Ein "Bildungsplan" als Mittel zum Zweck
Montag, 03. März 2014 um 12:11

Am Wochenende fand in Stuttgart eine zweite Demonstration sogenannter "Bildungsplangegner" statt. Auf der Redeliste standen rechtskonservative und rechtspopulistische Redner von AfD, pseudo-christlichen Vereinigungen und Weltverschwörungsverlautbarern, welche die Vereinten Nationen und die EU als Schaltzentralen der "Machteliten der Hochfinanz" und von Politikerkasten betrachten. Bei all der Verrücktheit, die dem innewohnt, kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass es hier gar nicht um den "Bildungsplan" geht, sondern darum, rechtskonservatives Gedankengut zu verbreiten.

Wenn auf einer Demonstration Menschen offen Werbung für einen rechtspopulistischen bis rechtsextremen Blog wie "PI-News" machen können, wenn daneben Menschen marschieren, die blaue AfD-Tafeln in der Hand halten, wenn Menschen Reden halten, in denen offen gegen Europa und die Vereinten Nationen gehetzt wird, wenn so etwas flankiert wird von rechtskonservativen sich "christlich" nennenden Splittergruppen, dann könnte es sein, dass es da einen offensichtlichen Zusammenhang gibt. Diese Zusammenhang kann man wahrnehmen, oder man kann ihn - aus Dummheit oder Ignoranz - bewusst kleinreden oder so tun, als ginge es den angeblichen "Bildungsplangegnern" wirklich um den Bildungsplan, den die Landesregierung gerade begonnen hat, zu entwickeln.

Hier eine O-Ton-Collage der Reden der sogenannten "Bildungsplangegner":

Link



Wer Weltuntergangsszenarien verbreitet und Menschen, die von der geschlechtlichen Norm abweichen als Gefahr für das Überleben der Menschheit ansieht, dem geht es nicht um Bildungspläne, sondern er ist dabei Ängste zu schüren. Man sollte nie vergessen, dass wir sowas schon mal hatten, in Deutschland. Wer sich offen gegen Vielfalt an den Schulen ausspricht, weil er Homosexualität und Transsexualität für psychische Krankheiten hält, dem geht es nicht um eine Diskussion über die Art und Weise, wie man Schülern Begriffe wie Akzeptanz und Vielfalt näher bringt, sondern darum Hass gegen andere Menschen zu schüren.

Nicht nur die Demonstrationen am Samstag, sondern auch der Umgang mit dem, was da passiert, gibt Grund zur Sorge. Wenn ein stellvertretender Vorsitzender der CDU auf der Bühne der sogenannten "Bildungsplangegner" steht und der Ansicht ist, dass man sich als "Bildungsplangegener" nicht einreden lassen solle, irgendwie "rechts" zu sein, während man von AfD-Fähnchen und PI-News-Werbeplakaten umgeben ist, dann ist das nicht ohne Brisanz, wenn man sich traut, auf derselben Bühne ein Grusswort des CDU-Landesvorsitzenden Peter Hauk zu verlesen.

Man wird auch den Eindruck nicht los, dass auch die Redaktionen der Stuttgarter Medien über den "Bildungsplan" noch unter dem Einfluss weltanschaulicher Kuschelkurse mit Rechts stehen. So verzichteten SWR und die Stuttgarter Zeitung darauf, eine friedliche Kundgebung mit anschliessendem Schweigemarsch der 500-600 Bildungsplanbefürworter als Antwort auf die Hassdemos auf dem Schlossplatz darzustellen, sondern man erzählte etwas anderes: Man berichtete über Rangeleien, die es vor dem Zug der Rechtspopulisten gegeben hat.

Anstatt der Demo von Rechtspopulisten den zeitgleichen friedlichen Schweigemarsch eines breiten Bündnisses von ungefähr 500-600 Menschen (nach Polizeiangaben 400) gegenüber zu stellen, schickte sich die Lokalpresse und der SWR an, die Demo von sogenannten "Bildungsplangegnern" als Demo friedlicher Bürger darzustellen, denen sich randalierende Personen entgegengestellt hatten. Auch hier darf die Frage erlaubt sein: Auf welcher Seite stehen die Medienmacher in Stuttgart? Sind auch sie auf dem rechten Auge blind, oder ist das Absicht? Es muss erlaubt sein zu fragen: Ist man hier etwa der Ansicht, dass der Kuschelkurs mit Rechtspopulismus leigitm ist, um die Landesregierung, die im Zusammenhang mit der Berichterstattung immer als "grün-rote Landesregierung" bezeichnet wird zu diskreditieren? Geht es auch den lokalen Medien wie Stuttgarter Zeitung und SWR um etwas anderes, als den Bildungsplan?

Man kann nur hoffen, dass die überregionalen Medien genauer hinsehen und die Sache besser beurteilen. Sätze der angeblichen Bildungsplangegner, demnach sich in Stuttgart die Zukunft Deutschlands entscheiden würde, sollte man einzuschätzen wissen. Dies ist auch der Landesregierung anzuraten, von denen die Menschen ein deutliches Signal erwarten. Wer meint, er könne Baden-Württemberg als Türöffner benutzen und eine Debatte um den Bildungsplan, der ja noch gar nicht existiert, zweckzuentfremden, dem muss offen ein deutliches Nein signalisiert werden.

In Zeiten wie diesen, in denen der Rechtspopulismus wieder salonfähig wird, und Menschen sich mit europafeindlichen Thesen und Weltverschwörungstheoretikern gemein machen, ist es gut, wenn man daran erinnert, dass es ja auch andere Medien gibt. Neben dem Internet beispielsweise das Freie Radio für Stuttgart. Am Donnerstag, den 6. März um 18 Uhr geht es dort dann um die Auseinandersetzung mit der Frage: Sind wir auf dem rechten Auge blind?

Link:  Freies Radio für Stuttgart

Link: Programmbeschwerde von ATME e.V. an den SWR

Anbei ein paar Bilder von den Menschen, denen es wirklich um den Bildungsplan geht: 500-600 Menschen auf dem Marktplatz und unterwegs bei einem Schweigemarsch durch die Innenstadt Stuttgarts, um an die Opfer von geschlechtlichen Zwangszurichtungen zu denken (vor allem auch Inter- und transsexuellen Menschen, die sonst gerne "hinten runter" fallen)

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ECRI Report zu Deutschland
Dienstag, 25. Februar 2014 um 12:30
Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) hat heute ihren aktuellen Report zu Deutschland veröffentlicht. Er bezieht sich auf den Zeitraum ab 2008. Hier einmal, was da in etwa drin steht.

Die Kommission findet vorallem folgendes gut:

  • Verfassungsgericht hat Recht transsexueller Menschen gestärkt
...und folgendes nicht so gut:

  • Keine Messmethode in Deutschland, um Hassreden, die auf Rassismus und Homo-/Transphobie basieren zu erfassen
  • Hohe Zahl von Morden, die seit der Wiedervereinigung Deutschlands auf Rassismus oder/und Homo- und Transphobie basieren
  • Fehlendes Bewusstsein von Polizei/Strafverfolgungsbehörden bei rassistischen oder homo-/transphob motivierten Gewalttaten
  • hohes Mass an Homo- und Transphobie in den Schulen
  • Diskriminierung transsexueller Menschen und transgender Personen im Arbeitsmarkt
  • Transsexualität wird als Störung der Person/des Verhaltens angesehen
  • Viele Menschen erfahren Diskriminierungen im Bereich der Medizin
Die Kommission will u.a. das:

  • Stärkung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes oder Einrichtung von Landesantidiskriminierungsstellen (Erhöhung des Budgets)
  • Bessere Erfassung von Zwischenfällen, die rassistisch, xenophobi, homo- oder transphob motiviert sind, besser nachvollziehen zu können
  • Einrichten von Kontaktstellen für solche Zwischenfälle bei den Polizeien der Bundesländer
  • Die Bundesländer werden aufgefordert Aktionspläne zum Abbau von Diskriminierung von homo- und transsexuellen Menschen durchzuführen
  • Die Möglichkeit die Geschlechtseinträge in Hochschulzeugnissen oder Arbeitszeugnissen rückwirkend korrigieren zu lassen, sollte gesetzlich verankert werden
  • Themen von transgender Personen und transsexuellen Menschen sollten stärker als bisher berücksichtigt werden
  • Organisationen, die sich für die Rechte von transsexuellen Menschen einsetzen, sollen finanziell besser ausgestattet werden
Links:

http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/Country-by-country/Germany/DEU-CbC-V-2014-002-ENG.pdf
http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/Country-by-country/Germany/DEU-CbC-V-2014-002-DEU.pdf

Wir freuen uns, dass in dem Report auch die Situation transsexueller Menschen aufgegriffen wird, und sehen diesen Bericht als gute Hilfe an, um die wichtigsten Forderungen, die ATME hat besser an die Politik bringen zu können. Eine Hauptforderung ist, die Existenz geschlechtlicher Vielfalt endlich anzuerkennen und dafür zu sorgen, dass Menschen fehlerhafte Geschlechtseinträge endlich unkompliziert ändern lassen können. Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. hält die Anerkennung vor dem Gesetz für die Grundlage, auch medizinische Menschenrechtsverletzungen zu beenden.
 
Falls Medienvertreter hier vorbeischauen
Mittwoch, 19. Februar 2014 um 16:45

Ein offener Brief. Lieber Medienvertreter. Nein, es ist nicht ok, wenn man so tut, als ginge es bei Transsexualität um "Gechlechtsumwandlungen". Es ist auch nicht ok, alles was bestimmte Lobbygruppen einem erzählen über ach-so-bunten Diagnosen wie "Gender Dysphorie" einfach mal so ungefragt zu übernehmen. Es ist auch nicht ok, wenn man wissenschaftliche Tatsachen über die Bandbreite von dem was die Biologie an geschlechtlicher Vielfalt mitbringt einfach zu ignorieren und die alten Klischees über "Männer ,die mal Frauen waren" oder "Frauen, die mal Männer waren" zu verbreiten. Es ist auch nicht in Ordnung, wenn Kritik an solchen Sichtweisen unterschlagen wird und so getan wird, als gäbe es diese nicht.

ATME, also die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. ist eine Menschenrechtsorganisation. Eine unserer Aufgaben ist es, strukturelle und gesellschaftliche Ungleichbehandlung zu thematisieren und sie zu dokumentieren. Zu dieser Dokumentation gehört auch der Nachweis. In unseren Menschenrechtsberichten an die Vereinten Nationen werden Sie zahlreiche Nachweise über die Ungleichbehandlung von "transsexuell" oder "intersexuell" gelabelten Menschen finden. Die Berichte sind öffentlich. Man kann sie bei den Vereinten Nationen finden (unter den jeweiligen Sessions zu Abkommen wie CEDAW, dem Frauenrechtsabkommen, zum Sozialpakt, zum UPR, zum Antifolterabkommen, etc.). Sie sind auch auf der Seite des Deutschen Instituts für Menschenrechte verlinkt.

Wir schlagen vor, dass Sie sich mal die Mühe machen, und diese Dokumente lesen und versuchen nachzuvollziehen, was daran falsch ist, wenn die einen Menschen per medizinischer und/oder psychiatrischer Definition als geschlechtlich "wahrer" gelten sollten, als die anderen Menschen. Wenn Medienvertreter der Ansicht sind, dass es legitim ist, einem Menschen, der sich sein geschlechtliches Wissen über sich Selbst mit seinem "Coming Out" eingesteht dadurch in Abrede zu stellen indem man beispielsweise hinter Sätzen wie "ich bin ein Mädchen"/"ich bin eine Frau" dann ein "Dieser Junge fühlt sich als Mädchen" oder ein "dieser Mann hat eine weibliche Geschlechtsidentität" hinterherschiebt, dann antworten wir darauf: Es mag zwar Menschen geben, die das so sehen - es gibt aber auch andere Menschen, die das kriitisieren und ihre Kritik auch fachlich begründen können. Einseitig wird es, wenn die Kritik an diskriminierenden Weltanschauungen unterschlagen wird, obwohl es sie gibt.

Medien haben vorallem auch die Aufgabe nicht nur im Sinne einer PR für bestimmte Weltanschauungen zu funktionieren (das was ein ehemaliger Tagesthemen-Moderator mal als "gemein machen mit einer Sache" kritisiert hatte), sondern haben - zumindest unseres Verständnisses nach - die Pflicht auch diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die eine Kritik an Sichtweisen anmelden, die dazu geeignet sind, Menschen auf Grund ihres geschlechtlichen So-Seins ungleich behandeln zu können, oder ihnen die fundamentalen Menschenrechte zu verweigern.

Sie finden hier auf der ATME-Seite in der rechten Spalte zwei Menschenrechtsberichte zum Thema. Lesen Sie genau, was da drin steht. Und wenn Sie der Ansicht sind, dass Kritik an geschlechtlichen Zuweisungspraktiken gerechtfertig ist, dann können sie sich gerne an uns wenden.

Anbei eine Antwort an das Schreiben des Presserates:

Sehr geehrte Frau Kremer,

herzlichen Dank für ihre Nachricht. In dem Jahresbericht ist nur ein Fehler enthalten. Insofern die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. mit folgendem gemeint ist, so wäre dies falsch:

"Sie verbinden hiermit eine grundsätzliche Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit Transsexualität und an der vorherrschenden Einteilung von Mann und Frau über biologische Geschlechtsmerkmale."

Genau darum geht es gerade nicht. Wir weisen in unseren Menschenrechtsberichten regelmässig darauf hin, dass transsexuelle Menschen nicht un-biologisch sind, wie das heute noch von grossen Teilen der Psycho-Sexologie behauptet wird (ähnlich wie bei Homosexualität bis Anfang der 70er Jahre), sondern die Bandbreite von Geschlecht per Definition künstlich klein gehalten wird um diejenigen, die zu dieser Definition per Geburt nicht passen wollen, gegenüber anderen Menschen strukturell und gesellschaftlich abzuwerten und diese dann derart benachteiligt werden, dass daraus Menschenrechtsverletzungen werden (Genitale Verstümmelungspraktiken oder Psychopathologisierung unter Labeln wie "Gender Dysphorie" oder "Gender Identity Disorder).

Der Jahresbericht verwundert uns da ebenso, wie die Reaktionen des Presserates bezüglich unser Beschwerden. Offenbar ist das Thema "Geschlechtliche Vielfalt" doch nicht so ganz einfach zu begreifen. Wer aber sind diejenigen, die das Thema begreiflicher machen könnten? Sind es nicht gerade Medien?

Seidem sich der Presserat derart geäussert hat, hat die transphobe Berichterstattung (leider) noch zugenommen.

Auch die Aussage "2011 und 2012 erreichten die Selbstkontrolle keine zu diesem Thema" können wir nicht so ganz nachvollziehen. Erklären Sie uns das bitte.

Da wir den Eindruck haben, dass der Presserat kein Interesse zeigt, sich mit dem Thema der Marginalisierung von Menschen, die von stereotypen Geschlechternormen qua Geburt abweichen, zu beschäftigen und wenig Selbsteinsicht in Sachen "diskriminierungsfreier Sprache" vorhanden ist - von Sprachvorschriften war nie die Rede, sondern wir kritisieren die einseitige Berichterstattung, die psychopathologisierende Weltanschauungen präferiert und die Kritik an fremdbestimmenden und sensationslüsternden Perspektiven auf das Thema unterschlägt - sammelten wir in letzter Zeit nur noch die Artikel. Wir sind mittlerweile der Ansicht, dass die Analyse der diskriminierenden Perspektive auf Menschen, die von geschlechtlichen Normen abweichen, en Block mehr Sinn ergibt und andere Institutionen, die eine Sensibilität hinsichtlich Fremdbestimmung besitzen, möglicherweise dann mehr damit anfangen können.

Bitte leiten sie die Richtigstellung doch an die Damen und Herren weiter, die das falsch in den Bericht aufgenommen haben.

Mit freundlichen Grüssen,

Kim Anja Schicklang
Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.
ATME e.V.


> Sehr geehrte Frau Schicklang,
>
> anbei sende ich Ihnen zu Ihrer Information die Pressemitteilung des Presserats vom heutigen Tage.
>
> Bei der Jahrespressekonferenz haben unsere Sprecherin und unser Geschäftsführer unter anderem auch auf einen sensiblen Umgang bei der Berichterstattung zu Transsexualität hingewiesen. Mehr dazu finden Sie in unserem Jahresbericht unter www.presserat.de
>
> Mit freundlichen Grüßen
>
>
> Edda Kremer
> Referentin Öffentlichkeitsarbeit

> DEUTSCHER PRESSERAT
> Hausanschrift: Fritschestraße 27-28, 10585 Berlin
> Postanschrift: Postfach 10 05 49, 10565 Berlin
>
> Tel.: 030/367007-13
> Fax: 030/367007-20
> Internet: www.presserat.de

Nachtrag:

Uns ist da gerade noch etwas eingefallen. Falls Sie der Ansicht sind, dass es legitim ist, Menschen die von geschlechtlichen Normen abweichen, deswegen als widernatürlich und als Menschen, die sich nur "so fühlen" darzustellen, weil es "Betroffene" gibt, die sich so darstellen kassen... Ein Hinweis: Es gab auch vor dem Frauenwahlrecht Frauen.

 
Intersex - Ohne Rassismus geht alles besser
Dienstag, 11. Februar 2014 um 10:58
In Baden-Württemberg läuft sei einiger Zeit die Erarbeitung des Aktionsplans für Akzeptanz und gleiche Rechte. Menschen, die permanent darauf hinweisen, auch trans- und intersexuelle Menschen zu berücksichtigen, haben es nicht immer leicht. Auszuhalten sind vorallem ignorantes Verhalten, Vereinnahmung und vorallem Lobbyismus. Eine dieser Lobbygruppen ist zwischengeschlecht.org, ein Verein der gute Arbeit macht, aber es nicht lassen kann, geschlechtliche Rassismen in die Welt zu setzen. Wir bedauern das. Diese Lobbygruppe hat sich nun in Sachen Baden-Württemberg zu Wort gemeldet: Mit einem Bericht der wichtig ist. Wären da nicht die üblichen Unterstellungen und Falschbehauptungen gegen transsexuelle Menschen. Hier ein offener Brief.
 
Liebe Leute von zwischengeschlecht.org,

ihr habt da einen wichtigen Bericht verfasst. Aber er enthält leider ein paar Seiten, die unwahr sind oder Transsexualität so darstellt, wie das Leute, die transsexuelle Menschen unsichtbar machen wollen, gerne hätten. Wir finden Eure Arbeit echt wichtig, aber es wäre schön, wenn ihr es lassen könntet, die Menschen, die auf Eurer Seite stehen schlecht zu machen oder in einem falschen Licht darzustellen.

1. Es gibt intersexuelle Mitglieder bei ATME

Wenn man in der Lage ist, Geschlecht nicht als Schbulade zu betrachten, wird einem schnell klar werden, dass geschlechtliche Normabweichungen in Wirklichkeit eine Sache der Übergänge sind. "Intersexualität", "Transsexualität" und sogar "Homosexualität" sind in erster Linie Definitionen, keine Frage von einer Art "Menschenrassen". Dennoch: Es gibt auch ATME-Mitglieder die als intersexuell diagnostiziert wurden. Manche von ihnen schweigen auf Grund des geschlechtlichlichen Rassismus, den wir gerade angesprochen haben.

2. Dass Intersexualität in BW überhaupt behandelt wird, habt ihr Mitgliedern von ATME zu verdanken

Auch wir ärgern uns darüber, dass Trans- und Intersexualität häufig als Identitäts-Problem dargestellt wird und die Thesen der Money-Jünger sich immer mehr verbreiten. Geschlechtliche Viefalt ist für uns keine Erfindung und es existieren Menschen, die nicht zu Weltbildern passen wollen. Menschenrechtsverbrechen gibt es überall dort, wo genau der umgekehrte Ansatz verfolgt wird, wenn Menschen den Ideologien angepasst werden sollen.

Hier ein Ausschnitt der Mail von ATME e.V. vom 1. November 2013:

"Für trans und intersexuelle Menschen ist die Umfrage nicht beantwortbar und ungünstig. Die Trennung nach sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität ist nicht geeignet die spezifischen Probleme trans- und intersexueller Menschen zu erfassen. Bei Transsexualität fehlen fragen zum Ernstgenommen werden in seinem eigentlichen Geburtsgeschlecht, von dem körperliche Merkmale abweichen, bei Intersexualität fehlt der ganze Themenblock der körperlichen Zwangsmassnahmen (wie Verstümmelungs-OPs nach der Geburt). Bei Transsexualität fehlen die Fragen nach traumatischen Erlebnissen, die auf Grund der Fehlannahme basieren, dass es hier um Identität ginge.
Einen Fragebogen online zu stellen, bei dem von vornherein weiterer Missbrauch getriggert wird, indem wieder von "Identität" die Rede ist, ist sehr schmerzvoll und man bekommt den Eindruck, dass derjenige, der den Fragebogen erstellt hat nichts von Inter- und Transsexualität verstanden hat bzw. sich noch nicht einmal über die Pathologiserungs- und Fremdbestimmungsproblematik bewusst ist.

Der Teil für trans- und intersexuelle Menschen sollte komplett neu erstellt werden. Am Besten mit Zusammenarbeit mit Vereinen, die sich mit Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen und intersexuellen Menschen auskennen."

3. Die Broschüre des LSBTTIQ-Netzwerks

Auch wir haben uns darüber geärgert, dass in der Broschüre des Netzwerks die zentralen Forderungen fehlen. Zudem erinnern wir die Landesregierung in regelmässigen Abständen daran, dass trans- und intersexuelle Menschen stärker beteiligt werden sollen.

Ausschnitt einer Mail vom 13.01.2014

"Sehr geehrter Minister Stoch, sehr geehrte Damen und Herren, wir gewinnen den Eindruck, dass trans- und intersexuelle Menschen nicht an den Überlegungen zum Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg beteiligt worden sind. Daher möchten wir Ihnen auf diesem Weg mitteilen, was im „Arbeitspapier für die Hand der Bildungsplankomissionen als Grundlage und Orienterung zur Verankerung der Leitprinzipien“ falsch ist und wo aus menschenrechtlicher Sicht Nachbesserungsbedarf besteht:

[...]

Auch Intersexualität hat primär nichts mit Identität zu tun, sondern mit körperlichen Merkmalen die als „undeutig“ gelten und der damit verbundenen Folgen wie Genitalverstümmelungen im Baby- und Kindesalter um die Genitalien zu ver“eindeutigen“."

Ausgehende Mail vom 10.01.2014

"... gleichzeitig aber möchten wir Sie darauf hinweisen, dass es äusserst fragwürdig ist, Transsexualität (und insbesondere auch Intersexualität) als "Identität" zu verstehen. Menschen, die geschlechtlich von einer stereotypen Geschlechternorm abweichen brauchen sich nicht erst zu identifizieren, sondern tun dies manchmal auch bereits deswegen weil sie die Menschen sind, die sie sind. "

Zugegeben würden wir uns wünschen, wenn man vom Land Baden-Württemberg ab und an auch mal Antworten auf diese Mails erhalten würde. Noch besser wäre es aber, wenn Vertreter der Landeregierung nicht regelmässig Signale aussenden würden, die man als "Ignoranz" auffassen kann. Dazu gehören auch Sätze wie den von Frau Altpeter:

„Mit dem Aktionsplan will die Landesregierung nach wie vor bestehende Diskriminierungen gegenüber nicht-heterosexuellen Menschen abbauen und Baden-Württemberg zu einem Vorreiter für Offenheit und Vielfalt machen“
(Aus einer Pressemitteiliung zum Beteiligungsworkshop des Landes)
 
Übrigens, in der Broschüre des LSBTTIQ-Netzwerks ist auch die wichtigste Forderung "transsexueller" Menschen nicht enthalten: Die Abschaffung der Psychopathologisierung, die auf "Gender Dysphorie"-Thesen und dergleichen basiert. Das haben die Verfasser Broschüre ebenso ausgespart.

Eine Bitte:

Wenn ihr damit aufhören würdet, permanent transsexuelle Menschen als das darzustellen, das sie nach Ansicht von John Money und co sein sollen, nämlich biologisch nicht-existent und Menschen, deren Identität vom "biologischen Geschlecht" abweichten ("Gender Dysphorie") , wenn ihr es beenden würdet, mit Teilen der Weltanschauung, zu argumentieren, gegen den sich ja eure Hauptkritik richtet... dann wäre das ein grosser Schritt in die richtige Richtung.

Es mag sein, dass zwischengeschlecht.org zu diesem Schritt nicht in der Lage ist, was wir wirklich schade finden würden, da Menschen, die auf Grund dessen, dass diese von Normen abweichen und als unpassend erachtet/kategorisiert/schubladisiert und medizinisch diganostiziert werden, heute schon weiter sein könnten, wenn diese Menschen begreifen würden, dass es vorallem diese geschlechtlichen Rassismen sind, die Grund dafür sind, warum geschlechtlich zugewiesen und Menschen angepasst werden.

Wir werden hier dennoch einen Link zu eurer Broschüre anbringen. Selbst dann, wenn ihr der Rassismus gegen transsexuelle Menschen wieder einmal nicht sein lassen konntet. Wir hoffen, dass der aufmerksame Mensch in der Lage ist, die 95 Prozent der Seiten, auf denen wichtiges und richtiges steht, von den 5 Prozent Hass und Menschenverachtung in eurer Veröffentlichung zu unterscheiden.
 
Danke für's Berücksichtigen,
ATME e.V.
 
Ai-Report berücksichtigt keine transsexuellen Menschen
Dienstag, 04. Februar 2014 um 20:29

Wir sind immer wieder darüber verwundert, wie Menschen, die unter "Transgender" offenbar etwas völlig anderes verstehen, als transsexuelle Menschen unter "Transsexualität" trotzdem meinen, es ginge um dasselbe. In einem aktuellen Bericht von Amnesty International heisst es, dass in allen Gesellschaften Gendernormen bestimmten, was als angemessenes Verhalten für Männer und Frauen gelte und wie man sich zu kleiden oder benehmen habe. Amnesty International richtet den Fokus der Kritik also auf Verhaltensweisen. Transsexualität hat mit Gender-Verhaltensweisen aber herzlich wenig zu tun.

Seit dem die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. 2008 in einem Report an die Vereinten Nationen darauf hingewiesen hat, dass transsexuelle Frauen Frauen sind (es ging um das internationale Frauenrechtsbakommen CEDAW), meinten wir, was wir geschrieben hatten. Was wir nicht geschrieben haben ist, dass transsexuelle Frauen Männer seien, die sich wie Frauen verhalten wollen oder weibliche Kleidung tragen wollen. Hier das Zitat von AI:

“In all societies, gender norms determine what is deemed 'appropriate' behavior for men and women, which may include dress, speech and mannerisms." und weiter "But individuals who transgress these boundaries – whose behavior lies outside of the accepted gender norms – often face stigma and discrimination, harassment, and sometimes even violence and murder."

Wir möchten hier in aller Deutlichkeit klarstellen, dass transsexuelle Menschen existieren. Sie sind nicht Männer, die sich wie Frauen verhalten wollen und auch keine Frauen, die sich wie Männer verhalten wollen. Wir sagen deutlich, dass wir nicht für Zwecke vereinnahmt werden wollen, die nichts mit Transsexualität zu tun haben. Wir finden es gut, wenn Amnesty International sich für Transgender-Personen einsetzt, wehren uns aber entschieden gegen Vereinnahmung und Unsichtbarmachung.

Wir wehren uns ausserdem auf eine Reduzierung des biologischen Geschlechtes auf wenige Merkmale, ein Vorhaben, dass dazu geeignet ist, transsexuellen Menschen eine Anerkennung in ihrem eigentlichen Geschlecht zu verwehren, oder eine Ungleichbehandlung zwischen angeblich "biologischen" und "unbiologischen" Geschlechtern legitimiert. Transsexuelle Menschen sind genauso biologisch vorhanden wie alle anderen Menschen. Sie sind nicht falsch oder künstlich.

Herzlichen Dank für das Beachten.

 
Demonstration für Vielfalt in Stuttgart
Samstag, 01. Februar 2014 um 18:09
Am 1. Februar organisierte „DIE LINKE“ in Stuttgart eine Demonstration für geschlechtliche Vielfalt. Es gab Redebeiträge von Laura Halding-Hoppenheit (Kingsclub / DIE LINKE), Holger Henzler-Hübner (GEW / LSVD), Isabelle Hlawatsch (Netzwerk LSBTTIQ), Chris Michl (CSD Stuttgart), Oliver Hildenbrand (Landesvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg), Sven "Gonzo" Fichtner (Kreisvorstandsmitglied DIE LINKE, Stuttgart). Für ver.di (AK Lesben und Schwule) und ATME sprach Kim Schicklang.

Anlass für die Demonstration am Samstag war eine zeitgleich stattfindende Kundgebung gegen mehr geschlechtliche Aufklärung in den Schulen. Auch rechte Gruppen wie die AfD riefen zum Protest gegen den Bildungsplan auf, der ab 2015 auch die Themen Homosexualität, Intersexualität und Transsexualität behandeln soll und für mehr Wissen über geschlechtliche Normabweichungen sorgen wird.

Anbei der Redebeitrag von Kim Schicklang (ver.di / ATME e.V.):

kim feb 2014Bevor ich anfange... bei dem ganzen Ärger... man muss das ja auch mal positiv sehen. Selbst bei Oliver Welke in der Heuteshow wurde LSBTTIQ gestern genannt – und das heisst doch was. Manch einer schmunzelt immer noch über diesen Zungenbrecher, aber sehen wir's mal so: Geschlechtliche Vielfalt wird damit sichtbar, indem man sie sichtbar macht. Es zeigt, wie viele Menschen geschlechtlich von der Norm abweichen.

Auch Ines Pohl von der TAZ hat was richtiges in der Sendung Nachtcafe gesagt... es geht hier nicht um„sexuelle Praktiken“, sondern um geschlechtliche Vielfalt.

Die Frage ist aber: Was heisst das... geschlechtliche Vielfalt?

Jetzt ist die Chance da, sich an das zu erinnern, was bereits vor über 80 Jahren bekannt war: Dass Menschen geschlechtlich von der Norm abweichen können. Nicht weil sie es wollen, sondern weil es so ist. Menschen können schwul, lesbisch oder bisexuell sein. Sie können aber auch mit Körpermerkmalen geboren werden, die nicht dem eigentlichen Geschlecht entsprechen, oder uneindeutig sind.

Als letztes Jahr an 80 Jahre Bücherverbrennung erinnert wurde, gab es eines, was in der Öffentlichkeit immer noch weitgehend verschwiegen wurde:  Die Zerstörung des Sexualwissenschaftlichen Institutes in Berlin. Kaum einem Zeitungsjournalisten oder einem Fernsehredakteur ist es in den Sinn gekommen, daran zu erinnern.

LSBTTIQ heisst geschlechtliche Vielfalt.

Die Vernichtung des Wissens über geschlechtliche Normabweichungen war nicht etwa eine Randerscheinung der Bücherverbrennung, sondern stand in deren Mittelpunkt.

Es sind nunmehr fast 100 Jahre vergangen, einer Zeit in der ein jüdischer Mediziner namens Hirschfeld bereits wusste, dass geschlechtliche Vielfalt keine Frage des Verhaltens ist, sondern Teil dessen, was die Natur so mit sich bringt.

Jeder Mensch ist als Embyro... die ersten Wochen seines Lebens zwittrig angelegt. Erst nach und nach differenzieren sich die unterschiedlichsten geschlechtlichen Merkmale aus. Man sieht das daran, dass alle Menschen Brustwarzen haben.

Nun wäre es falsch anzunehmen, dass sich geschlechtliche Merkmale immer im „Komplettpaket“ entscheiden ob sie sich in die eine Richtung entwickeln oder in die andere. Manche Merkmale haben nicht das Interesse sich komplett auszubilden und bleiben in der Mitte.  Und es gibt auch Entwicklungen, bei denen sich die einen Merkmale in die eine Richtung entwickeln und andere in die andere Richtung. Die Möglichkeiten sind alle offen.

Es gibt Menschen mit xy-Chromosomen, die sich körperlich zu Frauen entwickeln und Menschen mit Chromosomenkombinationen wie xx-xy-Mosaike.

Es gibt Frauen, die grösser sind als andere und es gibt Männer, die mehr Muskeln haben als andere.

Es gibt Menschen, die tiefe Stimmen haben und es gibt Menschen, die hohe Stimmen haben.

Es gibt Menschen, die haben einen Testosteronspiegel der höher ist, als der Testosteronspiegel anderer Menschen.
Es gibt Menschen, die haben einen Östrogenspiegel, der höher ist, als der Östrogenspiegel anderer Menschen.

Es gibt Menschen, die behaarter sind als andere.

Ich könnte die Liste endlos fortsetzen.

Was klar werden dürfte:  Alle Menschen sind geschlechtliche Normvariationen, weil wir alle nicht dem Bild, dem Klischee, dem Stereotyp von Barbie und Ken, oder Adam und Eva entsprechen.

Man könnte auch sagen, wir sind alle vielfältig. Ich komme zurück auf die Bücherverbrennung. Das Institut von Hirschfeld wurde 1933 zerstört. Nach Naziideologie sollten deutsche Männer echte Männer sein und deutsche Frauen echte Frauen. Man drehte die Wissenschaft ins Gegenteil: Die Wissenschaft diente nicht mehr dazu, Wissen zu schaffen. Weltbilder wurden nicht an die Menschen angepasst und damit wissenschaftlich gearbeitet sondern es wurde versucht die Menschen an ein Weltbild anzupassen.

Manche fragen sich vielleicht: Warum muss da jemand wieder den Nationalsozialismus auskramen. Andere mögen argumentieren: Das ist ja alles lang her, wir haben aus der Geschichte gelernt.  Ist dem wirklich so?

In den 50er-Jahren erklärte man sich Homosexualität so: Menschen, die in ihrer Kindheit keinen normalen Identifizierungsprozess durchmachen, würden „schwul“ oder „lesbisch“ werden. Psychologen waren der Ansicht, dass Väter, die mit ihren Söhnen Angeln gehen oder ein Fussballspiel besuchen, richtige Männer werden. Sie vertraten auch die Ansicht, dass Kuchenbacken und Wäschewaschen richtige Mädchen macht.

In den 60er-Jahren begannen die Menschen sich zu emanzipieren. Doch die Antwort auf diese Emanzipationsbewegung bliebt nicht aus. Galt Homosexualität bis Anfang der 70er Jahre noch als psychische Störung, so sagte man nun: Homosexualität im Erachsenenalter ist ok, da könne man, so glauben manche Psychologen noch heute, ja nichts mehr ändern,  aber im Kindesalter wären Menschen noch erziehbar.

Und die, bei denen Hopfen und Malz verloren ist, die sich schlecht anpassen lassen, so behaupten manche ewiggestrigen Psychologen noch heute, würden dann später womöglich transsexuell.

Und die, bei denen körperliche Merkmale da sind, die nicht ins Schema passen,  nennt die Medizin noch heute intersexuell.

Noch heute gelten transsexuelle Menschen in Deutschland als psychisch krank und man bezeichnet transsexuelle Frauen als „Männer, die als Frauen leben“ wollen, anstatt sie in ihrem eigentlichen Geschlecht anzuerkennen. Bis 2011 wurden transsexuelle Menschen zwangssterilisiert, wenn sie in ihrem eigentlichen Geschlecht vor dem Gesetzgeber anerkannt werden wollten.

Wer hat davon Notiz genommen?

Und noch heute werden auch in Baden-Württemberg Babys mit uneindeutigen Genitalien zwangszugewiesen indem der Chirurg sein Skalpell ansetzt.

Das ist ein Skandal!

Wir haben 2014. Die Bücherverbrennung ist über 80 Jahre her, das Ende des Nationalsozialismus knapp 70 Jahre. Wie kann das sein? Was ist da schief gelaufen?

Wenn wir 2014 immer noch meinen, dass Menschen sich an ein stereotypes Weltbild anpassen müssen, dann ist da was ziemlich kaputt.

Anpassung: Daran glauben immer noch welche. Ich möchte noch einmal daran erinnern, welches Jahr wird haben. Es ist 2014. Und es ist eine Schande, dass es heute noch Menschen gibt, die allen ernstes glauben dass ein „ich wusste doch nicht Bescheid“ eine gute Entschuldigung ist. Sie war es früher nicht und sie ist es auch dann nicht, wenn man eine Petition unterschreibt, die sich gegen Aufklärung in Sachen „geschlechtlicher Vielfalt“ richtet.

Lassen sie uns damit aufhören, Menschen unsichtbar zu machen, die sich nicht an die stereotype Vorstellung von Mann und Frau anpassen können.  Geschlechtliche Abweichungen lassen sich nicht wegbeten!

Lassen sie uns damit beginnen, zu verstehen, dass nicht die Menschen ein Problem haben, die geschlechtlich normvariant geboren werden - sondern dass die Weltvorstellung, die davon ausgeht, dass geschlechtliche Vielfalt mit Skalpell, psychiatrischer Diagnose oder Gesetzen verhindert werden kann – also indem man Menschen anpasst, die nicht ins Schema passen... das eigentliche Problem ist. Und es ist noch ein grösseres, wenn man von diesen Menschenrechtsverletzungen nichts hören will und verhindern will, dass an den Schulen darüber aufgeklärt wird!

Lassen sie mich trotzdem positiv enden: Wenn Menschen Aufklärung verhindern wollen und rufen „ich will keine Aufklärung“... über was wird dann wohl geredet werden: Über Aufklärung!

Danke.
 
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