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Ein neuer Feminismus

Wir brauchen einen neuen Feminismus. Da gibt es den einen, der so etwas wie ein biologisches Geschlecht an den Genitalien festmacht (Sexus) und damit die Bewertung von Körpern (auch Frauenkörpern), möglich macht. Dieser Feminismus schafft die Klassen, die er angeblich bekämpfen will. Und es gibt den anderen Feminismus, der nur noch Rollen kennt (Gender) und behaupet, wir alle würden uns mit irgendwem identifizieren. Dieser Feminismus erzeugt die Stereotype, die er bekämpfen will.

Ein neuer Feminismus bewertet keine Körper. Ein neuer Feminismus schafft keine Identitätskategorien. Ein neuer Feminismus ist universalistisch. Ein neuer Feminismus hört zu.

Wesen dieses neuen Feminismus ist es, die Bewertung von Körpern und das Konstruieren von Identität als ein sich gegenseitig verstärkendes übergriffiges Prinzip geschlechtlicher Herrschaft zu begreifen. Diese Übergriffe finden wir in Sprache wie in Tat. Wenn von "uneindeutigem Geschlecht" gesprochen wird, zeigt die Sprache, dass die Deutung von Geschlecht immer noch angestrebt wird. Wenn von "cis*Menschen" und "trans*Menschen" die Rede ist, wird die Kategorisierung - und damit Bewertung - gesellschaftlicher Gruppen immer noch hingenommen.

Deuten, Kategorisieren und Bewerten sind gewalttätige Akte und Ausdruck eines geschlechtlichen Machtanspruchs. Die Grenzen, die dabei regelmässig und selbstverständlich übertreten werden, Zeichen patriarchaler Gewalt.

Ein neuer Feminismus ist sich der Gewalt durch Bewertung von Körpern und gesellschaftlicher Kategorisierungen bewusst und setzt sich für ein Ende dieser Konventionen ein. Ein neuer Feminismus ist sich bewusst, dass eine Welt, in der Menschen sich zuhören anstatt zuzuweisen und Menschen sich wertschätzen, anstatt sich zu bewerten, eine Welt ist, die gelebt werden kann. Es ist ein Welt, in der gelebt werden kann. Es ist eine Welt des neuen Feminismus.

Genderkonstruktionen und das Patriarchat

Genderkonstruktionen stützen patriarchale Machtstrukturen.

Ein Gedanke von Kim Schicklang.

1. Da Gender kulturabhängig ist, ist es auch Transgender
2. Wir leben immer noch in einer patriarchalen Welt, die Frauen als "das andere Geschlecht' definiert
3. Transgender meint immer Geschlechterrollen. Ohne Gender(Rollen) gäbe es auch kein Transgenderismus

Es ist auch auffällig, dass in einer patriarchalen Gesellschaft zwei Phänome als "männlich" angesehen werden. Zum einen sind das "Transmänner". Diese werden nach Aussen, also in der Ebene der Repräsentation von Geschlecht als Mann gesehen und gelesen. Zum anderen sind das "Transfrauen". Diese werden dann ebenfalls als Mann gesehen... als Männer, die nun als Frau leben. Wer den öffentlichen Diskurs verfolgt wird feststellen, dass von "Frauen, die als Mann leben" kaum die Rede ist. Umgekehrt ist das aber der Fall. Der Diskurs wird dann nicht zufällig auch genau aus dieser Perspektive verfolgt... ich denke, dass Machtstrukturen, also das "wer darf über den anderen entscheiden", "wer bestimmt, was eine Person ist" im Grunde genommen immer patriarchale Strukturen sind. Es verwundert auch nicht, dass die meisten Machtpositionen im Bereich Geschlecht männlich besetzt sind.

Ein "männliches Konzept" ist das dann deswegen, da Repräsentationen im Sinne von Macht-Über-Andere männliche Muster im Umgang der Menschen miteinander sind. Die Konstruktion von Rollen, von Bewertungen von Rollen sowie Körpern, entsprechen, so scheint mir, patriarchalen Selbstverständnissen.
Frauen mit Transsexualität, ja Transsexualität an sich (unabhängig des Geschlechts von Menschen), kommen im öffentlichen Diskurs daher nicht vor. Dass Frauen (unabhängig davon, ob sie transsexuell sind oder nicht) Gewalterfahrungen machen mit patriarchalen Konstrukten, ist Alltag. Immer noch.
Dazu gehört dann auch Transgender. Denn Transgender meint, geschlechtliche Rollen zu entwerfen, Menschen anhand dieser einzuteilen und ihnen gesellschaftliche Funktionen zuzuschreiben und diese Rollen dann zu bewerten. Frauen werden in diesem Zusammenhängen unsichtbar gemacht (das, was Simone de Beavouir gemeint hat, als sie davon gesprochen hat, dass Du zur Frau gemacht wirst) und abgewertet.

Wären wir in Sachen Gleichberechtigung weiter, würde nicht die Rolle eines Menschen zählen, sondern der Mensch an sich, unabhängig von Gender-Identitäts-Konstruktionen. Offenbar sind die aus patriarchaler Sicht aber notwendig, um Hierarchien bilden zu können und (männliche) Macht über andere ausüben zu können. Ich denke im übrigen nicht, dass Frauen nicht auch patriarchale Verhaltensweisen zeigen können. Sie können sich sehrwohl zu Komplizinnen machen und auch ein geschlechtliches Weltbild vertreten, in welchem die Bewertung von Rollen und Körpern als völlig normal angesehen wird. Unter Emanzipation verstehe ich, sich dieser Geschlechtermacht bewusst zu werden und sich zu Wort zu melden oder an anderen Umgängen miteinander zu arbeiten. Dazu gehört dann, Menschen als Mensch zu akzeptieren, ohne geschlechtlicher Deutung oder Bewertung und sich gegenseitig zuzuhören. Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die gerne Geschlecht deuten und Gender konstruieren, an einem solchen wertschätzenden Umgang miteinander kein Interesse besitzen. Es geht Ihnen darum ja auch nicht. Deswegen ist "Transgender" ein patriarchales, also männliches Konzept.

Ich würde das sogar noch erweitern: Auch "non-binary" ist ein männliches Konzept. Auch non-binary spielt sich auf der Gender-Ebene ab. Non-Binary ermöglicht nach Aussen als "non-binary" zu leben und in einer patriarchalen Welt erweitern sich dadurch die Möglichkeiten, entweder durch Zugewinn von sozialen Räumen, die vorher verschlossen gewesen sind, oder durch Beibehaltung dieser Räume.
Deswegen ist neben "Transgender" auch "non-binary" ein patriarchales Thema. Über die Gleichberechtigung von Frauen mit körperlichen Variationen redet niemand.

Das ist meine Erklärung dafür, warum "Transsexualität" öffentlich nicht diskutiert wird, aus Buchstabenkobinationen weggelassen wird (wie von LSBTI zu schreiben, anstatt von LSBTTIQ), umgedeutet wird (ganz bewusst) um Transsexualität dem Konzept Transgender unterzuordnen (obwohl Transsexualität eine Abweichung des Körpers zum eigenen Geschlecht meint, also keine "Identität" ist) und warum wir uns nie über Bewertungen von Körpern und Rollen unterhalten und was diese Bewertungen mit geschlechtlicher Macht (über andere) zu tun haben.

Wir erleben eine gesellschaftliche Phase männlicher Gewalt. Das passt dann interessanterweise auch zur rechtspopulistischen Zeit, in der Männlichkeiten wieder stark in den Mittelpunkt gestellt werden und die Konstruktion von Identität eine zentrale Rolle spielt.