Wann klingelt das Telefon?
Montag, 01. September 2014 um 14:28

Am 25. August hat die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion die Linke geantwortet, die den Bereich der "sexuellen Selbstbestimmung" betreffen. In der Antwort äussert die Bundesregierung, dass der "der Schutz vor Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität" eines ihrer Ziele sei. Angeführt werden u.a. Zivil- und Sozialpakt, sowie CEDAW. Da die Bundesregierung gleich drei Menschenrechtsabkommen erwähnt, müsste das doch Grund zur Freude sein. Oder? Immerhin haben die Menschenrechtskomitees der Vereinten Nationen sich auf den letzten Überprüfungs-Sessions dazu geäussert, dass das deutsche Transsexuellengesetz (TSG) nicht mit den Menschenrechten vereinbar ist und es ein Paradoxon darstellt, dass beispielsweise Frauen sich zu Männern erklären müssten, um rechtlich als Frau anerkannt zu werden (CEDAW 2009). Kommt, nach Jahren des Stillstandes Bewegung in die Sache?

Na, da freuen wir uns aber, dass die Bundesregierung nun die Menschenrechtsabkommen CEDAW (UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau), sowie den Zivil- als auch Sozialpalt ernstnehmen will. Wenn das so ist, müsste ja demnächst bei uns das Telefon klingeln, oder? Immerhin hatten die Menschenrechtskomitees, die für die Überprüfungen der Einhaltung dieser Abkommen zuständig sind, schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, mit uns in Kontakt zu treten. Die Aufforderung an die Bundesregierung gab es schon 2009 und wurde dann nochmal 2011 wiederholt. Gemeldet hat sich bis heute niemand. Na, mal sehen. Hier mal das, was die Bundesregierung so von sich gibt:

Frage der Linken:

"1. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass sexuelle Selbstbestimmung
ein Menschenrecht ist?
Wenn nein, warum nicht?"

Antwort vom 25. August:

"Artikel 8 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) schützt das Recht auf Privatleben. Dies umfasst nach
der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) auch die Achtung der sexuellen Selbstbestimmung eines Menschen. Artikel 17 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte schützt ebenfalls das Privatleben und hat einen vergleichbaren Anwendungsbereich.

Darüber hinaus ist der Schutz vor Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität ein im Koalitionsvertrag und im Nationalen Aktionsplan Menschenrechte festgeschriebener wichtiger Bestandteil des Menschenrechtsschutzes in Deutschland und in der deutschen Europa- und Außenpolitik.

Der völkerrechtlich in Zivil- und Sozialpakt verankerte Schutz vor Diskriminierung gilt unteilbar und unveräußerlich auch für Menschen, die aufgrund
ihrer sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität in ihren Menschenrechten verletzt werden. Explizit ist das Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexu ellen Ausrichtung in Artikel 21 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (Nichtdiskriminierung) festgelegt. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat auf Grundlage der Europäischen Menschenrechtskonvention wiederholt festgestellt, dass Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität unzulässig sind."

Dann sind wir doch mal gespannt. Wir hatten ja ursprünglich deswegen unsere Berichte an die Vereinten Nationen geschrieben, da wir deutlich machen wollten, dass in Deutschland transsexuelle Menschen immer noch als das Geschlecht behandelt werden, von dem sie wissen, dass sie diesem nicht angehören. Medizinische Klassifizierungen als "Gender Identity Disorder" aber auch "Gender Dysphorie" bzw. "Gender Incongruence", die davon ausgehen, dass es sich bei transsexuellen Frauen um "Männer, die sich als Frauen identifizieren" sind oder transsexuelle Männer "Frauen, die als Männer leben wollen" seien, führen in Deutschland bis heute zu der paradoxen Situation, dass transsexuelle Menschen heute nur dann eine medizinische Behandlung erhalten, wenn sie sich darauf einlassen, sich geschlechtlich deuten zu lassen. Der Wahrheitsgehalt der Aussage "ich bin eine Frau" oder "ich bin ein Mann" wird transsexuellen Menschen bis heute in Deutschland aberkannt.

Auch bei der Leitlinienentwicklung "Gender Dysphorie", die federführend von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung vorangetrieben wird, und zu der sich mehrheitlich psychiatrische oder psychologische Verbände dazu gesellt haben, wird immer noch von einer psychischen Befindlichkeit ausgegangen, anstatt davon, dass die Aussagen, die transsexuelle Menschen über ihr Geschlecht machen, wahr sind.

Wir sind dann mal gespannt. Wenn die Bundesregierung Menschenrechtsabkommen neuerdings tatsächlich ernst nimmt, dann dürfte die Kritik an der weiterhin angestrebten Gender-Deutung durch psycho-sexologische Lobbyverbände (wie der DGfS) nun nicht länger ungehört bleiben. Oder?


Link zu der Kleinen Anfrage: Hier

 
ATME unterstützt die sogenannte Waldschlösschen-Erklärung nicht
Donnerstag, 28. August 2014 um 21:04

Am 24.08.2014 haben mehrere Trans*-Vereine in Göttingen eine sogenannte "Waldschlösschen-Erklärung" verabschiedet. Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V., die vor einem Jahr am ersten Trans*-Aktiv-Treffen teilgenommen hatte, freut sich über den Forderungskatalog, der prinzipiell in die Richtung geht, kann die Erklärung auf Grund eines (nicht unerheblichen) Punktes dennoch nicht unterstützen.

Hier der Punkt, den wir für bedenklich halten, oder der geeignet sein kann, transsexuelle Menschen aus politischen Prozessen auszuschliessen oder unsichtbar zu halten:

"7. Das Hinwirken auf die Entpsychopathologisierung und Entstigmatisierung, z. B. durch eine daraufhin ausgerichtete Arbeit in der Kommission der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Überarbeitung der medizinischen Leitlinien. Wir vertrauen den dort repräsentierten Vertreter_innen von Organisationen, die sich für geschlechtliche Vielfalt einsetzen, und unterstützen ihre Arbeit."

Wir vertrauen den Vertretern der Trans*-Organisationen, die an der AWMF-Leitlinienerstellung mitarbeiten, nicht. Sie sprechen nicht in unserem Namen. Konzepte der medizinischen Behandlung, die von einer "Gender Dysphorie" oder "Gender Inkongruenz" ausgehen und als einzige Ansichten gelten sollen, entsprechen nicht unseren Vorstellungen einer medizinischen Behandlung, die ohne geschlechtliche Deutung auskommt. Eine Fortführung der Vermischung von Gender-Deutungen und medizinischer Behandlung, wie sie 2013 erneut in den DSM V Einzug gehalten hat und auch für den ICD 11 diskutiert wird, entspricht nicht unseren Vorstellungen menschenrechtskonformer Behandlung trans- und intersexueller Menschen.

ATME weist darauf hin, dass die Vertreter der Trans*-Organisationen, die bisher an der AWMF-Leitlinien-Entwicklung mitarbeiten, keinen allgemeinen Vertretungsanspruch besitzen. Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. fordert die medizinischen Vertreter dazu auf, davon Kenntnis zu nehmen, dass die Leitlinienentwicklung in Sachen "Gender Incongruence" bzw. "Gender Dysphorie" nicht etwa im Einverständnis mit allen Betroffenen in Deutschland steht.

Wir fordern dazu auf, einen öffentlichen und für alle offenen Diskurs über die Zukunft der Behandlung trans- und intersexueller Menschen zu beginnen. Der Diskurs muss transparent und offen gestaltet werden. Die Kritik an Konzepten wie "Gender Dysphorie" oder "Gender Incongruence" muss von der Politik in Deutschland ernst genommen werden.

Die medizinische Behandlung geht uns alle an.

Herzlichen Dank für's Beachten.

Die Erklärung: Download

 
Deklaration zu LGBTTTI-Rechten
Montag, 25. August 2014 um 10:06
Zwischen dem 3. und 14. Juni sind Verbände von LGBTTTI-Verbänden in Asunción, der Hauptstadt von Paraguay zusammengekommen um dort eine Deklaration zu verabschieden, welche die Rechte von LGBTTTI innerhalb der OAS, der Organisation Amerikanischer Staaten, stärken soll. Im Mittelpunkt steht dabei "soziale Teilhabe und Entwicklung". Gesellschaftliche Gruppen, die diskriminiert werden, hätten höhere Armutsraten und seien anfälliger für Gewalt.

Damit gesellschaftliche Entwicklung "inklusiv" ist, muss sie, so die Erklärung, die spezifischen Problemstellungen der Bevölkerung berücksichtigen, die diskriminiert werden, wie z.B. People of Color, indigene Leute, Menschen mit Behinderung, Sexarbeiter, alte Menschen, etc. aber auch LGBTTTI.

In der Schule belästigt zu werden, oder in manchen Fällen sogar von der Schule ausgeschlossen zu werden, führe zu einer Benachteiligung hinsichtlich späterer Integration in den Arbeitsmarkt. In Kombination mit Diskriminierungen bei Einstellungsverfahren werden LGBTTTI-Personen damit gleichberechtigte Berufsaussichten verwehrt, was insbesondere bei transsexuellen und transgender Menschen zu extremer Benachteiligung in der Arbeitswelt führt.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Deklaration genannt wird, ist die Frage nach Sicherheit und Gewalterfahrungen. Latein-Amerika und die Karibik sei die Region mit der häufigsten Zahl an Hassverbrechen. In den meisten Ländern dieser Region würde Gewalt, die auf Homophobie, Tansphobie oder Lesbophobie zurückzuführen ist, weder erfasst noch bestraft werden. Die rechtliche Nicht-Anerkennung führe zudem bei transsexuellen und transgender Menschen dazu, dass sie sich in einer unsicheren gesellschaftlichen Situation befänden, die sie für Gewalt, auch Polizeigewalt, besonders anfällig machten.

Die Unterzeichner der Deklaration sprechen sich u.a. dafür aus:

  • Die Inter-Amerikanische Konvention Gegen jegliche Form der Diskriminierung und Intoleranz und die Konvention gegen Rassismus, Rassen-Diskriminierung und die damit verbundene Intoleranz soll ratifiziert werden
  • Gesetzgebung und staatliche Regelungen sollen in Übereinstimmung mit den Resolutionen zu Menschenrechten, Sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität stehen
  • Es sollen Massnahmen zur Gesundheitsversorgung, insbesondere unter Berücksichtigung der LGBTTTI-Gruppen, entwickelt werden
  • Rechtliche Regelungen, die Beziehungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechtes kriminalisieren, sollten abgeschafft werden
  • Gesetze, die trans-Menschen in ihrem Geschlecht anerkennen, sollen eingeführt werden
  • Alle medizinischen Praktiken, in denen die Genitalien von intersexuellen Kindern verunstaltet werden, um sie einem Geschlecht zuzuordnen, sollen abgeschafft werden
  • LGBTTTI-Personen sollen direkt an Prozessen beteiligt werden, die ihre Belange betreffen, dazu sind sie von der Politik anzuhören oder direkt zu berücksichtigen

Wir freuen uns, dass vorallem in Südamerika die Menschenrechte von LSBTTTI ernst genommen werden. Bereits Argentinien hatte ja bereits vorgemacht, wie eine menschenrechtliche Behandlung in Sachen Geschlecht aussehen kann. Dort gibt es seit 2012 das "Ley de identidad de género", das fortschrittlichste Gesetz der Welt, was die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt angeht. Für Korrekturen des Geschlechtseintrages sind hier keine Voraussetzungen nötig.

Es wäre doch schön, wenn etwas vom menschenrechtlichen Geist Südamerikas auch in Deutschland ankommen würde!

Hier ein Blogbeitrag von SASOD (Society Against Sexual Orientation Discrimination) zum Thema:

Link zur Verabschiedung der Deklaration
 
Psychopathologisierung unter "Depathologisierungs"-Flagge
Mittwoch, 20. August 2014 um 14:22

Gestern haben wir eine Mail von den altbekannten Gender-Dysphorikern um **** erhalten (die auch hinter ******* stecken und aus dem **** und ****-Umfeld kommen), die stolz darauf sind, dass transsexuelle und intersexuelle Menschen weiterhin im ICD-11 psychopathologisiert werden sollen. Wenn es alles nicht so meschugge wäre, würden wird das für einen schlechten Witz halten.

In der Mail von *******/****, die sich auf den Beta-Draft des ICD-11, der nun online ist, bezieht, heisst es:

"we can celebrate this small step in the long struggle for depathologization."

Bullshit!

Es geht um einen Draft des neuen ICD-11 und der Diagnose "Gender Incongruence". Diese besagt im Prinzip genau das, was im ICD-10 stand und noch "Transsexualism" heisst. Es soll also analog des DSM 5, des Manuals der psychischen Störungen im ICD umetikettiert werden, um dann die Behandlung transsexueller Menschen weiterhin unter die Fremdbestimmung von Psychologen und Psychiatern zu stellen, sogenannten "Gender-Experten".

Wir verurteilen die Arbeit aller, die sich an dieser geschlechtlichen Fremdbestimmung weiterhin beteiligen - und sich ja gerne immer wieder jeder Kritik von Menschenrechtsorganisationen entziehen - auf das Schärfste.

Zudem rufen wir deutlich dazu auf, sich gegen diese Fortführung bzw. dem Ausbau der Psychopathologisierung, die von sogenannten ******-Organisationen gestützt wird, zur Wehr zu setzen.

Hier der Beweis:

Geplant im ICD-11 ist:

1. bei Kindern:

"Gender incongruence of childhood is characterized by a marked incongruence between an individual’s experienced/expressed gender and the assigned sex in pre-pubertal children. It includes a strong desire to be a different gender than the assigned sex; a strong dislike on the child’s part of his or her sexual anatomy or anticipated secondary sex characteristics and/or a strong desire for the primary and/or anticipated secondary sex characteristics that match the experienced gender; and make-believe or fantasy play, toys, games, or activities and playmates that are typical of the experienced gender rather than the assigned sex. The incongruence must have persisted for about 2 years, and cannot be diagnosed before age 5. Gender variant behaviour and preferences alone are not sufficient for making the diagnosis."

(ICD 10: "A disorder, usually first manifest during early childhood (and always well before puberty), characterized by a persistent and intense distress about assigned sex, together with a desire to be (or insistence that one is) of the other sex. There is a persistent preoccupation with the dress and activities of the opposite sex and repudiation of the individual's own sex. The diagnosis requires a profound disturbance of the normal gender identity; mere tomboyishness in girls or girlish behaviour in boys is not sufficient.")

Weiterhin geht es um Spielzeug, Klamotten, Verhalten und andere Stereotype (wie bisher GID). Im Gegensatz zu vorher soll eine Wartezeit von 2 Jahren dazu kommen.

2. bei Erwachsenen:

"Gender Incongruence of Adolescence and Adulthood is characterized by a marked and persistent incongruence between an individual’s experienced gender and the assigned sex, generally including dislike or discomfort with primary and secondary sex characteristics of the assigned sex and a strong desire to have the primary or secondary sex characteristics of the experienced gender. The diagnosis cannot be assigned prior to the onset of puberty. Gender Incongruence of Adolescence and Adulthood often leads to a desire to ‘transition’, in order to live and be accepted as a person of the experienced gender. Establishing congruence may include hormonal treatment, surgery or other health care services to make the individual’s body align, as much as desired and to the extent possible, with the experienced gender."

(ICD 10: "A desire to live and be accepted as a member of the opposite sex, usually accompanied by a sense of discomfort with, or inappropriateness of, one's anatomic sex, and a wish to have surgery and hormonal treatment to make one's body as congruent as possible with one's preferred sex.")

Dazu kommen soll nun der Ausbau des Bereichs der Gender-Stereotypen. Dies bedeutet eine Erweiterung der Psychopathologisierung.

Als Menschenrechtsorganisationen fordern wir Politik und Zivilgesellschaft auf, die Fortführung der Psychoapthologisierung zu beenden und sich aktiv gegen diese Praktiken geschlechtlich-staatlicher Fremdbestimmung deutlich zur Wehr zu setzen!

Wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass transsexuelle Menschen im ICD-11 nicht auf diese menschenverachtenden und geschlechtsstereotypen Grausamkeiten angewiesen sein werden.

 
Eine menschenrechtliche Bankrotterklärung in Sachen Gesundheit
Donnerstag, 31. Juli 2014 um 15:58

Heute ist uns eine Antwort auf eine Anfrage einer Journalistin an das Bundesministerium für Gesundheit zugespielt worden, die uns ziemlich fassungslos macht. Deutschland hat ja ein paar Menschenrechtsabkommen unterzeichnet. Dazu gehören u.a. das Frauenrechtsabkommen CEDAW, der Sozialpakt, der Zivilpakt, etc. Deutschland wird alle paar Jahre von den Vereinten Nationen überprüft, ob die Artikel der Abkommen eingehalten werden. Heute erhalten wir vom Bundesministerium für Gesundheit durch die Antwort, dass sie in Sachen medizinischer Behandlung transsexueller Menschen "keine rechtlichen oder fachlichen Aufsichtsbefugnisse" hätten. Wir fragen uns, wie die Bundesregierung hier die Einhaltung der Menschenrechte gewährleisten will.

In dem Antwortschreiben heisst es:

"Medizinische Leitlinien werden von den zuständigen medizinischen Fachgesellschaften auf der Grundlage der aktuellen Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin in einem methodisch gesicherten Verfahren der Konsensbildung - in Zusammenarbeit von klinischen Experten und Methodikern sowie unter Beteiligung von Patientenvertretern und unter Berücksichtigung von Alltagsbedingungen - entwickelt."

Wir kratzen uns nun am Kopf, da wir überhaupt nicht wissen, wie denn nun die Bundesregierung gewährleisten will, dass das, was bereits 2009 vom CEDAW-Komittee geäussert wurde - nämlich dass die Praxis transsexuelle Frauen als Männer zu behandeln, die Frauen werden wollen (anstatt als Frauen) von Deutschland beendet werden soll - umgesetzt wird, wenn es denn da keinerlei Einflussmöglichkeiten gibt. Wir erinnern uns daran: Zur Zeit arbeiten Lobbyverbände daran, dass transsexuelle Menschen weiterhin als "gender dysphorisch" angesehen werden, anstatt sie in ihrem eigenen Geschlecht ernst zu nehmen. Die medizinische Behandlung soll nach Ansicht der Psycho-Lobbyverbände, wie bisher - nur stärker - einem Gender-Identitätskonzept untergeordnet werden, das sich am DSM 5, dem Buch der psychischen Störungen der APA orientiert.

Die Anwort des Ministeriums erachten wir als Bankrotterklärung. Es würde bedeuten, dass ein gewähltes Parlament und seine Ministerien noch nicht einmal in der Lage sind, Menschenrechtsverletzungen an Menschen, die von geschlechtlichen Normen abweichen zu verhindern bzw. Ihnen vorzubeugen.

Da wundern wir uns schon ein wenig.

Zur Erinnerung:

CEDAW-Meldung 2009

CEDAW-Follow-Up 2011

Es gibt noch ein paar andere Recommenations zu anderen Pakten, die ATME begeleitet hat. Tipp an die Bundesregierung: Suchfunktion nutzen. Hilft ja nix, irgendwann sind die nächsten Sessions und die Themen kommen dann bei den Vereinten Nationen so oder so wieder auf den Tisch. Und glauben Sie uns: Wir haben den längeren ATEM.

Und noch zur Erinnerung ein Bild. Es handelt sich um eine von mehrfach wiederholten Aufforderungen der Vereinten Nationen mit ATME in Kontakt zu treten. Müssen wir erwähnen, dass das seit 2009 (da gab es nämlich die erste davon) noch nicht geschehen ist?

 
Agentur für Grundrechte weist auf Diskriminierung von LSBTTIQ in Deutschland hin
Montag, 14. Juli 2014 um 11:15
In einer aktuellen Broschüre mit dem Titel: "Fundamental rights: key legal and policy developments in 2013. Highlights 2013" weist die FRA, die Agentur für Grundrechte in der Europäischen Union, auf verschiedene Diskriminierungen hin und vergisst auch transsexuelle und homosexuelle Menschen nicht.fra-2014-annual-report-highlights-2013-coverBesondere Kritik erfahren dabei das TSG und die täglich erĺebet Diskriminierung und Angst vor Hate-Speech, welche wir ja Dank der rechten Bildungsgegner - einschließlich der CDU - auf Stuttgarts Straßen hier im Süden zur Genüge erfahren haben.

In der Broschüre heißt es u.a. auf Seite 27:
"Diskriminierung läuft häufig auf Ausschluss von der aktiven Teilnahme in vielen Gebieten des täglichen Lebens hinaus; es werden Barrieren errichtet, die viele Menschen davon abhalten, an der Gesellschaft auf einem gleichen/gleichberechtigten und nicht-diskriminierendem Stand teilzunehmen." [...]
"Beispielsweise müssen Transgender Personen in einigen EU-Mitgliedstaaten häufig komplizierten langen gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien entsprechen, bevor ihr Geschlecht in offiziellen Dokumenten geändert werden kann"
Und weiter heißt es:
"Solche Kriterien schließen den Nachweis einer medizinischen oder psychologischen Diagnose von Transsexualität oder Geschlechtsdysphorie/Transgenderismus mit ein.
Ohne dies Diagnosen stehen Transgenderpersonen Schwierigkeiten gegenüberstehen, wenn sie an einfachen täglichen Tätigkeiten teilnehmen wollen, die Ausweise (Identitätsdokumente) erfordern."

"Andere Barrieren für die Teilnahme entstehen aus der Brandmarkung und den negativen Stereotypieren, die zur Angst vor sprachlichen oder körperlichen Angriffen führen. Fast die Hälfte aller Befragten in der EU-LGBT-Befragung hat angegeben, dass beleidigende Sprache über LGBT Leute durch Politiker ziemlich oder sehr weit verbreitet in ihrem Land ist.

Ähnlich zeigt der Überblick von FRA über jüdische Personen in der EU, dass, durchschnittlich, mehr als Hälfte der Befragten antisemitische Anmerkungen in den Medien und durch Politiker wahrgenommen hat [...].
Die Überblickdaten zeigen auch, dass viele Menschen bestimmte Veranstaltungen, Plätze oder Positionen in ihrem lokalen Gebiet oder der Nachbarschaft meiden, weil sie fürchten schikaniert oder angegriffen zu werden. Fast Hälfte der jüdischen Befragten, die ein Opfer eines antisemitischen Ereignisses in den letzten 12 Monaten geworden war, sagt, dass sie bestimmte Plätze vermeiden, weil sie sich als Jude dort nicht sicher fühlen. Ähnlich äußerte sich etwa die Hälfte der LGBT-Befragten, dass sie bestimmte Plätze oder Veranstaltungen aus Angst vor Angriffen, Drohungen oder Belästigungen vermeiden, weil sie LGBT sind.”

Man muss sich ja immer wieder fragen: Ja wenn ihr das alles wisst, warum tut ihr dann so wenig bis garnichts dagegen? Da erinnert man sich vage an Marx und denkt sich: "Die Politiker haben die Welt nur interpretieret, es kommt aber darauf an, sie zu verändern." oder so. Und dieses "verändern" scheint noch nicht angekommen zu sein.
Dennoch zeigt diese Veröffentlichung, dass wir nicht alleine dastehen, als die Mahner in der Wüste, sondern dass unsere Probleme durchaus bekannt sind und wir auch eine breitere Unterstützung erfahren könnten, wenn wier alle mehr den Mut hätten, uns für unsere Rechte auch einzusetzen und solidarisch zu kämpfen.

Hier kann man die Broschüre auf englisch oder französisch herunterladen:
englisch, französisch




 
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