von transsexuellen Menschen zu engagieren, äussert sich in Ragap, einem spanischen LSBTTIQ-Magazin, dass es das schwierigste gewesen sei, die Politik dazu zu bekommen, sich mit einer Praxis zu beschäftigen, die sie bisher nie in Frage gestellt hatten: Dass hier eine Gruppe von Menschen von der Medizin vom Rest der Bevölkerung getrennt wurde und hier Menschenrechtsverletzungen begangen wurden, die Ehre, Privatsphäre und das Selbstwertgefühl verletzt haben.

Das beste Mittel um Gleichberechtigung zu erreichen, sei gewesen, "Psychiater, die sich nicht in die Debatte eimischen, ein Staat, der Gleichberechtigung garantiert und eine Gesellschaft, die alle Menschen gleichermassen respektiert", äussert sie in einem anderen Interview für Cafebabel.

In Deutschland sieht es bisher genau gegenteilig aus: Hier meint immer noch die Psychosexologie, das Geschehen bestimmen zu müssen. Sie findet dazu bisher leider wohl immer noch genügend Unterstützer. Insofern wünschen wir uns, dass mehr Gruppen als bisher eine deutliche Abkehr von psychopathologisierenden Lobbygruppen vollziehen und diesen Schritt deutlich formulieren. Wir sind gerne bereit auf gemeinsame Aktionen, um das Ziel der Gleichstellung transsexueller Menschen zu erreichen.


Link zum Gesetz (in Spanisch):

http://www.juntadeandalucia.es/boja/2014/139/1

 
Wann klingelt das Telefon?
Montag, 01. September 2014 um 14:28

Am 25. August hat die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion die Linke geantwortet, die den Bereich der "sexuellen Selbstbestimmung" betreffen. In der Antwort äussert die Bundesregierung, dass der "der Schutz vor Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität" eines ihrer Ziele sei. Angeführt werden u.a. Zivil- und Sozialpakt, sowie CEDAW. Da die Bundesregierung gleich drei Menschenrechtsabkommen erwähnt, müsste das doch Grund zur Freude sein. Oder? Immerhin haben die Menschenrechtskomitees der Vereinten Nationen sich auf den letzten Überprüfungs-Sessions dazu geäussert, dass das deutsche Transsexuellengesetz (TSG) nicht mit den Menschenrechten vereinbar ist und es ein Paradoxon darstellt, dass beispielsweise Frauen sich zu Männern erklären müssten, um rechtlich als Frau anerkannt zu werden (CEDAW 2009). Kommt, nach Jahren des Stillstandes Bewegung in die Sache?

Na, da freuen wir uns aber, dass die Bundesregierung nun die Menschenrechtsabkommen CEDAW (UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau), sowie den Zivil- als auch Sozialpalt ernstnehmen will. Wenn das so ist, müsste ja demnächst bei uns das Telefon klingeln, oder? Immerhin hatten die Menschenrechtskomitees, die für die Überprüfungen der Einhaltung dieser Abkommen zuständig sind, schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, mit uns in Kontakt zu treten. Die Aufforderung an die Bundesregierung gab es schon 2009 und wurde dann nochmal 2011 wiederholt. Gemeldet hat sich bis heute niemand. Na, mal sehen. Hier mal das, was die Bundesregierung so von sich gibt:

Frage der Linken:

"1. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass sexuelle Selbstbestimmung
ein Menschenrecht ist?
Wenn nein, warum nicht?"

Antwort vom 25. August:

"Artikel 8 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) schützt das Recht auf Privatleben. Dies umfasst nach
der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) auch die Achtung der sexuellen Selbstbestimmung eines Menschen. Artikel 17 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte schützt ebenfalls das Privatleben und hat einen vergleichbaren Anwendungsbereich.

Darüber hinaus ist der Schutz vor Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität ein im Koalitionsvertrag und im Nationalen Aktionsplan Menschenrechte festgeschriebener wichtiger Bestandteil des Menschenrechtsschutzes in Deutschland und in der deutschen Europa- und Außenpolitik.

Der völkerrechtlich in Zivil- und Sozialpakt verankerte Schutz vor Diskriminierung gilt unteilbar und unveräußerlich auch für Menschen, die aufgrund
ihrer sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität in ihren Menschenrechten verletzt werden. Explizit ist das Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexu ellen Ausrichtung in Artikel 21 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (Nichtdiskriminierung) festgelegt. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat auf Grundlage der Europäischen Menschenrechtskonvention wiederholt festgestellt, dass Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität unzulässig sind."

Dann sind wir doch mal gespannt. Wir hatten ja ursprünglich deswegen unsere Berichte an die Vereinten Nationen geschrieben, da wir deutlich machen wollten, dass in Deutschland transsexuelle Menschen immer noch als das Geschlecht behandelt werden, von dem sie wissen, dass sie diesem nicht angehören. Medizinische Klassifizierungen als "Gender Identity Disorder" aber auch "Gender Dysphorie" bzw. "Gender Incongruence", die davon ausgehen, dass es sich bei transsexuellen Frauen um "Männer, die sich als Frauen identifizieren" sind oder transsexuelle Männer "Frauen, die als Männer leben wollen" seien, führen in Deutschland bis heute zu der paradoxen Situation, dass transsexuelle Menschen heute nur dann eine medizinische Behandlung erhalten, wenn sie sich darauf einlassen, sich geschlechtlich deuten zu lassen. Der Wahrheitsgehalt der Aussage "ich bin eine Frau" oder "ich bin ein Mann" wird transsexuellen Menschen bis heute in Deutschland aberkannt.

Auch bei der Leitlinienentwicklung "Gender Dysphorie", die federführend von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung vorangetrieben wird, und zu der sich mehrheitlich psychiatrische oder psychologische Verbände dazu gesellt haben, wird immer noch von einer psychischen Befindlichkeit ausgegangen, anstatt davon, dass die Aussagen, die transsexuelle Menschen über ihr Geschlecht machen, wahr sind.

Wir sind dann mal gespannt. Wenn die Bundesregierung Menschenrechtsabkommen neuerdings tatsächlich ernst nimmt, dann dürfte die Kritik an der weiterhin angestrebten Gender-Deutung durch psycho-sexologische Lobbyverbände (wie der DGfS) nun nicht länger ungehört bleiben. Oder?


Link zu der Kleinen Anfrage: Hier

 
ATME unterstützt die sogenannte Waldschlösschen-Erklärung nicht
Donnerstag, 28. August 2014 um 21:04

Am 24.08.2014 haben mehrere Trans*-Vereine in Göttingen eine sogenannte "Waldschlösschen-Erklärung" verabschiedet. Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V., die vor einem Jahr am ersten Trans*-Aktiv-Treffen teilgenommen hatte, freut sich über den Forderungskatalog, der prinzipiell in die Richtung geht, kann die Erklärung auf Grund eines (nicht unerheblichen) Punktes dennoch nicht unterstützen.

Hier der Punkt, den wir für bedenklich halten, oder der geeignet sein kann, transsexuelle Menschen aus politischen Prozessen auszuschliessen oder unsichtbar zu halten:

"7. Das Hinwirken auf die Entpsychopathologisierung und Entstigmatisierung, z. B. durch eine daraufhin ausgerichtete Arbeit in der Kommission der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Überarbeitung der medizinischen Leitlinien. Wir vertrauen den dort repräsentierten Vertreter_innen von Organisationen, die sich für geschlechtliche Vielfalt einsetzen, und unterstützen ihre Arbeit."

Wir vertrauen den Vertretern der Trans*-Organisationen, die an der AWMF-Leitlinienerstellung mitarbeiten, nicht. Sie sprechen nicht in unserem Namen. Konzepte der medizinischen Behandlung, die von einer "Gender Dysphorie" oder "Gender Inkongruenz" ausgehen und als einzige Ansichten gelten sollen, entsprechen nicht unseren Vorstellungen einer medizinischen Behandlung, die ohne geschlechtliche Deutung auskommt. Eine Fortführung der Vermischung von Gender-Deutungen und medizinischer Behandlung, wie sie 2013 erneut in den DSM V Einzug gehalten hat und auch für den ICD 11 diskutiert wird, entspricht nicht unseren Vorstellungen menschenrechtskonformer Behandlung trans- und intersexueller Menschen.

ATME weist darauf hin, dass die Vertreter der Trans*-Organisationen, die bisher an der AWMF-Leitlinien-Entwicklung mitarbeiten, keinen allgemeinen Vertretungsanspruch besitzen. Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. fordert die medizinischen Vertreter dazu auf, davon Kenntnis zu nehmen, dass die Leitlinienentwicklung in Sachen "Gender Incongruence" bzw. "Gender Dysphorie" nicht etwa im Einverständnis mit allen Betroffenen in Deutschland steht.

Wir fordern dazu auf, einen öffentlichen und für alle offenen Diskurs über die Zukunft der Behandlung trans- und intersexueller Menschen zu beginnen. Der Diskurs muss transparent und offen gestaltet werden. Die Kritik an Konzepten wie "Gender Dysphorie" oder "Gender Incongruence" muss von der Politik in Deutschland ernst genommen werden.

Die medizinische Behandlung geht uns alle an.

Herzlichen Dank für's Beachten.

Die Erklärung: Download

 
Deklaration zu LGBTTTI-Rechten
Montag, 25. August 2014 um 10:06
Zwischen dem 3. und 14. Juni sind Verbände von LGBTTTI-Verbänden in Asunción, der Hauptstadt von Paraguay zusammengekommen um dort eine Deklaration zu verabschieden, welche die Rechte von LGBTTTI innerhalb der OAS, der Organisation Amerikanischer Staaten, stärken soll. Im Mittelpunkt steht dabei "soziale Teilhabe und Entwicklung". Gesellschaftliche Gruppen, die diskriminiert werden, hätten höhere Armutsraten und seien anfälliger für Gewalt.

Damit gesellschaftliche Entwicklung "inklusiv" ist, muss sie, so die Erklärung, die spezifischen Problemstellungen der Bevölkerung berücksichtigen, die diskriminiert werden, wie z.B. People of Color, indigene Leute, Menschen mit Behinderung, Sexarbeiter, alte Menschen, etc. aber auch LGBTTTI.

In der Schule belästigt zu werden, oder in manchen Fällen sogar von der Schule ausgeschlossen zu werden, führe zu einer Benachteiligung hinsichtlich späterer Integration in den Arbeitsmarkt. In Kombination mit Diskriminierungen bei Einstellungsverfahren werden LGBTTTI-Personen damit gleichberechtigte Berufsaussichten verwehrt, was insbesondere bei transsexuellen und transgender Menschen zu extremer Benachteiligung in der Arbeitswelt führt.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Deklaration genannt wird, ist die Frage nach Sicherheit und Gewalterfahrungen. Latein-Amerika und die Karibik sei die Region mit der häufigsten Zahl an Hassverbrechen. In den meisten Ländern dieser Region würde Gewalt, die auf Homophobie, Tansphobie oder Lesbophobie zurückzuführen ist, weder erfasst noch bestraft werden. Die rechtliche Nicht-Anerkennung führe zudem bei transsexuellen und transgender Menschen dazu, dass sie sich in einer unsicheren gesellschaftlichen Situation befänden, die sie für Gewalt, auch Polizeigewalt, besonders anfällig machten.

Die Unterzeichner der Deklaration sprechen sich u.a. dafür aus:

  • Die Inter-Amerikanische Konvention Gegen jegliche Form der Diskriminierung und Intoleranz und die Konvention gegen Rassismus, Rassen-Diskriminierung und die damit verbundene Intoleranz soll ratifiziert werden
  • Gesetzgebung und staatliche Regelungen sollen in Übereinstimmung mit den Resolutionen zu Menschenrechten, Sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität stehen
  • Es sollen Massnahmen zur Gesundheitsversorgung, insbesondere unter Berücksichtigung der LGBTTTI-Gruppen, entwickelt werden
  • Rechtliche Regelungen, die Beziehungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechtes kriminalisieren, sollten abgeschafft werden
  • Gesetze, die trans-Menschen in ihrem Geschlecht anerkennen, sollen eingeführt werden
  • Alle medizinischen Praktiken, in denen die Genitalien von intersexuellen Kindern verunstaltet werden, um sie einem Geschlecht zuzuordnen, sollen abgeschafft werden
  • LGBTTTI-Personen sollen direkt an Prozessen beteiligt werden, die ihre Belange betreffen, dazu sind sie von der Politik anzuhören oder direkt zu berücksichtigen

Wir freuen uns, dass vorallem in Südamerika die Menschenrechte von LSBTTTI ernst genommen werden. Bereits Argentinien hatte ja bereits vorgemacht, wie eine menschenrechtliche Behandlung in Sachen Geschlecht aussehen kann. Dort gibt es seit 2012 das "Ley de identidad de género", das fortschrittlichste Gesetz der Welt, was die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt angeht. Für Korrekturen des Geschlechtseintrages sind hier keine Voraussetzungen nötig.

Es wäre doch schön, wenn etwas vom menschenrechtlichen Geist Südamerikas auch in Deutschland ankommen würde!

Hier ein Blogbeitrag von SASOD (Society Against Sexual Orientation Discrimination) zum Thema:

Link zur Verabschiedung der Deklaration
 
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