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Sammlung von Transsexualität-unsichtbar-machenden Biologismen

Transsexualität wird immer dann unsichtbar gemacht, wenn die Deutung von Geschlecht anhand körperlicher Merkmale mit dem „biologischen Geschlecht“ eines Menschen verwechselt wird. Die Idee, dass davon eine „Geschlechtsidentität“ abweichen kann und dies auch bei Transsexualität der Fall sei, basiert auf diesem Biologismus.

Hier eine Sammlung von Zitaten, in welchen die Deutung von Körpermerkmalen gleich "biologisches Geschlecht" gesetzt wird und Transsexualität damit unsichtbar gemacht wird:

"Transidentität – Begriff, der auf den möglicherweise irritierenden Sexualitätsbegriff in 'Transsexualität' verzichtet und stattdessen stärker auf den Identitätsaspekt fokussiert. Es geht um Menschen, deren Geschlechtsidentität dem eigenen biologischen Geschlecht nicht entspricht."
(http://www.blsj.de/uploads/Schoener-schreiben-ueber-Lesben-und-Schwule_BLSJ-Leitfaden_2013.pdf)

"Ein Tattoo, das die Richtung seines Lebens vorgibt. Bis vor kurzem war der Wuppertaler noch eine Frau, zumindest biologisch und dem Gesetz nach."
(https://www.wuppertaler-rundschau.de/lokales/transgender-wie-louis-rychel-von-frau-zu-mann-wird_aid-44809957)

"Geboren wurde Tom als Mädchen, er realisierte aber während seiner Gymizeit, dass sein biologisches Geschlecht nicht seiner Identität entspricht. Seit fast zwei Jahren lebt er als Mann und nimmt Testosteron."
(https://www.limmattalerzeitung.ch/limmattal/jetzt-ist-tom-offiziell-ein-mann-gericht-heisst-neue-personalien-von-transsexuellem-gut-135365317)

"Trans* steht für Transidentität und/oder Transgender. Gender kommt aus dem Englischen und meint das gefühlte Geschlecht. Das biologische Geschlecht wiederum wird als „sex“ bezeichnet."
(http://youngandqueer.de/trans.html)

"Trans* bedeutet in der Regel, dass eine Person die z.B. biologisch eindeutig weiblich ist, sich selbst als männlich empfindet, also das Gefühl hat, ein Mann zu sein der im Körper einer Frau gefangen ist. Die Diagnose Trans* kann nur von einem Psychiater oder Psychologen gestellt werden."
(http://transmann.de/trans-informationen/)

"Transidentität beschreibt das persönliche Befinden, wenn die Geschlechtsidentität von dem biologischen Geburtsgeschlecht abweicht."
(https://onkel-emma.org/gruppen/translions/)

"Transgender sind Menschen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren."
(https://www.rtl.de/cms/lgbt-queer-trans-wir-erklaeren-die-wichtigsten-begriffe-zum-mitreden-4366854.html)

"Fühlt sich eine Frau als Mann, sind Geschlecht und Gender unterschiedlich".
(tagesschau, 29. Juni 2019 auf twitter)

"Es gehe darum, Trans*personen nicht auf ihre Geschlechtsmerkmale zu reduzieren"
(Neues Deutschland zu einer Aktion des LSVD. Artikel vom 16. Juli 2017, 'mit Sichtbarkeit zur Normalität').

"Menschen, die ihr biologisches Geschlecht angleichen wollen"
(https://www.sueddeutsche.de/politik/transidentitaet-keine-krankheit-1.4515841)

"Wer vermutet oder für sich erkannt hat, dass er entgegen dem eigenen biologischen Geschlecht empfindet, steht vor dem Problem: Wie geht es weiter? Was kann ich tun? Wo finde ich Hilfe?"
(https://www.selbsthilfe-mv.de/datenbank/detailansicht/?no_cache=1&tx_search%5Buid%5D=972)

"Wenn Ihr Kind sich nicht mit dem Geschlecht identifiziert, das ihm biologisch vorgezeichnet scheint, sind Sie als Eltern plötzlich mit vielen Fragen konfrontiert."
(https://www.regenbogenportal.de/mein-kind-ist-vielleicht-trans/)

"Transident heißt: Jemand identifiziert sich nicht mit einem aufgrund körperlicher Merkmale zugeschriebenen Geschlecht. Das bedeutet: Ein Kind ist biologisch ein Mädchen, empfindet sich aber als Junge – und umgekehrt."
(https://www.gew-thueringen.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wenn-aus-ben-lisa-wird)

"Doch kann man viel mehr als weiblich oder männlich sein, während die einen sich nach ihrem biologischen Geschlecht definieren, ist es für andere nichtig welches biologische Geschlecht sie haben."
(https://radiocorax.de/unterstuetzung-von-trans-kindern-durch-eltern-und-gesellschaft/)

"Neben 400 Gästen tritt als Festrednerin Johanna Schmidt-Räntsch auf. Sie ist Richterin am Bundesgerichtshof und wird einen Vortrag über die rechtlichen Schwierigkeiten halten, mit denen sich besonders sogenannte Trans*Menschen konfrontiert sehen. Das sind Menschen, bei denen sich biologisches Geschlecht und Identität nicht in Deckung bringen lässt."
(https://www.mopo.de/hamburg/csd-in-hamburg-senatsempfang-bildet-auftakt-der-pride-week-32919870)

"Seitdem ist Max als (Trans-)Mann unterwegs. Biologisch gesehen ist er zunächst einmal weiterhin eine Frau.
(https://www.goettinger-tageblatt.de/Thema/Specials/Thema-des-Tages/Wie-aus-dem-Goettinger-Gaenseliesel-ein-Mann-wurde)

"Jungen, die erklärten, sie wollten Mädchen sein, sollten mit anderen Jungen Fußball spielen, um sie in ihrem biologischen Geschlecht zu stärken."
(https://www.sueddeutsche.de/politik/transsexualitaet-aerger-unter-der-regenbogenfahne-1.4516105)

"Trans-sensual, wörtlich 'Jenseits-sinnlich' beschreibt das Sich-Hingezogenfühlen zu, das Begehren von Menschen jenseits der beiden biologischen Geschlechter Mann und Frau. [...] Geschlechtsdysphorie ist ein Zustand, in dem ein Mensch spürt, das die geschlechtliche Identität im Konflikt mit dem biologischen Geschlecht ist."
(http://www.transtagung-muenchen.com/begriffserlaeuterung.html)

"Das Offenbarungsverbot (des biologischen Geschlechts) tritt erst mit erfolgter Personenstandänderung in Kraft"
(https://www.trans-kinder-netz.de/files/pdf/TrakineReport-de.pdf)

"jemand, der eine Transidentität hat, fühlt ein anderes Geschlecht, als er körperlich besitzt. Das biologische Geschlecht und der seelische Wunschgeschlecht passen nicht zusammen, sie sind inkongruent."
(Livia Prüll, Trans* im Glück, Geschlechtsangleichung als Chanc, 2016)

"Transidenten (Trans* / Transgender / Transidentität / Transsexualität) erleben eine Divergenz zwischen ihrem gefühlten und ihrem biologischen Geschlecht."
(https://www.birgit-lange.de/therapie/stimmstoerungen/transidentitaet.html)

"Vom biologischen Geschlecht her ein Mann oder eine Frau sein und sich auch so fühlen – das ist für rund 2 000 bis 6 000 Menschen in Deutschland keine Selbstverständlichkeit."
(https://www.aerzteblatt.de/archiv/59749/Transsexualitaet-Transidentitaet-Was-ist-weiblich-was-maennlich)

"Trans* ist, wer sich dem biologischen Geschlecht nicht zugehörig fühlt."
(https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-10/trans-transsexualitaet-transidentitaet-transgender-sex-sexualitaet)

"Die Geschlechtsidentität ist die individuelle Überzeugung, einem Geschlecht (nicht zwingend einem binären Geschlecht) zuzugehören. Sie wird nicht durch biologische Merkmale bestimmt."
(https://divers.land/)

"Welchem Geschlecht fühlt sich die Person zugehörig? Ist die  innere Wahrnehmung und Gewissheit,einem bestimmten    Geschlecht anzugehören. Dies kann weiblich, männlich oder  etwas anderes  (dazwischen, weder*noch*) sein, und es   kann dem biologischen Geschlecht entsprechen  (cisgeschlechtlich²) oder nicht (transgeschlechtlich)."
(http://www.geschlechtergerechtejugendhilfe.de/downloads/Trans_Broschuere-1.pdf)

"Cisgender - eine Person, deren biologisches Geschlechts mit deren Geschlechtsidentität übereinstimmt"
(https://campusgruen-oldenburg.de/wissenswertes/begriffsdefinitionen-gender/)

"Lesbische und schwule Menschen, bisexuelle und solche, deren biologisches Geschlecht nicht ihrer geschlechtlichen Identität entspricht, gibt es natürlich auch in ländlichen Gegenden wie Elbe-Elster. Und es ist gut, wenn eine Initiative wie die LesBI-Schwule-Tour hier begrüßt und willkommen geheißen wird, wie es in etwa in Elsterwerda durch Bürgermeisterin Heinrich geschehen ist."
(https://www.lr-online.de/lausitz/elsterwerda/meinung/homophobie-und-akzeptanz-in-elbe-elster-mehr-sichtbarkeit-fuer-queere-menschen_aid-45018727)

"Menschen, die sich im Verlauf ihres Lebens nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren, bezeichnen sich als trans- oder auch intersexuell. Das heißt, sie identifizieren sich mit einem anderen oder mit keinem der beiden biologischen Geschlechter, also weder eindeutig als Mann noch als Frau."
(https://www.gender-nrw.de/cis-gender/)

"Das soziale Geschlecht muss dem biologischen Geschlecht nicht entsprechen."
(https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-sm/intern/downloads/Downloads_Offenheit_und_Akzeptanz/Lexikon-der-kleinen-Unterschiede_2018.pdf)

"Möchte ein biologischer Mann mit weiblicher Geschlechtsidentität durch eine Operation sein_ihr Geschlecht angleichen oder ohne eine solche Operation sein_ihr Frausein leben?"
(http://www.akzeptanz-fuer-vielfalt.de/home.html)

usw.

Wer es geschafft hat, bis hier zu lesen… hier noch ein Hinweis:

Transsexuelle Körpermerkmale sind Körpermerkmale, die vom Geschlecht eines Menschen abweichen. Körper können transsexuell sein. Wir wissen das. Und noch etwas: Wer weitere Biologismen wie die oben zitierten findet, kann sie uns gerne zusenden. Danke.

Der Berliner LSVD will Transsexualität unsichtbar machen

Der LSVD in Berlin hat eine transsexuellenfeindliche Aktion gestartet, die sich "Proud to be trans*" nennt. An ungefährt 1000 Stellen wird in Berlin plakatiert und für ein Weltbild geworben, in welchem "Transsexualität" gar nicht mehr vorkommt oder vorkommen soll. Der Verein meldet damit geschlechtlich-patriarchale Definitionsmacht an.

Aufmerksam geworden auf die Aktion sind wir u.a. auch dadurch, dass diese in Zeitungen beworben wird. In einem Arikel von "Neues Deutschland" heisst es zum Beispiel:

"Es gehe darum, Trans*personen nicht auf ihre Geschlechtsmerkmale zu reduzieren" (Quelle: Neues Deutschland, 16.07.2019, "Mit Sichtbarkeit zur Normalität")

Da stellt sich doch gleich die Frage, was die Kampagnenmacher als "Geschlechtsmerkmale" ansehen, und was dann das andere ist.
Weiter hilft der Blick auf die Kampagnenseite:

So fordern sie einen "selbstverständlichen Umgang mit Geschlechtsidentitäten", und dass "Trans*menschen" so definiert werden können, "dass ihnen gesellschaftlich zugeordneten Männer-und Frauenrollen nicht entsprechen". Transgeschlechtlichkeit beschreibe die "Geschlechtsidentität" und deswegen sei der Begriff "transsexuell" irreführend.
(Quelle: https://berlin.lsvd.de/buendniskampagne-2019/)

Die Kampagne ist transsexuellenfeindlich. Er stellt ein patriarchales Geschlechterverständnis über das Wissen, das Menschen über sich selbst haben. Offenbar soll dieser Definitionshoheitsanspruch über Menschen flächendeckend klar gemacht werden.

Wir haben deswegen an "Neues Deutschland" einen Brief verfasst:

Liebe Redaktion,

es ist sehr traurig, dass ihr gar nicht merkt, dass mit "trans*" eine neue patriarchale medizinisch-psychiatrische Fremdbestimmung von Menschen einhergeht. "trans*" will auch Transsexualität vereinnahmen. "trans*" geht um Identität und basiert auf der Idee, dass die "Geschlechtsidentität" von so etwas wie einem "biologischen Geschlecht" abweichen kann. Das wäre noch nicht schlimm. Schlimm ist aber, wenn dann Transsexualität, also das abweichen von Körpermerkmalen zum eigenen Geschlecht, zu dieser "Identität" gemacht wird. Weil: Dann heisst das in der Regel nämlich, dass an der patriarchalen Idee festgehalten wird, man(n) könne die Deutung körperlich-sichtbarer Gegebenheiten als das "biologische Geschlecht" bezeichnen, anstatt zu berücksichtigen, dass Menschen selbst ein besseres Wissen über ihr Geschlecht haben, als Aussenstehende.

Es sollte einem klar werden, dass a) die Deutung von Körpermerkmalen nie das "biologische Geschlecht" sind, sondern nur eine Näherung sein kann, die auf Gender(!) basiert. Und, dass b) Menschen - da sie keine Objekte sind - sich selbst besser zu ihrem Sexus äussern können, als jeder Aussenstehender.

Wenn nun in einer Stadt flächendeckend "Trans*" beworben wird, dann ist das für Menschen, die wissen, dass sie transsexuell sind, aber nicht "trans*", ein ziemlicher Horror. Weil damit dann Flächendeckend unsichtbar gemacht wird und zugleich das Signal gegeben wird: Wir definieren hier, wer Du bist... selbst, wenn Du es besser weisst.

Unsichtbarmachung "Sichtbarkeit" zu nennen, ist ein Zynismus.

Es wäre doch schön, wenn zu dieser Flächendeckenden Unsichtbarmachung von Transsexualität irgendwann mal ein Diskurs beginnen würde. Und dann auch darüber, was das mit patriarchalen Definitionshoheitsansprüchen, geschlechtlicher Gewalt und Herrschaft über Körper zu tun hat.

Schöne Grüsse,

Kim Schicklang